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Stand / Druckdatum: 26.06.2017

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Berühmte Leipziger Persönlichkeiten

Größen der Weltgeschichte und ihr Wirken in Leipzig

Ob Kultur, Politik, Sport, Wirtschaft oder Wissenschaft - kaum eine andere deutsche Stadt hat in ihrer langen Geschichte eine derartige Anziehungskraft auf kluge Köpfe ausgeübt. Persönlichkeiten wie Bach, Leibniz oder Nietzsche hinterließen ihre Spuren in Leipzig. Anhand von Portraits wird nachfolgend eine Auswahl der wichtigsten Leipziger Persönlichkeiten vorgestellt. Die Texte zum Download finden Sie links unter "Pressetexte Persönlichkeiten".

 
 
 
 
 
 

Seume, Johann Gottfried

Der berühmteste Spaziergänger der Literaturgeschichte

Der Reiseschriftsteller und Dichter der Aufklärung wurde am 29.1.1763 in Poserna bei Weißenfels geboren und lebte als Sohn verarmter Bauern seit 1770 in Knautkleeberg bei Leipzig. Dort hatten seine Eltern eine Gastwirtschaft gepachtet. Schon als Kind musste Seume mit ansehen, wie sein kranker Vater zum Frondienst gepresst wurde. Dies überzeugte ihn von der Unmenschlichkeit des feudalistischen Systems. Der junge Seume hatte jedoch Glück, dass er die Gunst des Grafen Friedrich Wilhelm von Hohenthal-Knauthain, einem der reichsten Kaufleute im Umland und seit 1766 Besitzer des Rittergutes Knauthain, erlangte. Dieser finanzierte Seumes Ausbildung, so dass er von 1779 bis 1780 die Nikolaischule besuchen konnte. Dort war Seume unter der Zucht des Rektors Martini jedoch nicht glücklich und suchte oft Zuflucht bei den antiken Autoren. Auf Wunsch des Grafen von Hohenthal, nahm Seume im Anschluss ein Theologiestudium an der Universität Leipzig auf. Von seinem Gönner erhielt er monatlich fünf Taler, was jedoch zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel war. Die finanzielle Situation, aber auch die dogmatischen Lehrauffassungen der Theologischen Fakultät veranlassten Seume die Ausdbildung nach einem knappen Jahr abzubrechen.

Im Juni 1781 verließ er Leipzig in Richtung Frankreich und entzog sich der Verantwortung gegenüber seinem Förderer und dessen Auflage, um Pfarrer zu werden. Seume führte nun ein Leben, das reich an Abenteuern und Entbehrungen war. So wurde er in Thüringen von Werbern aufgegriffen und war unfreiwillig als deutscher Söldner am Krieg Englands gegen die nordamerikanische Unabhängigkeitsbewegung beteiligt. Nach mehreren Fluchtversuchen wurde er erst 1787 gegen Kaution freigelassen und kehrte nach Leipzig zurück.
Hier studierte er Jura, Philosophie, klassische Philologie und Geschichte und schloss Freundschaft mit Adam Friedrich Oeser und Veit Hans Schnorr von Carolsfeld. Seinen kargen Lebensunterhalt verdiente er sich als Privatlehrer und Übersetzer. Nachdem er 1792 die Lehrerlaubnis erhalten hatte, wirkte Seume als Hofmeister in Livland,als russischer Militäradjudant und Leutnant in Warschau. Als Seume nach langer Wanderschaft im Jahr 1794 nach Leipzig zurückkehrte, verstand er sich als politischer Schriftsteller und verfasste erste literarische Werke. Doch davon konnte er nicht leben. Bei seinem Zwischenaufenthalt in Leipzig Ende der achtziger Jahre hatte er den Verleger Georg Joachim Göschen kennengelernt und bei ihm als Übersetzer gearbeitet. Diesem Umstand verdankte er es, dass er 1797 mit 34 Jahren Korrektor des Göschen Verlags wurde, der im gleichen Jahr von Leipzig nach Grimma umgesiedelt war. Hier lektorierte Seume fast das ganze Verlagsprogramm, zu dem u.a. Werke von renommierten Autoren wie Christoph Martin Wieland und Friedrich Gottlob Klopstock gehörten.

Am 9.12.1801 brach der Freigeist und Abenteurer Seume von Grimma zu jenem denkwürdigen „Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802“ auf und legte 6.000 Kilometer fast komplett zu Fuß zurück. Sein Ziel war die Arethusa-Quelle bei Syrakus, ein sagenumwobener Süßwasserspeicher auf der Sizilien vorgelagerten kleinen Insel Ortygia. Dort zog es seit jeher Geistesgrößen hin. Am 1.4.1802 erreichte er Syrakus. Mit der Beschreibung dieser Reise, bei der er seine Eindrücke ohne jede Schönfärbung schilderte, erlangte er in ganz Deutschland Berühmtheit. Das dreibändige Werk zählt zu den berühmtesten Reisebüchern des 19. Jahrhunderts und wirkt bis heute fort. Der Einzelgänger durchquerte Italien und bereiste vier Jahre später Polen, Russland, Finnland, Schweden und Dänemark. Neben dem „Spaziergang“ hielt er seine Eindrücke auch in „Mein Sommer 1805“ (1806) fest. Beide Reiseberichte wurden vom Lesepublikum euphorisch aufgenommen. Seume schilderte soziale Missstände und rechnete mit Napoleon als Verräter am republikanischen Ethos der Revolution ab. Seine politischen Essays und literarischen Arbeiten zeugen von einem für die deutschen Verhältnisse ungewöhnlich hohen politischen Bewusstsein. Dabei erzeugt der Wechsel zwischen Seumes beschaulichem, kleinbürgerlichem Leben und seinem militärischem Kampf auf den Kriegsschauplätzen der Weltveränderung literarische Brisanz.

Seumes letzte Lebensjahre waren von Krankheit und Not überschattet. Obwohl er als bekannter Autor und kritischer Aufklärer geschätzt wurde, starb er am 13.6.1810 arm und verlassen während eines Kurzaufenthaltes im Kurort Teplitz. Als einer der wenigen Freunde blieb ihm der Verleger Göschen in der letzten Stunde.

In Leipzig existiert seit dem 3.10.1937 die Seumestraße in Knauthain, zuvor mit selbigem Namen in Knautkleeberg seit 1909.

Anekdoten/ Zitate:
Seume besuchte gern den Wald im Rosental. Als der Naturfreund eines Tages sah, dass Holzfäller Bäume fällten, schrieb er entsetzt:
„Herzlose Männer zerstören den Hain mit wütender Mordaxt,
Und der Schlag hallt von der Entheiligung weit in die Flur fort;
Meine Geliebtesten fallen, die Starken, die Helden des Tales,
Denen das rauschende Laub noch gestern ums männliche Haupt klang.
Haben die Männer des Lindenhains denn Seelen von Eisen?“

Eine Erkenntnis von Seumes Leben lautete: „Ich halte den Gang für das Ehrenvollste und Selbstverständlichste in dem Mann und bin der Meinung, dass alles besser gehen würde, wenn man mehr ginge. So wie man im Wagen sitzt, hat man sich gleich einige Grade von der ursprünglichen Humanität entfernt ... Fahren zeigt Ohnmacht, Gehen Kraft.“

 
 
 
 
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