Lichtfest Künstlerin Sigrid Sandmann zu Gast in Leipzig

Die Vorbereitungen für das Lichtfest in Leipzig laufen auf Hochtouren. 2014 wird sich das Lichtfest erstmals über den gesamten Innenstadtring erstrecken. Die Künstlerin Sigrid Sandmann recherchierte in Leipzig für ihr geplantes Lichtprojekt. Am 9. Oktober projiziert Sandmann Worte und Gedanken von 50- bis 60-Jährigen, die die Friedliche Revolution in Leipzig erlebten, an die Fassade des InterCityHotel Leipzig. Hierfür sprach sie während ihres Leipzig-Aufenthaltes mit 18 Zeitzeugen. Wir hatten Sigrid Sandmann bei uns zu Gast und stellten ihr einige interessante Fragen.

Wie haben Sie die Friedliche Revolution 1989 erlebt?

Ich hatte eine Brieffreundin aus Karl Marx Stadt und habe durch Sie über die Montagsdemonstrationen in Leipzig erfahren. In den Medien wurde natürlich auch darüber berichtet. Ich muss zugeben, dass ich große Angst hatte, dass die gesamte Situation eskaliert. Als die Grenzen dann geöffnet waren, war ich sehr froh. Man konnte sich endlich uneingeschränkt besuchen. Aber für mich gab es auch immer einen kritischen Hintergrund, denn die Auffassung und die Wünsche wie der deutsche Staat als Gesamtheit funktioniert unterschieden sich stark von der Realität.

Welche positiven als auch negativen Momente gab es für Sie nach der Grenzöffnung?

Was mir persönlich als besonders positives Ereignis in Erinnerung geblieben ist, war der erste Besuch meiner Brieffreundin Andrea. Ein halbes Jahr vor der Grenzöffnung wäre so ein Besuch undenkbar gewesen. Wir pflegen bis heute einen sehr guten Kontakt.
Als negativ habe ich die riesigen Menschenmassen und die Schlangen an Autos empfunden, die nach der Grenzöffnung nach Ost und West strömten. Es kam in mir ein Gefühl der Angst hoch. Es wusste schließlich niemand in welche Richtung sich Deutschland entwickeln würde.

Haben Sie einen persönlichen Bezug zu Leipzig?

Mein letzter Besuch in Leipzig war im Jahr 1986. Seitdem hat sich sehr viel verändert. Die Stadt ist viel heller und farbiger geworden und der damalige Geruch ist nicht mehr da. Aber bitte nicht falsch verstehen. Ich hatte während meiner Studienzeit darüber nachgedacht, ein halbes Jahr nach Leipzig zu gehen, um hier ein Semester zu studieren. Nicht aus politischen Gründen sondern mir ist aufgefallen, dass das menschliche Miteinander hier noch anders funktioniert.

Bei Kaffee und Kuchen interviewten wir Sigrid Sandmann.
Bei Kaffee und Kuchen interviewten wir Sigrid Sandmann. Foto: Jamina Jahnel

Warum nutzen Sie das Medium Licht für Ihre Arbeiten?

Einen wirklichen Grund warum ich Licht in meinen Arbeiten nutze kann ich nicht nennen. Das Arbeiten mit Licht hat mich schon immer gereizt, ohne das ich darüber nachgedacht habe. Meine Arbeit mit der ich mich an der Hochschule beworben habe, hatte auch schon etwas mit Licht zu tun. Es war noch keine Lichtprojektion, sondern ein Modell mit Licht. Später, während des Studiums, habe ich angefangen mich intensiv mit Schrift zu beschäftigen. Heutzutage nutze ich diese beiden Medien in Kombination für meine Arbeiten. Licht braucht immer eine Projektionsfläche. Ich habe für mich entdeckt, dass ich sehr gerne die Dunkelheit der Stadt nutze um Fassaden und Straßenzüge in ein ganz neues Licht zu rücken. Ich erschaffe mit meiner Kunst etwas sehr Reduziertes jedoch auch Beständiges.

Was dient Ihnen als Inspirationsquelle?

Wenn ich eingeladen bin eine Arbeit zu machen, beschäftige ich mich mit dem Ort, der Architektur und dem Umfeld. Ich habe schon immer mein Umfeld in meine Arbeiten einbezogen, das fing schon während meines Studiums an. Zum Anfang war diese Herangehensweise nur auf ein Projekt bezogen, weil es thematisch passte. Später merkte ich, dass Menschen in meine Arbeit gehören.

Was war für Sie persönlich Ihr bisher wichtigstes Projekt?

Einen Favoriten zu nennen ist immer schwierig. Eins meiner Lieblingsprojekte war ein großes Transparent an den Grindelhochhäusern in Hamburg. Diese befinden sich mitten in der Hamburger Innenstadt und wurden kurz nach dem Krieg erbaut. Für dieses Projekt habe ich Menschen interviewt, die über 50 Jahre in diesen Wohnungen lebten. Ich habe damals selbst in einem der Grindelhochhäuser gewohnt und traf im Fahrstuhl eine Gruppe älterer Damen, die immer davon schwärmten, wie schön es damals war in den Grindelhochhäusern zu leben. Ich dachte mir, damit muss ich mal etwas machen. So entstand ein großes Transparent, welches völlig ohne Lichtprojektion auskam. Ein weiteres Projekt, welches mir sehr am Herzen liegt, ist eine Arbeit die ich in Bochum an der Ruhruniversität zum Thema Geist des Reviers gemacht habe. Wie für viele andere Projekte habe ich auch hier Interviews geführt. Jedoch war es eine andere Arbeitsweise, denn die Interviewten waren Studenten und ich habe mich auf den Campus gesetzt und die Leute direkt angesprochen.

Hier findet ihr weitere Projekte von Sigrid Sandmann

Die Vorbereitungen für das Lichtfest laufen ja mittlerweile auf Hochtouren. Wie bereiten Sie sich auf das Lichtfest 2014 vor?

Neben den Interviews, die ich aktuell in Leipzig führe, müssen für meine Lichtprojektion viele technische Aspekte beachtet werden und dies bedarf in den meisten Fällen einer aufwendigen Vorbereitung. Normalerweise arbeite ich immer mit ein und derselben Firma zusammen, ich nenne sie die Techniker meines Vertrauens. Da wir schon viele Jahre eng zusammen arbeiten verstehen wir uns blind. Zum diesjährigen Lichtfest arbeite ich mit einer Firma zusammen die ich noch nicht kenne. Natürlich bin ich etwas unruhig und hoffe, dass alles meinen Vorstellungen entsprechend funktioniert.

Sigrid Sandmann bei Pressegespräch im InterCityHotel. Foto: Norman Rembarz
Sigrid Sandmann beim Pressegespräch im InterCityHotel. Foto: Norman Rembarz

Wie war die bisherige Resonanz während Ihres Aufenthalts in Leipzig?

Die allermeisten Leute, die ich interviewt habe, sind wirklich sehr positiv eingestellt und voller Vorfreude auf das Lichtfest 2014. Ich habe viele persönliche und interessante Geschichten und Schicksale gehört und werde daraus viel für meine Arbeit mitnehmen. Ängste von einigen Interviewten die ich heraus hören konnte waren, dass die Zeitzeugen von damals weniger vertreten sein könnten als Touristen.

So könnte Sigrid Sandmanns Licht-Wort-Installation am IntercityCityHotel aussehen. Foto: Sigrid Sandmann
So könnte Sigrid Sandmanns Licht-Wort-Installation am IntercityCityHotel aussehen. Foto: Sigrid Sandmann

Können Sie schon etwas zur Umsetzung Ihres diesjährigen Lichtfest Projektes verraten?

Ich möchte noch nicht zu viel vorwegnehmen. Was ich verraten kann ist, dass ich die geführten Interviews nicht eins zu eins projizieren werde, das ist nicht mein Ziel und dazu bin ich in meiner Kreativität zu frei. Viele individuelle und subjektive Geschichten haben mich erreicht. Die Friedliche Revolution lief nicht für jeden gleich ab, denn jeder hat unterschiedliche Erlebnisse und Empfindungen, die er damit verbindet. Letztendlich wird sich so auch meine Arbeit für das Lichtfest aufbauen. Es wird keine Homogenität geben, so wie es in unserer Gesellschaft auch keine Homogenität gibt.

Weitere Informationen zu Sigrid Sandmanns Projekt beim Lichtfest Leipzig 2014 findet ihr hier!

Bei ihren Gesprächen und Recherchen wurde Sigrid Sandmann von der Redakteurin Maria Haase begleitet, die im Auftrag der LTM GmbH für den Regionalsender Leipzig Fernsehen eine dreiteilige Sonderserie mit dem Titel „25 Jahre Friedliche Revolution“ produziert.

Interview Chris Russew

Weitere Informationen:
Leipzig Tourismus und Marketing GmbH
Augustusplatz 9
04109 Leipzig
Tel. +49 (0)341 7104-340
Fax +49 (0)341 7104-211
j.jahnel@ltm-leipzig.de
www.leipzig.travel

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3 Kommentare

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