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Stand / Druckdatum: 28.04.2017

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Berühmte Leipziger Persönlichkeiten

Größen der Weltgeschichte und ihr Wirken in Leipzig

Ob Kultur, Politik, Sport, Wirtschaft oder Wissenschaft - kaum eine andere deutsche Stadt hat in ihrer langen Geschichte eine derartige Anziehungskraft auf kluge Köpfe ausgeübt. Persönlichkeiten wie Bach, Leibniz oder Nietzsche hinterließen ihre Spuren in Leipzig. Anhand von Portraits wird nachfolgend eine Auswahl der wichtigsten Leipziger Persönlichkeiten vorgestellt. Die Texte zum Download finden Sie links unter "Pressetexte Persönlichkeiten".

 
 
 
 
 
 

Reclam, Anton Philipp

Leipziger Freiheitskämpfer für Worte

Der Verleger Heinz Friedrich würdigte Reclam als den „Erfinder der Massenauflagen für die Massen“ und „Urvater des modernen Großverlags und der pluralistischen Taschenbuchprogramme“. Reclams Bedeutung für die Epoche verglich er mit der Bedeutung Gutenbergs für die Frührenaissance. Mit dieser Aussage hatte er nicht übertrieben. Reclam beeinflusste während seiner 68-jährigen Verlegertätigkeit das Bildungsleben im In- und Ausland ganz nachhaltig.

Als Anhänger reformatorischer Lehren war die hugenottische Familie Reclam im französischen Savoyen Verfolgungen ausgesezt gewesen. Ein Zweig des Geschlechtes kam deshalb auch nach Leipzig. Hier betrieb Carl Heinrich Reclam (eingedeutschter Name) seit dem Jahr 1802 eine Buchhandlung und einen Verlag. Sein Sohn Anton Philipp bewies Flexibilität und absolvierte in Braunschweig eine Buchhändlerlehre beim Onkel Friedrich Vieweg. Danach kaufte der Jungunternehmer nach seiner Rückkehr 1828 nach Leipzig als Einundzwanzigjähriger am 1.4.1828 für 3.000 Taler – die er sich von seinem Vater geborgt hatte - das „Literarische Museum für Freunde der Wissenschaften, der schönen Künste und Lectüre“ in der Grimmaischen Straße. Dieses war 1795 von dem Buchhändler Johann Gottlob Beygang gegründet worden. Es handelte es sich dabei um eine Leihbibliothek mit Zeitungslesesaal, in dem über 150 deutsche und ausländische Zeitungen auslagen. Diese Einrichtung war – vor allem wegen der Zensurlandschaft nach dem Wiener Kongress – ein Ort, an dem sich alle trafen, die aufsässig waren und sich Gedanken über die Zukunft machten.

Am 1.10.1828 meldete der unternehmungslustige Reclam den „Verlag des Literarischen Museums“ in Leipzig/Königreich Sachsen an. „.Das Literarische Museum wurde unter Reclams Leitung zu einem Mittelpunkt politischer und literarischer Diskussion. Nur sechs Monate später gründete er den „Verlag des literarischen Museums“, den er 1837 in Verlag Philipp Reclam jun. umbenannte. Durch den Ankauf der Haackschen Buchdruckerei wurde die verlegerische mit der drucktechnischen Arbeit vereint. Mit seinem Verlag versuchte der politisch engagierte Liberale die Zensur zu umgehen und gab mit der „Leipziger Locomtive“ eine demokratische Wochenschrift heraus, die im Juni 1843 durch die sächsische Pressepolizei verboten wurde. Dennoch besaß das Blatt zuletzt 20.000 Abonnenten. Der aufmüpfige Reclam landete 1846 wegen seiner Publikationen sogar vor Gericht. Zeitlebens kämpfte Reclam für die Freiheit des Wortes und die Unabhängigkeit des Verlegers. Nach der Revolution 1848 gab er ein gemischtes Verlagsprogramm heraus, das von Liedersammlungen über Bibelausgaben bis zu Wörterbüchern reichte.

Reclams historische Stunde schlug am 9.11.1867, als das Urheberrecht im Deutschen Bund neu geregelt wurde. Mit dem Gemeinfreiwerden der Autoren 30 Jahre nach ihrem Tod wurde der Nachdruck für deutsche Klassiker geregelt. Reclam wagte nun unter Mitwirkung seines seit 1863 in der Firma tätigen Sohnes Hans Heinrich Reclam etwas völlig Neues: Die „Universal-Bibliothek“. Damit versprach er „ein Erscheinen sämtlicher classischer Werke unserer Literatur“ sowie ausländischer Klassiker in guten Übersetzungen. Die „Universal-Bibliothek“ des Verlags Philipp Reclam jun. startete programmatisch mit Goethes „Faust I und II“ (1867) und hat als älteste deutsche Taschenbuchreihe bis heute Bestand. Mit einem Preis von nur zwei Silbergroschen pro Band unterbot Reclam damit alle Konkurrenten und machte die Klassiker auch unteren sozialen Schichten zugänglich. Seine Rechnung ging auf.

Am 10.11.1868 lagen bereits 100 „Universelle“ vor. Ein Wettbewerbsvorteil war auch, dass die Käufer die Bände einzeln ohne Subskriptionsverpflichtung erwerben konnten. Durch Reclams vorausschauende Kalkulation konnte der Startpreis von 20 Pfennigen pro Nummer der Universal-Bibliothek 49 Jahre lang beibehalten werden. Der anfangs spottende Name „Groschenreclam“ wurde letzendlich ein Ehrentitel für den erfolgreichen Verleger. Bis zu Reclams Tod, im Jahre 1896, wies die „RUB“ 3470 Nummern aus. 1945 erschien die Ausgabe 7610. Aufgrund des rapiden Wachstums ließ Reclam 1887 ein neues Verlagshaus in der Kreuzstraße 7 bauen und arbeitete in seiner eigenen Druckerei mit den drucktechnisch neuesten Verfahren. Zu dieser Zeit beschäftigte der Verleger auf einem Gelände von 15.000 m2 über 100 Personen. Seine Nachfolger errichteten 1905 in der Inselstraße ein Hauptgebäude. Sieben Jahre später – damals revolutionär – führte der Verlag Verkaufsautomaten für die Taschenbücher ein. 1917 waren fast 2.000 davon in Betrieb.

Der Niedergang kam in der Nachkriegszeit. Demontagen und politischer Druck der Russen machte die Verlagsarbeit unmöglich. Die Familie Reclam verließ 1950 Leipzig und wählte Stuttgart als neuen Verlagssitz. Reclam Leipzig bestand nach seiner Verstaatlichung weiterhin und überdauerte auch die Zeit nach 1990. Das eigene Programm wird heute mit dem Stuttgarter Verlag abgestimmt. Inzwischen zog das Unternehmen wieder ins alte Reclam-Verlagsgebäude in der Inselstraße 22-24. Bis heute ist die „Universal-Bibliothek“ ein Synonym für das gute und preiswerte Buch. Bestseller ist auch heute noch Goethes „Faust“, von dem rund 100.000 Exemplare jährlich gedruckt werden.

Derzeit befindet sich ein Reclamautomat in der Inselstraße 22-24 sowie im Anton-Phillip-Reclam-Gymnasium.

Anekdoten/ Zitate:
Der Schriftsteller Hans Reimann würdigte den berühmten Verleger in seinem Werk „Das Buch von Leipzig. Was nicht im Baedeker steht“: „Die Reclambände... haben den Minderbemittelten zu einer gediegenen und umfassenden Bibliothek verholfen und deutsches Geistesgut rund um den Erdball verbreitet. Sie sind in Tokio oder Paris ebenso wohlfeil und leicht zu haben wie auf dem Bahnsteig in Kottbus“.
 
 
 
 
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