#MeinLeipzig: Die Musikszene im Aufbruch

Wenn ich mit Außenstehenden über die Leipziger Musikszene spreche, fangen meine Augen unweigerlich an zu leuchten. Ich rede dann über unzählige junge Menschen, die innovative Musik spielen und über neue Clubs in versteckten Hinterhöfen. Vor allem aber rede ich über das Gefühl des Aufbruchs.

Ich bin Johannes Prautzsch: Musiker, Gesangslehrer und Sänger der Band „Kind Kaputt“. Ich bin in Leipzig geboren und aufgewachsen und habe hier jahrelang in meinen ersten Bands gespielt. Nach meinem Abitur habe ich Leipzig verlassen, um an der Mannheimer Popakademie zu studieren. Schon damals wusste ich, dass dieser Abschied nur temporär sein wird und während meiner Zeit in Mannheim ist mir dann so richtig bewusst geworden, dass Leipzig eine sehr besondere Stadt ist. Jetzt lebe ich nach 4 Jahren wieder in meiner alten und neuen Heimat: Leipzig.

Johannes Prautzsch bei einem Konzert mit Kind Kaputt im B13 in Leipzig © Fabian Willi Simon

Für Musiker und Songschreiber bietet die Stadt eine Vielzahl an Plätzen, die zum kreativen Arbeiten anregen und eine inspirierende Wirkung haben. Leipzig ist berühmt für seine Grünflächen und Parks und in genau diese ziehe ich mich zurück, wenn ich in Ruhe schreiben will. Der Clara-Zetkin-Park eignet sich aufgrund seiner Größe dafür besonders gut. Außerdem ist hier auch die unter Musikern bekannte Sachsenbrücke beheimatet. Vor allem in den warmen Monaten trifft man dort viele junge Menschen, die ihre Instrumente dabei haben und sich auf der Brücke zur gemeinsamen Jam-Session treffen. Wenn du also im Sommer in Leipzig bist, solltest du dir die Magie dieses Ortes definitiv nicht entgehen lassen!

Die Sachsenbrücke gilt als bekannter Treffpunkt für junge und kreative Leute © Philipp Kirschner

Wenn du die Dinge beim Schreiben lieber von oben betrachtest und dich eine Panorama-Aussicht eher inspiriert, dann solltest du dem Fockeberg am Rande der Leipziger Südvorstadt einen Besuch abstatten. Auf diesem großen Hügel schaut man zwischen den Bäumen hindurch auf die Skyline von Leipzig. Man befindet sich mitten in der Stadt und fühlt sich doch wie auf einer kleinen Insel inmitten des Trubels – für mich ein absolutes Highlight.

Einen der besten Ausblicke auf die Leipziger Skyline hat der Fockeberg zu bieten © Philipp Kirschner

Du wohnst in Leipzig und suchst nach einem etwas anderen Ort zum Schreiben und kreativ sein? Dann solltest du dir den Zoo vielleicht einmal genauer anschauen. Denn abseits der gefüllten Hauptrouten – entlang der Gehege – findest du immer wieder abgelegene Bänke und Aussichtspunkte, an denen nur wenige Menschen vorbei kommen. Hier bist du dann nicht nur in der Natur, sondern kannst außerdem exotische Tiere beobachten und dich von dieser völlig anderen Welt inmitten der Stadt inspirieren lassen.

Eintauchen in eine andere Welt: Im Zoo Leipzig ist das problemlos möglich © Andreas Schmidt

Man hört es immer wieder: Leipzig ist groß genug, um alles zu haben, was man sich wünschen kann, aber auch nicht so groß, dass man Gefahr läuft, sich in der Stadt fremd zu fühlen. Genau diese Tatsache kommt auch der Leipziger Bandszene zugute. Es gibt unglaublich viele talentierte Musiker in einer ständig wachsenden Stadt und über ein paar Ecken ist es möglich, mit jedem in Kontakt zu kommen. Die Leipziger Szene ist für mich deshalb so etwas wie eine sehr sehr große Familie, mit der ich bereits mit 15 Jahren meine erste Berührung hatte.

Damals habe ich mit meiner Schülerband beim „Bandclash-Wettbewerb“ teilgenommen. Dieser wird von Pierre Eichner bereits seit 2006 veranstaltet und sucht jedes Jahr nach der besten Nachwuchsband Sachsens, um sie zum Landes-Finale des deutschlandweiten „Local-Heroes“ Wettbewerbs zu schicken. Pierre Eichner leistet mit dieser Veranstaltung Pionierarbeit für die lokalen Nachwuchs-Musiker, in dem er ihnen eine Plattform zum Kennenlernen und Netzwerken bietet. Das macht den Bandclash für mich zu einem der Ausgangspunkte für die aktuelle Musikerszene Leipzigs. Auch ich habe bei diesem Wettbewerb wichtige Kontakte geknüpft und bin mittlerweile regelmäßig Mitglied der Fachjury, welche die Siegerband auswählt.

Die Band „The Ladies Home Journal“ beim Bandclash Finale 2018 im Werk 2 © FixedMax

Wenn der Tag sich dem Ende neigt, trifft man die Kollegen der Leipziger Musikszene natürlich in Clubs und Konzerthäusern. Das B13 in Plagwitz ist eines von ihnen und seine Geschichte ist schnell erzählt: Ursprünglich war dieses nur der Proberaum einer Band. Irgendwann entstand die Idee, dort kleine Konzerte mit befreundeten Bands zu veranstalten und mittlerweile ist es Anlaufstelle für viele nationale Newcomer-Bands aus den Genres Rock, Punk und Metal geworden.

Die familiäre Atmosphäre und der alternative Charakter des B13 spiegeln sich im Vertrauensverhältnis zwischen Publikum und Gastgeber wieder: Die Getränke sind so günstig, dass es fast wie eine Spende wirkt und der Eintritt kostet selten mehr als 5€. Man merkt, dass es dem Club nicht darum geht, sich zu bereichern, sondern darum, der Leipziger Musikszene eine Plattform zu bieten und Neues zu wagen. Außerdem findet hier regelmäßig der „Musiker-/ Veranstalter-/ Techniker-Stammtisch“ statt. Wenn du nach der Leipziger Musikerszene suchst, dann wirst du im B13 definitiv fündig.

Die Band „In Case Of“ im B13 in Plagwitz © Daniel Fleck

Genau auf der anderen Seite der Stadt befindet sich im Osten Leipzigs ein winziger Club, der fast schon ein kleines Stück Szene-Geschichte ist: Die Kulturlounge. Inhaber ist Pierre Eichner – genau der selbe, der auch den Bandclash-Wettbewerb ins Leben gerufen hat. Als Ein-Mann-Armee ist er dort Barkeeper, Tontechniker, Booker und Fotograf in Personalunion und veranstaltet fast jede Woche von Donnerstag bis Samstag Konzerte, Lesungen, Improvisationstheater und Disco.

Sein Projektraum, wie er die Kulturlounge liebevoll nennt, ist wahrscheinlich sogar zu klein, um als Club zu zählen. Dennoch standen bereits unzählige Newcomer-Bands aus Leipzig und ganz Deutschland auf den Brettern des 30qm Zimmers. Auch hier trifft man regelmäßig bekannte Gesichter aus der Leipziger Szene und der grüne Innenhof lädt mit gemütlicher Beleuchtung zu regen Unterhaltungen ein. Ich glaube, es ist wirklich schwer, unter den jungen Leipziger Musikern jemanden zu finden, der noch nicht in der Kulturlounge gespielt hat.

Für alle Interessierten: Am 23. März könnt ihr unsere Band Kind Kaputt Live in der Kulturlounge Leipzig sehen.

Kind Kaputt in der Kulturlounge © Fabian Willi Simon

Würde man eine Zeitrafferaufnahme erstellen, dann könnte man der Leipziger Musikerszene beim Wachstum zusehen. Immer neue Bands und Projekte sprießen aus dem fruchtbaren Boden des „Leipzig-Hypes“. Natürlich ist längst nicht alles so professionalisiert wie in Berlin oder Hamburg, aber gerade das macht für mich den Reiz der Szene aus. Sie ist offen, sie verändert sich und die Strukturen sind noch nicht festgefahren. Deshalb wünsche ich mir für die Zukunft, dass der Zusammenhalt unter den Musikern bestehen und das Wir-Gefühl erhalten bleibt. Eine so lebendige Szene lockt die Menschen von der Couch und bereichert die Stadt um den schönsten Sound von allen: The Sound of a new Generation.

Foto: Johannes PrautzschJohannes Prautzsch, Kind Kaputt

Johannes Prautzsch ist Musiker, Songschreiber und Sänger der Alternative-Rock Band Kind Kaputt. Er lebt und Arbeitet seit Sommer 2018 wieder in Leipzig.

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