Auf den Spuren der Industriekultur

Du hast Lust auf Leipzigs Kultur und Stadtgeschichte? In kaum einem Bereich treffen diese beiden Themen so sehr aufeinander wie in der Industriekultur. Wir schicken dich auf Entdeckungsreise durch Leipzig und die Leipzig Region und verraten dir, wo du auf interessante Spurensuche gehen kannst.

Unterwegs im Leipzig der Gründerzeit
Kohle, Dampf, Licht – Industrialisierung in der Leipzig Region
Mehr über Denkmäler und Zahnräder

Unterwegs im Leipzig der Gründerzeit

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Die Alte Baumwollspinnerei gilt als eines der Zentren der Kunstszene in Europa.

Ausgangspunkt deiner Erkundung ist die Spinnerei im westlichen Stadtteil Lindenau. Auf dem 10 Hektar umfassenden Werksgelände befindet sich die einst größte Baumwollspinnerei Europas. Wo sich früher über 240.000 Spindeln täglich drehten, befindet sich heute eines der Zentren der europäischen Kunstszene. Zwischen den charakteristischen Backsteinbauten kannst du zum traditionellen Rundgang jeweils im Frühjahr oder Herbst in Galerien mit klangvollen Namen wie Eigen+Art, Galerie Dukan oder Art Mûr die neuesten Werke internationaler Künstler bestaunen. Und auch weitere Einrichtungen wie eine Fahrradmanufaktur, ein Kino oder ein Künstlerbedarfshandel hauchen der Industriestätte neues Leben ein.

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Plagwitz ist das aufstrebende, moderne Künstlerviertel Leipzigs.

Auf der Karl-Heine-Straße einige Hundert Meter weiter stehst du mit beiden Beinen fest auf und in einem der interessantesten Kapitel der Stadtgeschichte. Der dazugehörige Stadtteil Plagwitz ist eines der wichtigsten Sinnbilder für die Industrialisierung in Leipzig und die damit einhergehenden Veränderungen. Lebten hier im Jahr 1870 gerade einmal 2.000 Einwohner, so waren es gerade einmal 25 Jahre später bereits mehr als 13.000. Grund dafür war der hohe Bedarf an Arbeitern, die die umliegenden neu aus dem Boden schießenden Fabriken versorgen mussten. Zeuge davon sind die vielen, um 1890 gebauten Gründerzeitbauten, die du auf der Karl-Heine-Straße besichtigen kannst und die heute kleine, manchmal exotische und immer unverwechselbare Cafe’s, Kneipen und Start-Ups beherbergen.

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Das Westwerk  am Karl-Heine-Kanal war früher mal eine Gießerei.  © Westwerk

Direkt an der Karl-Heine-Straße gelegen findest du das Westwerk, eine ehemalige Gießerei. Wo sich früher Straßenbahndepots befanden und Industriearmaturen gefertigt wurden, hast du heute die Möglichkeit, in verschiedenen Locations zu tanzen, Flohmärkte zu besuchen, Essen zu gehen oder ein Boot auszuleihen. Ganz richtig, denn am Westwerk vorbei führt der Karl-Heine-Kanal, ein künstlich angelegtes Kanal-System, das Leipzig den Beinamen „Klein-Venedig“ einbringt, und von dem aus du die Stadt aus einer ganz anderen Perspektive entdecken kannst.

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Früher eine Wollgarnfabrik, heute zahlreiche Wohnungen und Lofts als Übernachtungsmöglichkeit. © Robin Kunz

Dem Kanal stetig folgend, kommst du an den unverwechselbaren Buntgarnwerken vorbei, dem größten Gebäudekomplex der Gründerzeit und Deutschlands größtem Industriedenkmal. Auch hier wurde auf über 50.000 Quadratmetern Wolle veredelt, der anliegende Kanal diente dabei als Zulieferungsstelle und Transportmöglichkeit. Doch auch dieses Gebäude hat einen gewaltigen Wandel hinter sich. Nach zahlreichen Umbauten entstanden in den ehemaligen Industriehallen über 300 Lofts und Wohnungen, bei deren Anblick du ins Schwärmen geraten wirst: Hohe Decken und lichtdurchflutete Räume geben dem alten Gebäude eine neue Bedeutung und dir das Gefühl, auf 230 m² mit Blick auf den Kanal in einer der exklusivsten Übernachtungsmöglichkeiten der Stadt zu Gast zu sein.

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Die frühere Konservenfabrik wartet auch heute noch mit der „Löffelfamilie“ an der hauseigenen Fassade auf. © Freiesleben Fotografie

Doch vor einer Rast gibt es noch so einiges zu entdecken. Südlich des Zentrums findest du eines der ewigen Wahrzeichen der Messestadt: Die „Löffelfamilie“ an der Außenfassade der Leipziger Feinkost dient nicht nur der nächtlichen Orientierung im abendlichen Kneipengetümmel der Karl-Liebknecht-Straße, sondern verweist auch dezent auf die frühere Funktion des Gebäudes als Konservenfabrik. Von einer Genossenschaft aus dem Dornröschenschlaf erweckt, hat man es sich zur Aufgabe gemacht, das Gelände des ehemaligen Volkseigenen Betriebs mit neuem Leben zu erfüllen. Mit Erfolg, kannst du dir hier die Zeit nicht nur in den süßen kleinen Läden vertreiben, sondern auch im überdachten Innenhof selbst, zum Beispiel auf dem einmal im Monat stattfindenden Flohmarkt.

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Das Werk 2 besteht aus zwei großen Hallen, die heute hauptsächlich für Konzertveranstaltungen genutzt werden.

Hast du dir nicht auch schon einmal heimlich gewünscht, in einer alten Industriehalle richtig Lärm zu machen? Die Betreiber des Werk 2 am Ende der Karl-Liebknecht-Straße haben sich diesen Wunsch erfüllt, und insgesamt zwei Hallen der ehemaligen Gasmesserfabrik zu Konzertsälen umgebaut, in denen internationale Stars aus allen möglichen Genres und Kategorien auftreten. Auch ein soziokulturelles Zentrum hielt Einzug in dem für die Gründerzeit charakteristischen Backsteingebäude. Vom 09. Bis zum 18.12. findest du hier übrigens auch einen alternativen Weihnachtsmarkt, bei dem du nicht nur die Stände, sondern auch die Ausmaße der alten Hallen bewundern kannst.

Kohle, Dampf, Licht – Industrialisierung in der Leipzig Region

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Der Bandabsetzer 1115 überragt auf dem Gelände des Bergbau-Technik-Parks. © Alexander Klich

Am Connewitzer Kreuz angelangt, hast du die Möglichkeit, deine Reise nach Süden fortzusetzen, denn auch in der Leipzig Region sind die Spuren der Industrialisierung unverkennbar. Wusstest du beispielsweise, dass das Leipziger Neuseenland eine Folge des Tagebaus ist? Die sogenannten Tagebaurestlöcher werden nach und nach geflutet und so rückt das eigentlich ferne Meeresfeeling plötzlich ganz nah an Leipzig heran. Wie sich die  Landschaft in den letzten Jahrzehnten verändert hat, kannst du am besten im Bergbau-Technik-Park entdecken. Zwischen dem Markkleeberger und dem Störmthaler See gelegen, findest du hier nicht nur eine spannend aufbereitete Dauerausstellung und unzählige informative Schautafeln, sondern auch ganz schweres Gerät: Der Bandabsetzer 1115 stellt mit seinen über 200 Metern Länge und mehr als 2.400 Tonnen Gewicht das Kernstück der Ausstellung neben vielen anderen Geräten dar, die das Gesicht der Leipzig Region entscheidend verändert und die Grundlage für die heutige Seenlandschaft geschaffen haben.

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Auf dem Bergbauausstellungspavillon kannst du neben der Aussicht auch noch leckere Speisen im Restaurant genießen. © TVLN

Das Ergebnis kannst du an vielen Stellen sehen, an kaum einer anderen Stelle ist es aber wohl eindrücklicher als am Kap Zwenkau. Hier entsteht derzeit der Zwenkauer Hafen und mit ihm der bereits fertige Bergbauausstellungspavillon. Die Glas- und Stahlkonstruktion wurde ihrem äußeren nach der Abraumförderbrücke AFB 18 nachempfunden, seinerzeit die älteste und größte Förderbrücke der Welt. Im Pavillon selbst findest du neben einem Restaurant eine Aussichtsterasse und einige Schritte weiter die Ablegestelle der MS Zwenkau, um eine Bootsfahrt auf dem See zu genießen.

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Das Fotomuseum in Markleeberg bietet seinen Besuchern ständig wechselnde Ausstellungen an. © Robert Geipel

Wenn du lieber die Übersicht behalten möchtest, bist du im Kraftwerk Lippendorf bei Böhlen genau richtig. Von einer der beiden Aussichtsplattformen in 160 Meter Höhe kannst du das Panorama  des Neuseenlands weit überblicken, nebenbei viele interessante Fakten über den größten Energielieferanten in der Leipzig Region erfahren – und einen Blick in die glühenden Kessel werfen. Apropos Panorama: Dass die Industrialisierung nicht nur ein gigantischer Wirtschaftsmotor war, sondern auch eine starke Triebfeder für Kunst und Kultur, beweist die Erfindung des Panorama-Blickes im Zuge der Erfindung der Eisenbahn. Und der war wiederum enorm wichtig für die Entwicklung der Fotografie. Das ist aber nur einer der unzähligen Eindrücke, die man im Deutschen Fotomuseum in Markkleeberg  bekommt. Von den Anfängen der „Laterna magica“ bis zur hochmodernen Digitalfotografie findest du hier neben zahllosen Exponaten auch ständig wechselnde Ausstellungen zu Pionieren der Fotografie oder zeitgeschichtlichen Themen. Wenn du den Panorama-Blick hingegen ganz konventionell erleben möchtest, so kannst du einfach in eine der verbliebenen Schmalspurbahnen in der Leipzig Region steigen, zum Beispiel der Döllnitzbahn in Oschatz. Der „Wilde Robert“ genannte Zug war einer der letzten öffentlichen Schmalspur-Güterzüge und fährt auch heute noch mit Dampf durch’s Mügelner Land.

Mehr über Denkmäler und Zahnräder

Wenn du dich darüber hinaus für Industriekultur interessierst, so besuche doch am ersten Septemberwochenende den „Tag der Industriekultur“ in Leipzig und der Leipzig Region. Hier sind viele Unternehmen, Museen und Sammlungen beteiligt und öffnen jedes Jahr mit zahlreichen Sonderveranstaltungen ihre Pforten.

Am zweiten Sonntag im September findet hingegen jährlich bundesweit der „Tag des Denkmals“ statt. Hier kannst du viele ansonsten verschlossene Bau- und Kunstdenkmäler besichtigen und einen Einblick in die Arbeit von Restauratoren und Denkmalpflegern erhalten.

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