#MeinLeipzig: Herzensheimat am Südplatz

Als echtes Landei bin ich so weit entfernt von der größten Stadt Sachsens aufgewachsen, wie es nur geht. Wenn man mir zu Schulzeiten gesagt hätte, dass ich einmal meine Heimat vom pfälzischen Dorf in das 550 km entfernte Leipzig verlegen werde, hätte ich es wahrscheinlich nicht geglaubt. Ich sage bewusst “Heimat” und nicht “Wohnort”, denn über Umwege habe ich in Leipzig genau das gefunden. Und weil man nicht nur sagt “Home is where the Wifi connects automatically” sondern vor allem “Home is where the heart is”, will ich in diesem Beitrag erzählen, warum Leipzig mein Herz gehört.

„Dresden oder Leipzig….macht doch keinen Unterschied!“
Mein Kiez, meine Stadt
Zu Rad und zu Wasser mitten ins Herz
Time to say Goodbye

„Dresden oder Leipzig….macht doch keinen Unterschied!“

Für das Studium an der Uni Leipzig kam ich in die Stadt. © Robin Kunz

Während meines Bachelorstudiums hat mich zum ersten mal so richtig das Fernweh gepackt: Der Südwesten Deutschlands wurde mir langsam zu vertraut und ich sehnte mich nach neuen Erfahrungen. Gesagt getan: Ein Auslandssemester in Prag führte mich zum ersten Mal gen Osten. Wie die meisten Liebesgeschichten, lebt auch diese von einer Verkettung glücklicher Zufälle, denn Prag wählte ich nur für mein Auslandssemester, da die Studienberaterin sagte „Im Osten ist immer noch was frei“. Was das Ganze mit Leipzig zu tun hat? Dazu komme ich gleich!

An einem Wochenende machte ich mich mit dem Bus von Prag auf den Weg nach Dresden, um den berühmten Weihnachtsmarkt zu entdecken und weil ich eben noch nie in Sachsen war. In Dresden war ich dann so begeistert von der Freundlichkeit der Leute und der Schönheit der Stadt, dass ich mir vornahm, für mein Masterstudium ins „Elbflorenz“ zu kommen. An dieser Stelle kommen wieder die glücklichen Zufälle und der zweite Protagonist der Liebesgeschichte ins Spiel: In Dresden gab es keinen passenden Studienplatz also sagte ich zu mir „Dresden oder Leipzig….macht doch keinen Unterschied!“ und so wurde ich Studentin der altehrwürdigen Uni Leipzig und zur Bürgerin der schönsten Stadt Deutschlands.

Mein Kiez, meine Stadt

Radfahren durch die Südvorstadt entlang der „Karli“ ist für mich das Schönste. © Robin Kunz

Bei der Wohnungssuche verließ ich mich auf die Stimmen im WorldWideWeb, die mir versicherten, dass die Karl-Liebknecht-Straße der „Place to Be“ sei und wählte deshalb die schöne Südvorstadt als meine Nachbarschaft. Obwohl später viele Leipziger Studenten zu mir sagten „Die Karli ist von gestern, der neue In-Kiez ist der Westen“ werde ich immer glühende Verfechterin des süßen Lebens rund um den Südplatz sein. Was gibt es schöneres als ein kühles Bierchen mit Freunden im Sommer auf den Leipziger Freisitzen, zum Beispiel im Café Cantona, oder der Hafenbar? Eine ganz besondere Stimmung kommt auch beim „Cornern“ am Südplatz auf, wo sich alle im Sommer mit einem Eis oder Getränk an den Platz setzen und das Treiben beobachten. So liebe ich mein Leipzig: Ungezwungen, locker und gesellig! Im Winter ist dagegen das Beyerhaus für einen Schoppen Beyerhauspils und eine Runde Pool perfekt. Auf dem Heimweg ist dann eine Wegzehrung vom Dönerladen Olive Tree oder dem Burger-Imbiss direkt auf dem Südplatz Pflicht!

Obwohl ich die Südvorstadt schon bald wie meine Westentasche kannte, brauchte es zugegebenermaßen etwas Beschnupperungszeit, bis ich so richtig mit der neuen Stadt warm wurde:

Frisch in Leipzig angekommen, schaute ich mich bei meinem ersten Kaffee im Puschkin mit großen Augen um und musste feststellen, dass Leipzig überhaupt nicht wie Dresden aussieht und meine Rechnung wohl nicht so ganz aufgegangen war. Warum sind alle Straßen in Leipzig so breit und warum spricht man „Konsum“ so komisch aus? – Das waren nur einige der Fragen, die ich mir zunächst stirnrunzelnd stellte. Bald merkte ich dann aber, dass die breiten Straßen super zum Flanieren und Radeln sind und die Stadt sich dank ihnen so wunderbar weitläufig anfühlt. Die netten Verkäufer in den Konsum (sprich Kónnsumm) Lebensmittelgeschäften machten ebenfalls einen guten Job als Leipzig-Botschafter und bewiesen, dass nicht nur die Dresdner immer ein Lächeln auf den Lippen haben.

Die Leipziger sind sowieso das, was diese Stadt so lebenswert macht. Von den zahlreichen Studenten, die eine entspannte Atmosphäre in die Straßen und Parks bringen, über die vielen kreativen Köpfe und Künstler, die an spannenden Orten wie der Baumwollspinnerei ausstellen, trifft man hier viele interessante und weltoffene Menschen. Eine weitere Beobachtung, die mich anfänglich irritierte aber auch begeisterte: Hier sind alle viel schneller beim „Du“, als ich es aus anderen Gegenden gewohnt bin und das ist für mich das perfekte Sinnbild der Leipziger Freundlichkeit!

Zu Rad und zu Wasser mitten ins Herz

Der Cospudener See ist nur einer vielen Badeseen in der Region Leipzig. © Dean Nixon

Meine Studentenbude wurde mit allerlei Schätzen von den Leipziger Flohmärkten eingerichtet und nach anfänglichen Startschwierigkeiten begann ich mich, nach Leipziger Manier, hauptsächlich mit dem Fahrrad fortzubewegen. Nach langen Lern-Tagen in der wunderschönen Bibliotheca Albertina im Musikviertel, ging es häufig zum Grillen in den nahegelegenen Clarapark, wo man oft sogar noch musikalische Untermalung aus dem Musikpavillon erhaschen kann. Ehe ich es mich versah, hatte ich meine Sehnsucht nach Dresden vergessen und eine echte kleine Schwärmerei für Leipzig entwickelt. Aus der Schwärmerei wurde eine ernstzunehmende Verliebtheit, als mich eine Freundin ungläubig fragte „Du lebst seit Monaten in Leipzig und warst noch nie am See?“ und mich kurzerhand zu einer Radtour zum „Cossi“ überredete. Eines ist klar: Schöne Städte gibt es viele, aber Leipzigs Nähe zur Natur und zu den wunderbar erfrischenden Badeseen ist etwas ganz Besonderes.

Time to say Goodbye

Dafür komme ich immer zurück: Das Klassik Airleben. © Gert Mothes

Während meiner 3,5 Jahre in Leipzig bewies ein weiteres Auslandssemester nur, dass an dem Spruch „Die Liebe wächst mit der Entfernung” etwas dran ist, denn ich konnte es kaum erwarten, wieder durch die prachtvollen Leipziger Passagen zu schlendern, durch das Zooschaufenster im Rosental die Giraffen zu beobachten und die lockere Leipziger Lebensart wieder zu spüren.

Nachdem ich die tolle Erfahrung machen durfte, nach meinem Studium meine Lieblingsstadt mehrere Jahre lang auch beruflich als Social Media Managerin bei Leipzig Travel zu erkunden und zu empfehlen, hieß es irgendwann Abschied nehmen. Diese Liebesgeschichte hat kein „…gemeinsam glücklich bis an ihr Lebensende“. Sie gleicht eher der ersten großen Liebe, die man gehen lassen muss, weil der Urlaub zu Ende geht, die einem aber immer mit einem wohligen Gefühl in Erinnerung bleiben wird. So habe ich die schwere Entscheidung getroffen, Leipzig zu verlassen und Paddeltouren auf dem Karl-Heine-Kanal und Handbrot auf dem Leipziger Weihnachtsmarkt gegen Rucksack und Weltreise einzutauschen.

Da ich aber weiterhin meine Herzensheimat in Leipzig sehe, komme ich immer gerne zurück und lasse mich vom Gewandhausorchester beim Klassik Airleben im Rosental begeistern oder beobachte das Treiben bei einem leckeren Kaffee in der Gottschedtstraße. Dabei denke ich immer daran, wie viel Glück ich hatte, dass damals keiner sonst den Austauschplatz in Prag wollte und dass das Studienangebot der Uni Dresden mich nicht überzeugen konnte, denn so habe ich, ganz ungeplant, mein Herz an Leipzig verloren.

Foto: Lena KastenmeierLena Kastenmeier, Social Media Redakteurin

Lena Kastenmeier war Social Media Managerin bei Leipzig Travel und ist nach einer Weltreise nun als freiberufliche Social Media Redakteurin tätig.

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