#MeinLeipzig: Warum wir Studenten den Osten lieben

Eines ist klar: Ob du willst oder nicht, früher oder später wirst du dich in Leipzig verlieben. Wieso das so ist, erzähle ich euch heute aus eigener Erfahrung.

Vier Jahre ist es nun her, dass ich nach Leipzig gezogen bin. Komplett unbeabsichtigt bin ich dabei dem damals startenden Hype um diese Stadt gefolgt. Tatsächlich habe ich diese Entscheidung ausschließlich pragmatisch getroffen, denn besucht hatte ich Leipzig vorher lediglich ein einziges Mal und das nur, um den Zoo zu sehen. Meine Partnerin wollte nach Leipzig, ich wollte studieren. Mehr brauchte es für meine Entscheidung nicht. Mittlerweile ist klar: Es war die absolut richtige.

Der Blick auf die Leipziger Innenstadt © Philipp Kirschner

Da ich in einer Stadt in Brandenburg großgeworden bin (brandenburgische Städte würden in anderen Bundesländern wohl eher als Dörfer durchgehen) und Berlin, obwohl ich dort geboren wurde, mich nie begeistert hat, punktete Leipzig direkt durch eines: Seine perfekte Größe. Leipzig ist so groß, dass es alles hat, was man sich wünschen kann, aber auch nicht so riesig, dass man sich fremd fühlt, weil man am anderen Ende der Stadt ist.

Im Alltag ist mein Motto: „Lieber 15 Minuten laufen, als 5 Minuten rumstehen und 5 Minuten fahren.“ In Leipzig ist das kein Problem! Auch wenn das Netz der öffentlichen Verkehrsmittel keinerlei Lücken aufweist und nachts genügend Busse touren, lässt sich hier generell alles sehr gut zu Fuß erreichen. Unterwegs mit der Straßenbahn lernt man die Stadt auch gar nicht so gut kennen, wie man es zu Fuß tun könnte – vom Zentrum bis zum Völkerschlachtdenkmal oder nachts aus Böhlitz-Ehrenberg, vorbei an Kleingärten und dem Auwald, bis in den Osten Leipzigs hinein.

Das Völkerschlachtdenkmal und der Südfriedhof sind nur einige der vielen Leipziger Highlights © Philipp Kirschner

Und doch musste ich erstmal mit der Stadt warm werden, bis mich ihr Charme letztlich überzeugt hat. Da ich in Halle studiere, habe ich in den vergangenen vier Jahren viel Zeit in der Bahn und weniger in Bars verbracht. Hinzu kommt, dass „alternativ“ im ländlichen Brandenburg noch nicht wirklich angekommen ist und ich zunächst noch lernen musste, wie interessant, kreativ und lecker es sein kann, wenn etwas anders ist.

Den Großteil meiner Zeit in Leipzig habe ich an der Grenze zu Reudnitz gewohnt, der Gegend, die durch ihre vergleichsweise günstigen Mieten ein Sammelbecken für viele Studierende ist. Studierende sind zu nichts nütze? Falsch! Umso mehr sich davon im Osten der Stadt ansiedelten, desto mehr Cafés und Bars entstanden rund um die Dresdner Straße und belebten den Stadtteil.

Es kann in der Innenstadt noch so viele beliebte Eisdielen mit großer Auswahl oder Selbstbedienungs-Toppings geben: An warmen Tagen würde ich immer das Gustav H. vorziehen, ein kleines Eiscafé nahe des Lene-Voigt-Parks, in dem es fünf köstliche, hausgemachte Eissorten gibt, die tagtäglich variieren. Zwei leckere Eiskugeln nehmen und ab damit in den Park, um Sonne zu tanken – etwas entspannenderes kann es für mich kaum geben.

Der Lene-Voigt-Park im Sommer lädt zum Verweilen ein. © Andreas Schmidt

Von der Haltestelle Koehlerstraße läuft man fabelhafte fünfzehn Minuten bis zum Augustusplatz. Also die perfekte Zeitspanne, um auf dem Weg eine Funky Forelle oder einen Pretty Pottwal zu trinken. Was wie ausgefallenes Sushi klingt, sind in Wahrheit die Hausbiere des Fischladens, einer Bar an der Dresdner Straße.

An Schlechtwettertagen geht man ins Café Bubu, denn dort ist es so lauschig, wie es klingt. Wenn eine Arbeit ansteht, man die eigenen vier Wände aber nicht mehr sehen kann, findet man im Espresso Zack Zack sicher einen guten Platz zum Lernen und Pauken. Sollte das Wetter gut sein, nehme ich meine Unterlagen oftmals aber lieber mit ins Rosenthal. Unter der Woche ist man hier vormittags sehr ungestört und kann nach belieben zwischen Sonnen- und Schattenplatz aussuchen. Koffein kriegt man dort am Coffeebike eines älteren Herren, der einen kräftigen Espresso in den geeisten Karamell Latte Macchiato macht. Also eigentlich nichts für so schwache Nerven wie meine, lecker aber allemal!

Kaffeespezialitäten und Zubehör für die heimische Maschine gibt es in Reudnitz. © Espresso Zack Zack

Seit wenigen Monaten wohne ich nun in Schönefeld-Abtnaundorf. Es ist spürbar, dass der „studentische Gründungsboom“ seinen Weg hierher noch nicht gefunden hat. Pionier ist hier allerdings das Café TRAGO am Stannebeinplatz. Die schicke, schlichte Einrichtung dient hervorragend als Workplace und die Heißgetränke und Kuchen sind ausgezeichnet. An so manchen Sonntagen ignoriere ich hier sehr gerne die Arbeit bei einem Vanilla Chai Latte.

Eine meiner ersten Entdeckungen in der neuen Gegend war ein ruhiges Waldstück mit einem Teich im Abtnaundorfer Park, zu dem man abseits des Verkehrs und entlang der Parthe spazieren kann. Hier kann man wirklich mal ungestört und entfernt von lärmenden Straßen die Seele baumeln lassen.

Abseits des Trubels lässt es sich in den Leipziger Parks gut entspannen © Philipp Kirschner

Generell ist es hier deutlich ruhiger als in meiner vorherigen Wohngegend. Inmitten von Kleingärten erhebt sich die Bennigsenbrücke über die Bahnschienen nahe der Adenauerallee, die bei Google bereits als „Sachsenbrücke des Ostens“ bezeichnet wird. Hier ist man an lauen Abenden nie allein und man erhält einen wundervollen Blick auf den Sonnenuntergang.

Wem das doch zu ruhig ist, der geht einfach über die Brücke und steht mitten auf der belebten Eisenbahnstraße. Cafés, Restaurants, Bars – hier findet man alles, was das Herz begehrt. Besonders empfehlen kann ich die Kulturapotheke KuApo. Hier sitzt man gemütlich und hat eine feine Auswahl an Getränken.

In der Eisenbahnstraße ist es mir allerdings meistens zu trubelig. Im Sommer setze ich mich dann lieber ins ANALOG, Café und Bar in einer Nebenstraße der „Eisi“. Auch hier ist die Einrichtung sehr schick, noch charmanter ist jedoch, dass der Außenbereich der Hinterhof des Wohnhauses ist, in dem sich das ANALOG befindet. Bei einem kühlen Weizen kann man hier die Nachbarskatze beobachten –  wer braucht da schon Katzencafés? Das i-Tüpfelchen: Die leckeren Kuchen werden vom Inhaber und seinen Bekannten selbst gebacken.

Es hat ein bisschen gedauert, aber mittlerweile liebe ich fast alle Aspekte an Leipzig und bin froh, dass ich vor vier Jahren eine solch pragmatische Entscheidung getroffen habe. Leipzig ist mein Zuhause geworden und wird es noch für eine ganze Weile bleiben.

Foto: Daniel AlmendingerDaniel Almendinger, Student

Daniel Almendinger studiert in Halle und wohnt trotzdem seit vier Jahren in Leipzig. Neben dem Studium schreibt und arbeitet er freiberuflich für die Leipzig Tourismus und Marekting GmbH.

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