Skyline von Leipzig Grünau bei Sonnenuntergang mit Hochhäusern im Bild, Aussichtspunkt

#MeinLeipzig: Kindheitserinnerungen und Gartenparadies

Ich bin eine echte Leipzigerin. Geboren im Leipziger Osten, in Reudnitz, verbrachte ich meine Kindheit dann einmal quer rüber im tiefsten Westen, bevor ich dann meinen Lebensmittelpunkt mehr oder weniger in den quirligen Süden verlegt habe. Da fällt mir ein, was ist eigentlich im Norden so los? Das muss ich auch mal noch rausfinden. Aber heute nicht.

Eine Person liegt in einer Hängematte am Strand des Kulwitzer Sees im Leipziger Neuseenland, Region Leipzig, Wassersport, Wasserski, Freizeit
Der Kulki ist ein Badeparadies im Leipziger Westen. © Tom Williger

Meine Kindheit habe ich in Grünau verbracht. Ja, da geht ein Raunen durch die Menge. Die böse Platte, der soziale Brennpunkt. Aber so schlimm ist Grünau gar nicht. In den Wohngebieten ist es ruhig, als Kinder konnten wir problemlos den ganzen Stadtteil unsicher machen ohne großartig von lautem Verkehr und Autos gestört zu werden und dank der vielen Parks ist Grünau tatsächlich auch sehr, naja, grün. Dank der guten Verkehrsanbindung durch S- und Straßenbahn ist man schnell in der Innenstadt und während sich im Sommer die halbe Welt am Cossi trifft, haben wir mit dem Kulkwitzer See, liebevoll Kulki genannt, ein kleines buntes Paradies direkt vor der Nase.

Eine S-Bahn zur Miltitzer Alle steht im Bahnhof Grünauer Allee, Anreise, Verkehr in Leipzig
Grünau ist mit Bahn und Tram bestens angebunden.

Und wenn wir dieses kleine Paradies doch mal verlassen wollen, schwingen wir uns einfach auf die Fahrräder und fahren zusammen in die Stadt. So auch heute, an einem angenehmen sonnigen Sommertag. Immer an der S-Bahn entlang, die erst vor wenigen Jahren wieder in den Fahrplan aufgenommen wurde und wo die S1 ab Miltitzer Allee bis Stötteritz durchfährt. Auf unserem Weg kreuzen wir immer mal wieder die „Alte Salzstraße“, die sich wie eine Ader durch Grünau zieht. Ob sie wirklich mal zu den großen Handelswegen gehörte, die im Mittelalter in und um Leipzig den Warenaustausch regelten, ist nicht sicher, aber zumindest erinnert sie an Leipzigs lange Geschichte als Handelsstadt.

Auf dem Weg durch Grünau fahren wir auch an einem meiner Lieblingsorte aus meiner Kindheit vorbei: dem Heizhaus Leipzig, gelegen an der Alten Salzstraße. Obwohl weder mein Skateboard noch ich die Halle in den vergangenen Jahren aktiv von innen gesehen haben, weckt das Gelände doch schöne Erinnerungen. Vor einigen Jahren wurde die ca. 1.000 Quadratmeter große Skaterhalle renoviert und bietet jetzt viel Platz für Skateboarder, Skater, Scooter und den Nachwuchs auf allem, was noch so spektakulär von A nach B rollt. Das Heizhaus hat sich als Treffpunkt in Grünau etabliert, der mit seinen zahlreichen Workshops, Contests und Events schon längst viel mehr ist als nur ein Skatepark.

Menschen paddeln mit einem Kanu über den Karl-Heine-Kanal und im Hintergrund sieht man das Stelzenhaus, Freizeit, Wasserstadt Leipzig, Aktivsport, Wassersport, Industriearchitektur
Die Leipziger Wasserwege führen dich bis ins Neuseenland! © Philipp Kirschner

Ein Stück weiter gelangen wir auf unserer Fahrt an den fast dreieinhalb Kilometer langen Karl-Heine-Kanal, der zwischen dem Lindenauer Hafen und der Weißen Elster eine künstlich erbaute Wasserstraße bildet. Nicht nur auf dem Fahrradweg entlang des Kanals herrscht immer reger Betrieb, auch auf dem Wasser selbst: Kanus, Paddelboote, Ausflugsschiffe, sogar mit der Gondel kann man sich auf dem Kanal bewegen. Links und rechts erstrecken sich wunderschöne alte Industriedenkmäler, wie das Stelzenhaus oder das Mørtelwerk. Fährt man am Kanal entlang, kommt man durch drei weitere Stadtteile Leipzigs: Neulindenau, Lindenau und das aufstrebende kreative Plagwitz. Allein letzteres ist schon einen eigenen Tagesausflug wert.

Blick auf die gläserne Fassade des Museums der bildenden Künste Leipzig, Kultur, Freizeit, Architektur
Das MdbK: nicht nur an Schlechtwettertagen ein Kulturhotspot! © Robin Kunz

Wir verlassen den Kanal und radeln weiter Richtung Clara-Zetklin-Park. In der grünen Oase der Stadt lässt sich der Stress des Alltags vergessen. Im Clara-Park lässt Leipzig die Seele baumeln.

Und schon sind wir mit unseren Rädern in der Innenstadt und im Epizentrum von Kultur, Gastronomie und Konsum. Der Himmel hat sich mittlerweile zugezogen und die ersten dunklen Tropfen auf den Gehwegen kündigen einen sommerlichen Regenschauer an. Wir überlegen kurz und beschließen dann auf Nummer sicher zu gehen und unser Tagesprogramm an einem überdachten Ort weiterzuführen. Die Innenstadt bietet viele Möglichkeiten für Regentage. Kino- oder Museumsbesuch (zum Beispiel im MdbK) shoppen gehen oder gemütlich im Café (zum Beispiel in der Pinguinmilchbar) sitzen – Leipzig lässt niemanden im Regen stehen. Aber auch außerhalb des Stadtzentrums gibt es noch spannende Orte zu entdecken.

Blick auf den Eingang zum Panometer Leipzig das damals ein Gasometer war und in dem nun große Panorama-Bilder ausgestellt werden, Museum, Kunst, Kultur, Freizeit, Ausstellungen
Seit 2003 sind im Panometer Leipzig atemberaubende Panorama zu sehen. © Panometer

Und jetzt wo der Tag grau und dunkel wird, brauchen wir Farbe! Etwas Fröhliches und Buntes um der Tristes entgegen zu wirken. Dabei fällt mir das Panometer ein. In einem alten Gasspeicher im Leipziger Süden werden seit vielen Jahren riesige Panoramabilder des Berliner Künstlers Yadegar Asisi gezeigt. Schon als Kind habe ich dort Ausstellungen besucht. Aktuell wird dort „Carolas Garten“, ein gigantisches 360°-Panorama eines Leipziger Gartens, ausgestellt. Ein Garten klingt schonmal bunt, und die Fotos auf der @panometer Instagram-Seite sehen auch vielversprechend aus. Also auf geht’s Richtung Südvorstadt!

Eigentlich könnte man den Weg von der Innenstadt zum Panometer problemlos mit dem Fahrrad fahren. Einfach die Karl-Liebknecht-Straße, kurz Karli, hoch und dann links auf die Richard-Lehmann-Straße abbiegen Richtung MDR Gelände. Aber wir entscheiden uns trotzdem die zwei Haltestellen ab Leuschner Platz mit der S-Bahn zu fahren. Immerhin fährt ja jede Bahn zur Haltestelle MDR, wo wir hin müssen. Und Fahrräder können wir kostenlos mitnehmen. Wir steigen an der S-Bahn Haltestelle MDR aus und sehen von Weitem schon das große runde Backsteingebäude des Panometers.

Personen besuchen die Begleitausstellung des Panorama-Bildes Carolas Garten im Panometer Leipzig, Kunst, Kultur, Freizeit, Museum
Neben dem Panorama-Bild gibt es eine umfangreiche Begleitausstellung. Foto: Tom Schulze | © Panometer

Im Panometer schließen wir uns einer der öffentlichen Führungen an um etwas mehr über die Ausstellung zu erfahren. „Carolas Garten“ ist ein weiteres Naturpanorama von Yadegar Asisi. Im Panometer Leipzig zeigte er seit 2003 unter anderem schon den Everest, den Amazonas oder das Great Barrier Reef – alle als 3.500 Quadratmeter große Riesenpanoramen.

„In Carolas Garten schrumpfen Sie heute auf die Größe eines Insekts und entdecken unsere heimische Natur vollkommen neu“, so unser Gästeführer. Er verspricht uns gigantische Blumen und riesige Insekten, die wir so noch nicht gesehen haben. Und er übertreibt nicht. Als wir nach der Führung in den Panoramaraum gehen trifft uns fast der Schlag. So viele Farben und Geräusche, eine Bilderflut aus Insekten, Tieren, Pflanzen! Einige davon kennen wir aus dem eigenen Garten, andere sehen wir zum ersten Mal.

Blick auf den Besucherturm im Rundraum mit dem Panorama-Bild von Carolas Garten im Panometer Leipzig, Ausstellungen, Kunst, Kultur, Freizeit, Museum
In CAROLAS GARTEN schrumpfst du auf die Größe eines Insektes. © Panometer

Nachdem wir auf den verschiedenen Ebenen des 15 Meter hohen Besucherturms Carolas Garten in wechselnden Lichtstimmungen erkundet haben, nehmen wir uns am Boden einen Sitzsack und lassen uns entspannt hineinfallen – direkt unter der 25 Meter großen Biene, die im Panoramabild eine Kamillenblüte bestäubt. Eine gute halbe Stunde liegen wir noch so da, während um uns herum das Licht von Tages- zu Nachtstimmung und wieder zurück wechselt.

Den Tag lassen wir dann noch schön auf der Terrasse des Panometers bei einer Tasse Kakao und einem Stück Kuchen ausklingen. Die grauen Wolken haben sich verzogen und die untergehende Sonne taucht die Stadt in ein warmes Gold.

Zurück nach Grünau geht’s dann wieder direkt mit der S-Bahn.

Foto: Pauline KitePauline Kita, Grafikerin

Pauline Kita lebt und arbeitet in Leipzig. Sie ist Grafikerin, malt, kocht und fotografiert gern und wenn man sie lieb fragt, schreibt sie Gastbeiträge für die Leipzig Tourismus und Marketing GmbH.

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