#MeinLeipzig: Kleiner Spaziergang durch den Leipziger Westen

Du bist zu Besuch in Leipzig? Wie fast überall lockt es die meisten Gäste zuallererst zu den bekannten Sehenswürdigkeiten oder zum Shoppen und Bummeln ins Stadtzentrum. Doch irgendwie ähneln sich die Innenstädte alle sehr.

Ich selbst bin waschechte Leipzigern und führe eine Kunstgalerie. Weißt Du, was ich gerne mache, wenn ich eine neue Stadt besuche? Ich liebe ich es, einfach irgendeinen Stadtteil auf der Karte auszusuchen und diesen zu Fuß zu erkunden. Dabei mag ich einen Mix aus Kunst und Kultur, ausgefallenen Läden und Cafés. Falls Du auch so tickst, möchte ich Dir in diesem Artikel meine Lieblingsecke in Leipzig vorstellen.

Lieblingsecke in Leipzig: 7 Geheimtipps abseits der Touristenpfade

Der Rundgang führt Dich nach Schleußig und Plagwitz, in den nahen Westen Leipzigs, wo Du den besonderen Charme der Gründerzeithäuser und Industrielofts genießen kannst. Als Start empfehle ich mit Tram 1 oder 2 bis zur Haltestelle Stieglitzstraße zu fahren. Keine Sorge, der Abstand zwischen der ersten und letzten Station meiner Liste ist gerade mal zwei Kilometer. Der Beginn ist in der Könneritzstraße 63.

Unser Rundgang in 7 Akten

Tipp 1: Fanö – Mode

Hier gibt es Mode für Damen, nachhaltig produziert, fair gehandelt und am Puls der Zeit. Trotz der strengen Auswahlkriterien sind die Preise erschwinglich und können es mit anderen Markenherstellern, die selten bis kaum auf Nachhaltigkeit und Fairness achten, sehr gut aufnehmen.

Im Geschäft gibt es jedes Stück nur einmal je Größe. Ist es verkauft, dann ist es auch weg. Gründerin Sabine Kuhnhäuser legt daraufhin einfach ein anderes schönes Kleidungsstück ins Regal.

Wenn Du Lust hast, in Wohnzimmeratmosphäre gemütlich nach Klamotten zu Stöbern, dich richtig gut beraten zu lassen und Spaß an einem freundlichen Plausch hast, dann bist du hier genau richtig.

Entspanntes Stöbern im gemütlichen Ambiente des Fanö.

Tipp 2: Fischtüte

Die zwei Gründerinnen Denise Erdmann (Knalltüte) und Andrea Fischer (Frau Fischer) haben auf gemütlichen 27 m² unglaublich viele individuelle, kleine und größere Dinge gepackt, die dir einfach ein Lächeln aufs Gesicht zaubern.

Frau Fischer ist für die Mode zuständig. Sie entwirft und produziert mit viel Liebe zum Detail tolle Einzelstücke. Sie näht nicht nur Kleidung für die Frau von Welt, ich habe letztens erst eine hundstolle Spieluhr entdeckt.

Denise Erdmann, die “Knalltüte”, sucht nach immer neuen Produkten von kleinen Start Ups, die aus nachhaltigen Materialien gefertigt sind und dabei auch noch verdammt gut aussehen. Sie sagt: “Horten bis zur Halskrause ist unser Motto. Jedes Produkt wird mit Herz gefertigt oder ausgewählt. Eine Vielzahl an Produkten ist nur in der Fischtüte zu finden.”

Probier es aus! Aber Vorsicht: Einmal drin, wirst Du vielleicht “ … nicht mehr gehen wollen.”

Mit Hand und Herz – nachhaltige Unikate findet ihr in der Fischtüte.

Tipp 3: FreiSchwung – Florales Handwerk

Bei Diana Müller dreht sich alles um Blüten, Blattwerk und Pflanzen. Das Team im liebevoll gestalteten Blumenladen hat ein Händchen für Ausgefallenes, egal ob wild-romantisch oder elegant-natürlich. Lass dich für die neue Dekoration zu Hause inspirieren.

Dazu gibt es viele kleine Geschenke-Ideen aus Leipzig und von Leipzigern: Honig, Schokolade, Kerzen, Grußkarten, Olivenöl, Aufstriche und Liköre, Lavendel und Pflanzenseifen.

Floristik und Dekoration – dein neues Lieblingsstück für die eigenen vier Wände findest du im FreiSchwung.

Tipp 4: Beuteltier Art – Galerie mit Wau oder die sympathische Kunstgalerie in Leipzig

Dieser Stopp führt dich direkt zu mir: Ich habe mir zum Ziel gesetzt, Menschen in meine Kunstgalerie zu locken, die sich sonst nicht in Galerien trauen.

Also los, wage dich guten Mutes hinein in die einladenden Räume mit dem roten Teppich, der bequemen Couch und dem kleinen Galerie-Dackel Vara, der jeden Gast freundlich begrüßt.

Hier findest du vom kleinen Siebdruck bis zum großen Ölgemälde jede Menge Kunst und Unikate. Die Künstler und Designer kommen aus Leipzig, aus der Region und aus der ganzen Welt. Ich suche jedes Werk danach aus, ob ich es auch bei mir zu Hause hinhängen würde.

Meine Mission ist erfüllt, wenn du dich in ein Kunstwerk verliebst und es dir obendrein leisten kannst oder wenn Du einfach mit einem Lächeln wieder raus gehst und von nun an weißt: Kunstgalerien können Spaß machen.   

Ob Kenner oder nicht: Die Werke bei Beuteltier Art sind Kunst ist für jedermann.

Mach mal Pause!

Jetzt geht es weiter die Könneritzstraße entlang, vorbei am Heimathafen Kö, in dem man wunderbar draußen oder im Wintergarten sitzen, speisen und dabei auf den Fluss “Weiße Elster” schauen kann.

Gleich danach kommst du an der La Chocolaterie vorbei, in der du von zwei französischen Gastgeberinnen zu Süßem verführt wirst. Wenn Du also Lust auf eine kleine Stärkung hast, nutze die Gelegenheit.

Schließlich geht es weiter in unserer Runde. Biege von der Könneritzstraße in die Ernst-Mey-Straße ab und dein Weg führt direkt über die:

Tipp 5: Könneritzbrücke

Genau genommen verlässt du nun Schleußig, denn die Brücke führt über den Fluss “Weiße Elster” in den Stadtteil Plagwitz hinein. Die markante Brückenkonstruktion gibt es seit 1899. Sie besteht aus Fachwerkträgern und Bögen aus genieteten Eisenträgern. Heute steht sie unter Denkmalschutz.

Du kannst das bunte Treiben auf dem Gewässer beobachten – besonders im Sommer herrscht reger Bootsverkehr – und einen Blick auf die Loftwohnungen in den alten Industriegebäuden von der Wasserseite aus erhaschen. Ein toller Ort zum Fotografieren ist es auf jeden Fall.

Was ich gerade noch dank Wikipedia gelernt habe: 1992 wurde auf der Brücke das Musikvideo zu “Die da?!” von den Fantastischen 4 gedreht.

  • Adresse: Ernst-Mey-Straße, 04229 Leipzig
  • Öffnungszeiten: immer
Die Könneritzbrücke – ein Platz zum Verweilen.

Tipp 6: Museum für Druckkunst

Das Museumsgebäude hat eine rund 100-jährige Tradition als Druckerei. Hier findest du mehr als 90 funktionierende historische Druckpressen und -maschinen. Über 500 Jahre Druck- und Mediengeschichte werden hier bewahrt – ein wichtiger Teil der Industriekultur Leipzigs.

Etwas ganz Besonderes ist die Lichtdruckwerkstatt, eine von weltweit nur noch vier funktionstüchtigen Produktionsstätten, in denen die aufwendige „Königin der Drucktechniken“ vermittelt und angewendet wird. Aber nicht nur schauen, nein. Hier heißt es: Erleben und Mitmachen. Die Fachleute des Druckgewerbes führen dir die historischen Maschinen und Pressen praktisch vor.

Egal ob Letterpress oder künstlerische Drucktechniken, im Museum erlebst du viele Geräte und Werkzeuge im praktischen Einsatz, wobei du alle notwendigen Schritte kennenlernst, um am Ende ein fertiges Druckprodukt in den Händen zu halten.

Und das Beste: In Workshops kann sich jeder Besucher selbst als Drucker und Schriftsetzer versuchen oder in verschiedenen Drucktechniken eigene kleine Kunstwerke schaffen.

  • Adresse: Nonnenstraße 38, 04229 Leipzig
  • Öffnungszeiten: Mo-Fr 10-17, So 11-17
  • Alle Workshops, Termine und Eintrittspreise hier: www.druckkunst-museum.de
Drucken an der ältesten Druckmaschine des Museums. © D. Grundmann / westend-PR

Tipp 7: Röstgut

Was wäre der Leipziger ohne sein “Scheelchen Heeßes”, ohne seinen geliebten Kaffee? Darum auf ins Röstgut. Die hauseigene Röstmaschine ist hier das Herzstück und lässt natürlichen Kaffee in allen Variationen und Sorten produzieren. Dazu gibt es eine große Auswahl an Schokoladen.

Jeder Kaffeehändler wird sorgsam ausgewählt. Drei Auswahlkriterien müssen erfüllt sein, bevor es ein Produkt ins Angebot schafft: Fairer Umgang mit allen Akteuren, nachhaltiger Anbau und gute Qualität des Kaffees.

Wenn du magst, kannst du dir den Kaffee gleich zubereiten lassen und im kleinen Café zusammen mit einem Stück frisch gebackenen Kuchen genießen. Das Röstgut liegt mitten im ruhigen Innenhof einer ehemaligen Zelluloidfabrik. Trinke dein “Scheelchen Heeßes” zusammen mit den gemütlichen Kaffeesachsen, die diesen versteckten Ort über alles lieben.

  • Adresse: Holbeinstraße 29, 04229 Leipzig
  • Öffnungszeiten: Mo-So 12-18
  • Website: https://roestgut.de/
Eine hauseigene Röstmaschine sorgt für unnachahmbaren Geschmack.

Damit endet dieser kleine Rundgang. Wenn Du jetzt noch unternehmungslustig bist:

Wie erkundest DU am liebsten eine fremde Stadt?

Foto: Susanne HöhneSusanne Höhne, Beuteltier Art

Susanne Höhne ist Leipzigerin und Galeristin bei Beuteltier Art. Für ihre Kunstgalerie schreibt sie einen Blog rund um Kunst und Kultur in Leipzig.

Link zur Website
Beuteltier Art auf Facebook

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