#MeinLeipzig: Du und ich – das war vorherbestimmt

Ich sitze auf der Rückbank unseres Autos, meine Beine baumeln in der Luft. Draußen scheint die Sonne und ich werde von der Reflexion des Lichts an der spiegelglatten Metallfassade des Gebäudes rechts von mir geblendet. Wir stehen an der Ampel. Vor uns laufen viele Leute über die Straße, Kinder an den Händen ihrer Eltern, sie unterhalten sich angeregt und lachen. Links von mir warten Leute an der Haltestelle auf die Straßenbahn. Die Stadt ist in geschäftigem Treiben. Wir biegen links auf eine Straße ab und ich sehe hoch oben über meinem Kopf Wildtiere an einer Reklame-Wand. Ich beobachte die Menschen außerhalb meines Fensters aufmerksam. Diese Stadt, die dort an meinem Fenster vorbeijagt, hat etwas Besonderes, etwas Faszinierendes.

Geschäftiges Treiben ist in Leipzig an der Tagesordnung. © Höfe am Brühl

Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, gehört diese Erinnerung dazu. Leipzig gehörte früher dazu, wenn ich den Weg zu meinen geliebten Großeltern antrat, die auf dem Land in Sachsen-Anhalt wohnten. Leipzig war ein Teil der Wegstrecke. Doch noch bevor ich alt genug war, um es offen zu formulieren, wusste ich, irgendetwas an dieser Stadt zieht mich an. Wenig verwunderlich war es für meine Familie später, dass Leipzig die Stadt war, in die ich die ersten Touren als Jugendliche mit Freundinnen unternahm für einen ausgiebigen Stadtbummel. Die erste Stadt, deren Universität ich besuchen wollte. Leipzig sollte die Stadt werden, in die ich mich verliebte. In der ich mich verliebte. In der ich heiratete und eine Familie gründete.

Ich lebe nun seit 10 Jahren in Leipzig. Nach kurzem Umweg über Dresden, wo ich mein Bachelor-Studium absolvierte, klappte es 2009 endlich mit dem heiß begehrten Studienplatz in Leipzig. Ich war glücklich. Eine Freundin im Gepäck zog es uns beide in unsere erste kleine WG nach Schleußig. Direkt an der Könneritzstraße und nur einige hundert Meter vom Kanal entfernt, stürzten wir uns ins Leipziger Leben. Das bunte Treiben rund um die „Kö“, der wunderschöne Blick auf die Industriebauten am Karl-Heine-Kanal, die tägliche Tour mit dem Fahrrad durch den Clara-Zetkin-Park – ja, Leipzig begrüßte mich mit offenen Armen und meine schon seit Kindheitstagen gehegten Gedanken, wie diese Stadt wohl sein möge, bestätigten sich.

Schleußig samt Karl-Heine-Kanal – ein Stadtteil zum Verlieben. © Philipp Kirschner

Leipzig war lässig, so selbstverständlich cool, unbeeindruckt, freundlich und warmherzig, abenteuerlustig und unkonventionell. Ich liebte es. Vom ersten Tag an. Leipzig war so anders als Dresden. Die kleine rebellische Schwester des großen Bruders in Anzug und Krawatte. Versteht mich nicht falsch, auch Dresden ist wunderschön, ich habe einige großartige Jahre in der sächsischen Landeshauptstadt verbracht, Lieblingsorte entdeckt, Freundschaften geschlossen. Und doch hat es Dresden nie geschafft, mich so in seinen Bann zu ziehen. Leipzig konnte das. Leipzig nahm sich selbst nicht so ernst und bot dennoch Raum für Gedanken und Ideen. Hier war Großes möglich. Das hatte Leipzig in seiner Geschichte bewiesen. Und dieser Geist schwebt bis heute über der Stadt.

Leipzig ist jung, hipp und kreativ. © Philipp Kirschner

Es ist wohl wenig verwunderlich, dass mein Herz in dieser Stadt nur einer erobern konnte: natürlich ein waschechter Leipziger. Ich traf ihn einige Monate nach meinem Umzug in die Stadt. Er stahl mein Herz und zeigte mir im Gegenzug sein Leipzig, so wie ich es vorher nicht kannte. Diese Stadt wurde mein Zuhause. Wir wohnten einige Zeit im Leipziger Osten. In Volkmarsdorf, direkt zwischen der Eisenbahnstraße und dem Mariannenpark. Ganz anders als Schleußig, und doch aufregend und bunt lernte ich das Viertel kennen. Ich hatte nur einen Katzensprung in mein Büro am Listplatz zu tun. Ich mochte es, mich in diesem Potpourri aus Menschen zu bewegen: Studenten, Hipster, Familien. Eine heterogene Menge an Menschen, die unterschiedlicher kaum sein konnte.

Die Leipziger Eisenbahnstraße hat viele Facetten. © Das Japanische Haus

Berufsbedingt zog es uns einige Zeit später weiter südlich. Nach Connewitz. Wieder nur einige hundert Meter entfernt von einer von Leipzigs grünen Lungen – dem Auwald. Unsere Wohnung lag nur einen 15-Minuten-Weg vom Wildpark entfernt. Aber das allerwichtigste: nur ein 5-Minuten-Fußweg entfernt vom Braker’s – der unbestreitbar leckersten Eisdiele auf der Welt. Dieser kleine Lieblingsladen schlich sich schnell in unsere Herzen und die leckeren Eiskugeln zu Hauf in unsere Bäuche. Ja, man hätte es durchaus schlechter treffen können.

Eis beim Braker’s – einfach leckeeeer!

Ich liebte Connewitz. Ich liebte die Freundlichkeit der Leute. Hier durfte man sein, wie man eben war. Ich liebte es, mit unserer Tochter stundenlang durch den Auwald zu schlendern. Ich liebte die sonnigen Sonntagnachmittage auf dem kleinen Spielplatz am Hildebrandtplatz. Ich liebte die frischen Dinkelbrötchen aus der Naturbackstube in der Wolfgang-Heinze-Straße am Samstagmorgen. Ich liebte die friedliche Stille, wenn man in der Dämmerung durch den schneebedeckten Weg vorm Wildpark entlang stapft. Und den Weihnachtsmarkt am Connewitzer Kreuz. Ja, Connewitz war anders und zog mich direkt in seinen Bann.

Sicher hatte auch ich die Schauergeschichten über Connewitz gehört – einem rechtsfreien Raum, in dem man sehr gut aufpassen müsse, wo man sich bewegte. Diese Geschichten erhalten in unregelmäßigen Abständen neues Futter. Immer dann, wenn sich Randalierende diesen Stadtteil aussuchen, um ihrer Dummheit Ausdruck zu verleihen, indem sie wahllos wüten, zerstören und sogar verletzen. Diese Berichte lassen mich mit Trauer und Verständnislosigkeit zurück. Ich empfinde tiefes Mitgefühl mit den Geschädigten. Es macht mich wütend, dass sich Menschen ihrer hasserfüllten, willkürlichen Zerstörungswut hingeben und damit das Sicherheitsempfinden so vieler Leute komplett auf den Kopf stellen.

Das sind Nadelstiche in das Herz eines Stadtteils, der von seiner Vielfalt, seiner Kreativität, den kleinen versteckten Geschäften und grünen Oasen lebt. Ich habe miterlebt, wie tiefempfunden die Anteilnahme der Bewohner in solchen Situationen war, wie tatkräftig geholfen worden ist, um diesen Schock zu verarbeiten. Das lässt mich hoffen, macht mich immer wieder stolz. Denn so ist Leipzig. Leipzig ist „menschelnd“, es zeigt Courage.

Leipzig entwickelt sich permanent, bleibt nie stehen. Die Stadt glänzt. Sie schafft es, mich immer wieder zu überraschen. Kennt ihr die Momente im Leben, über die ihr rückblickend sagt: Das war Fügung, das musste genau so laufen? So ein Moment war es, als ich meinen Job hier antreten durfte. „Hier“ meint im schönsten Büro Leipzigs, in einem der coolsten Teams überhaupt, für die schönste Stadt Deutschlands.

Das Online-Team von Leipzig Travel. © Philipp Kirschner

Ich weiß noch, wie ich zu meinem Vorstellungsgespräch kam und etwas ungläubig aus dem Fenster blickte: „Gewöhnt man sich irgendwann an die Aussicht?“. Gewöhnt habe ich mich nach nun fast 7 Jahren an mein Büro, aber an einem strahlenden Tag oder auch wenn sich weit am Horizont ein Gewitter ankündigt, stehe ich nach wie vor gebannt am Fenster im 28. Stock des Uniriesen. Ich empfinde es als Privileg, dieser tief empfundenen Zuneigung zu dieser Stadt auch mein berufliches Leben widmen zu dürfen.

Den schönsten Ausblick über ganz Leipzig hat man definitiv vom Uniriesen. © T. Williger

Heute weiß ich nur zu gut, dass die silberne Oberfläche des Gebäudes die alte „Blechbüchse“ – wie sie die Leipziger nannten – am heutigen Richard-Wagner-Platz war. Ich weiß, dass das Hinweisschild mit den Wildtieren darauf auch heute noch direkt zum Zoo Leipzig führt, den ich mittlerweile – dank meiner Kinder – wie meine eigene Westentasche kenne. Ich habe die immense Entwicklung, die Dynamik der vergangenen Jahre in Leipzig miterlebt. Kleine Cafés und Geschäfte, Ideen, die überall aus dem Boden sprießen. Das alte Bergbaugebiet in Leipzigs Speckgürtel, das sich nach und nach in ein wahres Wasser- und Aktivsportabenteuer entwickelte.

Auch wir sind dem Ruf der Region gefolgt und wie viele junge Familien nennen wir uns nun offiziell Leipziger Neuseenländer. Ich finde es großartig, meinen Kindern im Sommer am Zwenkauer See Stand Up Paddling beibringen und mit ihnen nur wenige Minuten später den Straßenmusikern im Stadtzentrum lauschen zu können. Ich liebe die lauen Sommerabende auf der KarLi. Den Bärlauchduft im Frühling, der wie eine Glocke über der Stadt liegt. Die Magnolien am Elsterflutbett. Das ist Leipziger Lebensgefühl. Ein Gefühl, das sich warm und wohlig anfühlt. Und das man – einmal erlebt – nicht wieder vergisst.

Leipzig, du und ich – das war vorherbestimmt. Du hast mich nie enttäuscht, es immer gut mit mir gemeint. Und ich weiß, egal, wo es mich auf dieser Welt noch hinverschlagen wird: Du und ich – wir gehören zusammen. Das bleibt für immer.

Foto: Christin KrämerChristin Krämer, Onlinemarketing Managerin, Leipzig Travel

Christin Krämer ist Online Marketing Managerin im Online-Team von Leipzig Travel. Sie ist (mehr oder weniger) heimlicher Instagram-Junkie, #Hashtagfan und Storyteller. Sie liebt das Verborgene Leipzig, entdeckt als Vollblut-Mama immer wieder Neues für Familien in Leipzig und stattet Zoo-Koala Oobi Ooobi regelmäßig Stippvisiten ab.

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2 Kommentare

  1. Wunderschön geschrieben!! #lieblingsleipzigfuerimmer

    Ich hab den Zauber auch gespürt und komme regelmäßig in meine Lieblingsstadt…

    1. Hallo Monika,
      vielen lieben Dank für deine tollen Worte – das macht uns total glücklich! Vor allem natürlich auch, dass du Leipzig so oft besuchen kommst.
      Liebe Grüße und für deinen nächsten Leipzig-Aufenthalt wünschen wir dir schon einmal ganz viel Spaß und gutes Wetter!

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