Geheimtipp: Mit Nachtwächter Bremme durch das Leipzig von einst

Nikolaikirchhof, Marktplatz, Naschmarkt und Mädlerpassage sind die Highlights einer jeden Erkundungstour durch die Leipziger Innenstadt. Kennst du schon zu Genüge? Wir verraten dir, wie du die Top-Sehenswürdigkeiten aus einer ganz anderen Perspektive kennenlernen kannst. Begleite Nachtwächter Bremme auf seinem Rundgang durch das nächtliche Leipzig von einst und entdecke in einer Stadttour der anderen Art das Leipziger Zentrum neu.

Um 21 Uhr wartet Nachtwächter Bremme an der Gedenksäule des Nikolaikirchhofs auf die Teilnehmer der Tour. ©Laura Bähr
Um 21 Uhr wartet Nachtwächter Bremme an der Gedenksäule des Nikolaikirchhofs auf die Teilnehmer der Tour. ©Laura Bähr

„Hört, Ihr Leut…“, ertönt es aus dem Nikolaikirchhof. Die Worte stammen von einem kleinen, etwas rundlichen Mann mit grauen Haaren. Er trägt einen schwarzen Mantel und einen schwarzen Hut. In der einen Hand hält er eine Laterne und in der anderen eine Hellebarde, eine altertümliche Waffe. Der Mann ist nicht etwa Besucher des Wave-Gotik-Treffens. „Mein Name ist Johann Silvester Bremme. Und ich bin Nachtwächter der Stadt Leipzig.“, stellt er sich vor. Dreimal in der Woche entführt er Interessierte in das nächtliche Leipzig zur Zeit der Aufklärung.

Herr Bremme informiert über seine Aufgaben im nächtlichen Leipzig. ©Laura Bähr
Herr Bremme informiert über seine Aufgaben im nächtlichen Leipzig. ©Laura Bähr

Was hat so ein Nachtwächter eigentlich zu tun? Herr Bremme muss dafür sorgen, dass kein Feuer ausbricht. Gibt es doch einmal einen Brand, warnt er die Leipziger. Außerdem ist er für die öffentliche Sicherheit verantwortlich. Ein Dorn im Auge sind ihm die Studenten, die abends stets zu viel trinken. Am liebsten würde er die „Herren studiosi“ gleich bei der Universität Leipzig verpfeifen. Doch seine Frau hat Mitleid, denn das würde den Rausschmiss bedeuten. Lieber möchte Frau Bremme, dass ihr Ehemann die jungen Burschen mit nach Hause zum Ausnüchtern bringt. Bei 12 Kindern kann das schon mal eng werden.

Die Tour mit dem Nachtwächter führt auch durch die Leipziger Passagen. ©Laura Bähr
Die Tour mit dem Nachtwächter führt auch durch die Leipziger Passagen. ©Laura Bähr

Nicht nur die Studenten schauen gerne mal zu tief in das Glas. Im damaligen Leipzig gibt es bereits Straßenlaternen. Auf Holzpfählen befinden sich Schalen mit leicht entzündbarem Lampenöl. Jeden Abend muss eine Gruppe von Männern die Lampen anzünden. Dabei gönnen sich die Herren den einen oder anderen Schluck aus dem Schälchen. „Sich einen auf die Lampe gießen“, nennt der Nachtwächter das. Der bekannteste Schluckspecht der Stadt ist aber Johann Wolfgang von Goethe. Der junge Student aus reichem Frankfurter Hause hatte monatlich umgerechnet 6000 Euro zur Verfügung. Diese investierte er nicht in Bücher, sondern in Bier aus Auerbachs Keller. Nach drei Jahren kommt ihm sein Vater auf die Schliche und Johann Wolfgang muss die Universität wechseln.

In Leipziger Mundart erzählt der Nachtwächter viele pikante Anekdoten. ©Laura Bähr
In Leipziger Mundart erzählt der Nachtwächter viele pikante Anekdoten. ©Laura Bähr

Beim Vorbeigehen an der ehemaligen Stadtmauer (dort wo heute die Höfe am Brühl stehen), erzählt Herr Bremme, dass ihn einige Bürger unterstützen. Die Bürgerwache patrouliert auf der Stadtmauer und lässt nach Einbruch der Dunkelheit wirklich niemanden herein. Gefährliche Zeiten sind es in Leipzig, deshalb weist der Nachtwächter die Teilnehmer des Rundgangs immer wieder darauf hin, auf die Taschen Acht zu geben.
Herr Bremme spricht wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Nach Herzenslust zieht er über die hochnäsige Frau des reichsten Kürschners der Stadt her. Leipzig ist eine Pelzstadt und der Handel mit den teuren Waren floriert auf der Leipziger Messe, die dreimal im Jahr stattfindet. Die Stadt quillt über mit Handelsreisenden. Hotels gibt es noch keine, deshalb vermieten die Leipziger ihre Wohnungen. Die Studenten müssen ganz raus aus ihren Zimmern und in Notunterkünften auf Strohsäcken schlafen. Die heutige Strohsackpassage erhält so ihren Namen.

Jede Nacht sorgt Herr Bremme in Leipzig für Ruhe und Ordnung. ©Laura Bähr
Jede Nacht sorgt Herr Bremme in Leipzig für Ruhe und Ordnung. ©Laura Bähr

Nach 90 Minuten endet die unterhaltsame Zeitreise mit Nachtwächter Bremme, organisiert von Treffpunkt Leipzig. Du möchtest dich auch in das nächtliche Leipzig von damals begeben? Die Termine findest du hier. Treffpunkt ist immer um 21 Uhr an der Gedenksäule im Nikolaikirchhof. 9 Euro kostet der Rundgang.

Bei Fragen zur Tour kannst du den Veranstalter unter folgender Nummer kontaktieren: +49 (0)341 149 78 79

Leipzig Tourismus und Marketing GmbH
Augustusplatz 9
04109 Leipzig
Tel. +49 (0)341 7104-340
Fax +49 (0)341 7104-211
www.leipzig.travel
social.media@ltm-leipzig.de

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Posted by: Leipzig Travel Team
Hier bloggt das Online-Team von Leipzig Travel. Gemeinsam zeigen wir, wie umwerfend, warmherzig, offen und mitreißend Leipzig ist. Für den einen bekommt Leipzig den Beinamen Hypezig, für den anderen ist es das bessere Berlin. Wir wissen: Leipzig ist einmalig. Mit unseren gemeinsamen Erfahrungen und Erlebnissen bekommst du von uns die geballte Leipzig-Power und natürlich ganz viel Leipzig-Liebe auf dem Silbertablett serviert.

2 Kommentare

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