Leipzig(er) Portraits: Philipp Kirschner

Was macht Leipzig eigentlich so attraktiv für Einheimische, Zugezogene und Weltenbummler? Dieser Frage stellt man sich im Alltag eher selten. Wir nehmen es wahrscheinlich als gegeben hin. Als gebürtiger Leipziger habe ich meine facettenreiche Stadt auf so vielen unterschiedlichen Ebenen lieben gelernt. Warum das so ist? Dies versuche ich euch aus meiner „Fotografensicht“ näher zu bringen.

L(i)ebenswertes Leipzig

Im Jahr 2011 begann ich meine Ausbildung zum Mediengestalter. Von meinem ersten, zugegeben sehr geringen Gehalt, kaufte ich mir meine erste digitale Spiegelreflexkamera. Mit dieser zog ich nun täglich los, um Leipzig aus den verschiedensten Ecken kennenzulernen. Von nun an hatte mich mein Entdeckergeist vollends gepackt. Mit Freunden war ich meist am Wochenende unterwegs. Neben den typischen Sehenswürdigkeiten hatten es mir die zahlreichen Lost Places angetan.

Die einzigartigen Lost Places in Leipzig – Verlassene Hallen mit ganz besonders großem Charme.

Bis vor einigen Jahren waren in Leipzig noch unzählige solcher Orte zu finden. Für manch einen waren es Schandflecken. Für mich war es ein reines Abenteuer. Mit dem ersten Schritt in die verlassenen Hallen machte ich einen riesigen Sprung in die Vergangenheit. Der Charme des Verfalls hatte seine Reize und meine Fantasie wurde durch etwas in die Jahre gekommenes, modriges Interieur angeregt.

Was spielte sich vor vielen Jahren an diesem Ort ab? Welche Menschen arbeiteten oder lebten hier? Wie kam es zu dem Verfall. Ein gewisser Nervenkitzel war stets dabei, wenn man durch dunkle Räume stapfte, die alten Holzdielen knackten oder Wasser von der Decke tropfte.

Leipzig und seine Gewässer im Einklang – Das Neuseenland in der Leipzig Region.

Apropos Wasser. Davon gibt es vor den Toren der Stadt mehr als genug. Vor allem in den Sommermonaten sehr beliebt bei Jung und Alt. Derweil ist das Leipziger Neuseenland zu jeder Jahreszeit einen Ausflug wert. Besonders der Markkleeberger See ist für mich ein stetiger Begleiter im Alltag. Sei es nun für die wöchentliche Laufrunde oder für die morgendliche Fototour. Rund um den Markkleeberg See gibt es einiges zu entdecken. So habe ich im Morgengrauen bereits Freundschaft mit dem einen oder anderen Reh, Hasen, Fuchs oder auch Dachs schließen können. Und all dies nur einen Katzensprung von Leipzig entfernt.

Tipp: Der Blick von der Bistumshöhe auf das Panorama Leipzigs.

Wer sich gerne einmal die Schönheit der Neuseenlandschaft von oben ansehen möchte, dem kann ich einen Trip zur Bistumshöhe am Cospudener See absolut empfehlen. Zwar müssen zunächst zahlreiche Treppenstufen überwunden werden, die einzigartige Aussicht entschädigt jedoch für jegliche Anstrengungen. Neben der ausgeprägten Natur kann man am Horizont auch die eindrucksvolle Leipziger Skyline erspähen. In meinem Bildband „Leipzig in neuem Licht“ wird die Neuseenlandschaft im Übrigen sehr ausgiebig mit Fotografien vorgestellt.

Für einen Spaziergang am Wasser muss man Leipzig jedoch nicht zwingend verlassen. Zwar kann man im Karl-Heine-Kanal nicht baden. Eine Bootstour, welche ich jedem Leipziger uneingeschränkt empfehlen möchte, ist aber mindestens genauso aufregend. Die zahlreichen Brücken sind nicht nur aus meiner fotografischen Sicht ein besonderer Teil der Stadt. In dieser romantischen Umgebung durfte ich schon das eine oder andere Brautpaar ablichten. Aber gerade in den Abendstunden, wenn die Laternen beginnen zu leuchten, zeigt sich die Schönheit des Karl-Heine-Kanals.

Am Abend kommen Fotografen am beleuchteten Karl-Heine-Kanal besonders auf ihre Kosten.

Schaut man sich Leipzig einmal von oben an, stellt man schnell fest, dass es eine besonders grüne Stadt ist. Die vielfältigen Parkanlagen und Waldgebiete sind ebenso ein wesentlicher Punkt, welcher Leipzig so l(i)ebenswert macht. Egal, ob im Lene-Voigt-Park, Clara-Zetkin-Park, Rosental oder im Auenwald. Die Nähe zur Natur ist für die Stadt eine absolute Bereicherung und lädt zum Verweilen ein.  So kommt es nicht von ungefähr, dass ich mich mit meiner Kamera des Öfteren im Grünen bewege. Gerade in den frühen Morgenstunden zaubern die ersten Sonnenstrahlen ein magisches Licht. Aber nicht nur das. Im zentral gelegenen Johannapark kann es durchaus passieren, dass man mit Heimkehrenden der letzten Partynacht über die Schönheit von Leipzig philosophiert.

Ein beliebter Fotospot – Die Brücke im Johannapark.

Natürlich ist die Messestadt nicht nur von „unten“ ein absoluter Hingucker. Seitdem ich die Fotografie für mich entdeckt habe, liebe ich es Leipzig von „oben“ zu entdecken. Vor allem zur Blauen Stunde, wenn die Lichter der Stadt beginnen zu funkeln und der Himmel sich tiefblau färbt, kann man Leipzig von der schönsten Seite kennenlernen. Insbesondere die frei zugänglichen Dächer vom Uniriesen und vom Hotel „Innside“ kann ich jedem Nachtschwärmer ans Herz legen. Selbstverständlich ist auch der Fockeberg in der Südvorstadt eines der besten Ausflugziele, um Leipzig in voller Pracht zu genießen.

Über den Dächern der Stadt – Leipzig zur Blauen Stunde.

Viele Dächer der Stadt sind jedoch nicht so einfach zu erklimmen. Nicht selten bedarf es einiges an Vorbereitungszeit. So muss ich häufig vor dem eigentlichen Fotografieren einige Telefonate führen und Genehmigungen anfordern, um letztendlich eine neue Perspektive auf Leipzig zu ergattern. Spätestens, wenn ich den ersten Fuß ins Freie setze und der Wind mir um die Nase weht, weiß ich: Der Aufwand hat sich gelohnt.

Während meine Kamera nun an einer Langzeitbelichtung arbeitet, genieße ich stets die Freiheit weit über den Dächern der Stadt. In solchen Momenten wird mir immer wieder aufs Neue bewusst, welch ein Glück ich habe, in solch einer wundervollen Stadt leben zu dürfen.

Leipzig war und bleibt l(i)ebenswert.

Foto: Philipp KirschnerPhilipp Kirschner, PK Fotografie

Philipp Kirschner ist der Leipziger Fotograf PK Fotografie. Als junger Fotograf probiert er stets an neuen Aufgaben zu wachsen und versucht sich gerne an neuen Dingen, um seinen Horizont zu erweitern.

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