#MeinLeipzig: Mittags in der Messestadt

Wenn man im Zweitausendeins-Laden auf der KarLi arbeitet, kann man etwas erleben. Das habe ich mir auch für meine Mittagspausen vorgenommen, da nutze ich jede Gelegenheit, um zu Fuß oder auf dem Drahtesel die Gegend zu erkunden – und dabei Leib und Seele zu stärken.

Mittagspause heißt auch: Ab auf’s Fahrrad und die Stadt erkunden © Robin Kunz

Wenn ich es bequem haben will, endet der Ausflug direkt nebenan. Das Volkshaus, Karl-Liebknecht-Straße 30-32, wurde Ende des 19. Jahrhunderts als Sitz mehrerer Gewerkschaften errichtet. Im Garten hinter dem Haus befindet sich ein Gedenkstein für Heinrich Heine, der aus dem Sockel des Siegesdenkmals vom Marktplatz geschaffen und 1947 zum 150. Geburtstag des Dichters eingeweiht wurde. Da die Gründung von Zweitausendeins auf die 68er-Bewegung zurückgeht, erschien es nur folgerichtig, unseren Leipziger Laden an diesem traditionsreichen Ort zu eröffnen. Zu unseren Nachbarn gehört das Restaurant Volkshaus, wo zu akzeptablen Preisen zum Mittagstisch gebeten wird.

Das Restaurant im Volkshaus Leipzig in der Karl-Liebknecht-Straße © Jörg Gläscher

Wenn mir hingegen nach Trubel ist, gehe ich gerne durch die Südvorstadt und lasse mich von der allgemeinen Geschäftigkeit mitreißen. Angesichts der vielen Restaurants, Cafés und Kneipen, der zahlreichen Geschäfte und der ständig vorbeiziehenden Autos, Fahrräder und Straßenbahnen wird schnell klar, warum man die Karl-Liebknecht-Straße – die im Mittelalter Teil der Handelsstraße Via imperii war – auch als Lebensader der Stadt bezeichnet.

Hier ist immer etwas los: Das Treiben auf der Karl-Liebknecht-Straße © Robin Kunz

Besonders schön finde ich die „kleinen“ Höhepunkte der großen Straße. Ich denke da in erster Linie an das unter Glas gesetzte Graffito „Madonna mit Kind“ an der Fassade des Hauses Karl-­Liebknecht-­Straße 7, das älteste noch erhaltene Werk des französischen Streetart­-Vorreiters Blek le Rat. Oder an die „Löffelfamilie“, eine unter Denkmalschutz stehende „Hochspannungsleuchtröhren­-Werbeanlage“ auf dem Feinkostgelände, die man per Anruf oder SMS zum Leuchten bringen.

Die berühmte „Löffelfamilie“ auf dem Feinkostgelände © David Blum

Manchmal verschlägt es mich auch an den Südplatz. Bei schönem Wetter decke ich mich am Grill von Big Burgester deftig ein und trödele anschließend noch etwas herum. Film, Musik und Literatur unter einem Dach – so gefällt mir das. Im soziokulturellem Zentrum naTo oder im Kulturlokal Horns Erben werde ich eigentlich immer glücklich, schnell entsteht der Plan für den kommenden Feierabend.

Will ich es entspannter haben, zieht es mich in der Regel ins Musikviertel. Ich lasse mich dann gern am Mendelssohn-Ufer nieder und schaue auf das Wasser. Auch wenn es sich „nur“ um den Pleißemühlgraben handelt, stellt sich die beruhigende Wirkung unmittelbar ein. Mit den Holzelementen auf den Stufen wird der Beginn des ersten Satzes aus dem Violinkonzert e-Moll des berühmten Komponisten nachempfunden, aber mir ist dort immer ganz Dur zumute.

Mendelssohn-Ufer am Pleißemühlgraben © David Blum

Tragen mich die Füße noch etwas weiter, dann besorge ich mir im Kunstdreieck – bestehend aus dem Deutschem Literaturinstitut, der Hochschule für Musik und Theater und der Hochschule für Grafik und Buchkunst – eine Kleinigkeit für den Rückweg. Zum Beispiel im Café der Galerie für zeitgenössische Kunst, das nicht nur regelmäßig seine Gestalt, sondern auch seinen Namen ändert – manche mögen es noch als Kafič oder bau bau in Erinnerung haben – und sich aktuell als Das Kapital ausgibt. Seit neuestem sieht man mich aber auch häufig in der Schlange beim Backstein, der im letzten Jahr eröffneten Bäckerei für zeitgenössisches Brot im GfZK-Garten. Mit einer leckeren Focaccia im Bauch bin ich flugs wieder in der Südvorstadt.

Das GfZK-Café mit der ehemaligen Bezeichnung bau bau © Eva Zeltner

Doch auch die längste Mittagspause geht einmal zu Ende. Und es gibt viel zu tun. Zweitausendeins hat bewegte Zeiten hinter sich und wir waren viel zu lange aus dem Stadtbild verschwunden. Zum 50-jährigen Jubiläum, das wir 2019 begehen, gibt es nun aber endlich wieder einen echten Zweitausendeins-Laden in Leipzig – übrigens den einzigen in ganz Deutschland. Bei uns findet man von günstigen Büchern und Bildbänden über besondere Musiktitel aus den Bereichen Jazz, Klassik, Pop und Rock bis zu über 650 Filmen aus unseren hauseigenen Editionen alles, was das Herz begehrt. Über Empfehlungen und Sonderaktionen informieren wir auf der gesonderten Facebookseite. Kommt doch gerne einmal vorbei, irgendjemand ist garantiert vor Ort – selbst zur Mittagspause.

Nächste Termine:

Zweitausendeins auf der Buchmesse Leipzig (Halle 4, Stand B302a)

23.03. 11.00 Uhr
Eckhard Henscheid, Thomas Kapielski und Jürgen Roth lesen in der ARTAe Galerie zur Frühschoppen-Lesung (Kulturbeitrag: 15€ inkl. Verpflegung, Anmeldung empfohlen).

23.03. 16.00 Uhr
Thomas Gsella liest »Lyrik, Lust & Liebe: Frühlingshafte Lustgedichte« auf der Leipziger Buchmesse in Halle 4 am Stand B302a (Eintritt frei).

23.03. 19.00 Uhr
Gerd Haffmans liest »… und dann zu Bett: Die Tagebücher des Samuel Pepys« im Zweitausendeins Laden im Volkshaus, Karl-Liebknecht-Straße 30–32 (Eintritt frei).

 

Foto: Harald RaithelHarald Raithel, Leiter Zweitausendeins

Harald Raithel leitet seit Oktober 2018 den Zweitausendeins-Laden im Volkshaus Leipzig und erkundet in seiner Mittagspause die Südvorstadt sowie die angrenzenden Stadtteile.

Link zur Website: Zweitausendeins
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