Hoffmann: Ein Leipziger Visionär

Hochpoliertes Edelholz, Säulen aus weißem Marmor, eingearbeitete Medaillons mit antiken Motiven: das ist der Schick des Klassizismus, der Ende der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert Hochkonjunktur erlebte, und der Stil des Hoftischlers und Unternehmers Friedrich Gottlob Hoffmann (1741-1806).

Es ist nicht verwunderlich, wenn es bei euch bei dem Namen (noch) nicht klingelt, denn die Arbeit des Leipziger Kunsttischlers ist der breiten Masse bisher nicht bekannt. Dabei ist sein Leben und Wirken alle mal interessant und ein Teil der sächsischen und vor allem Leipziger Geschichte.

80 Ausstellungsstücke hat das GRASSI Museum für Angewandte Kunst erstmalig in einer Sonderausstellung zusammen getragen. Keine leichte Aufgabe, denn Hoffmann hat seine Möbelstücke nicht signiert. Michael Sulzbacher und Peter Atzig haben sich gemeinsam mit dem GRASSI Museum auf die Suche nach den Möbeln begeben und sie für eine größere Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Das Besondere  sind nicht nur die Möbel des Meistertischlers – diese entsprachen nämlich stets den aktuellen Trends aus England und Frankreich – sondern vor allem sein unternehmerisches Geschick und sein Gespür für den Kunden. Er war eine echter Visionär und revolutionierte, mit innovativer Werbung für seine Möbel, das Unternehmertum.

Als erster Unternehmer im deutschsprachigen Raum druckte Hoffmann Werbekataloge und pries damit seine Waren an. Doch anders als heute wanderten diese nicht kostenlos in die Briefkästen der Kunden, sondern konnten für ein bis drei Taler gekauft werden!

Katalog von F. G. Hoffmann. © Andreas Schmidt
Katalog von F. G. Hoffmann. © Andreas Schmidt

Anders als zur damaligen Zeit üblich produzierte Hoffmann auf Vorrat und nicht nur einzelne Auftragsstücke. Er beschäftigte mit seiner effizienten Herstellung in seinen zwei Werkstätten 42 Mitarbeiter – üblich waren maximal fünf. In seiner Werkstatt am Thomaskirchhof erfand er immer wieder neue Funktionselemente und ging dabei vor allem auf die Bedürfnisse seiner Kunden ein. Sicher sehr bekannt sind die versteckten Geheimfächer, ausklappbare Flächen, Kerzenhalter und Spiegel, die er in viele seiner Möbelstücke integrierte.

Nach der französischen Revolution war der Markt für Luxusmöbel eingebrochen und Hoffmann besetzte geschickt eine Nische: mit günstigen Alternativen zu exotischen Hölzern erreichte der Tischler alle Kundengruppen und produzierte für den kleinen sowie den großen Geldbeutel.

Links das teure Original aus exotischem Holz und rechts die günstige Version. © Andreas Schmidt
Links das teure Original aus exotischem Holz und rechts die günstige Version. © Andreas Schmidt

Hoffmanns moderne Arbeitsweise und der internationale Ruf der Leipziger Messestadt brachte ihm zahlreiche Kunden sowohl im Bürgertum als auch aus dem Adel – und viel Ärger mit der Tischlerinnung. Abhilfe schuf seine Ernennung zum „chursächsischen Hoftischler„, die ihn von allen Einschränkungen befreite.

Stuhlwand am Ende der Ausstellung. Nur eine der Sitzgelegenheiten ist von Hoffmann - aber welche? © Andreas Schmidt
Stuhlwand am Ende der Ausstellung. Nur eine der Sitzgelegenheiten ist von Hoffmann – aber welche? © Andreas Schmidt

Auch wenn es einige Merkmale gibt, die zur Bestimmung eines Hoffmann’schen Möbelstücks gibt – einfach ist das auf keinen Fall. Welcher der Stühle ist denn nun ein „echter Hoffmann“? Die Antwort gibt’s noch bis zum 12.04.2015 im GRASSI Museum für Angewandte Kunst!

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Autorin: Marlene Heß
Leipzig Tourismus und Marketing GmbH
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2 Kommentare

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