Neu entdeckt: Leipzig aus einer anderen Perspektive

Der Stadtführer „Verborgenes Leipzig“ lädt dazu ein, Leipzig abseits bekannter Wege zu erkunden. Ich machte die Probe aufs Exempel und entdeckte meine Stadt dabei noch einmal von einer neuen Seite.

10.30 Uhr

Als Startpunkt meiner Route wählte ich das kleine Café Fela auf der Karl-Liebknecht-Straße, dessen Sonntagsbrunch bei Kennern legendär ist. Im schönsten Sonnenschein suche ich mir einen Platz auf dem kleinen Freisitz und studiere neugierig die Karte. Die Entscheidung fällt auf das exotisch klingende Fela-Frühstück mit Kalbsbraten, Appenzeller, pochiertem Ei und Ingwer-Birnenfrischkäse. Nach nur zehn Minuten steht ein großer und kunstvoll angerichteter Teller vor mir. Das nenne ich mal ein Frühstück! Der würzige Schweizer Käse und das Ei sind eine Offenbarung und auch der Frischkäse ist in Verbindung mit dem Kalbsbraten ein echter Genuss.

12 Uhr

Gesättigt und gut gelaunt mache ich mich auf den Weg zum Fockeberg, meinem ersten Ausflugsziel für heute. Mit dem aus Trümmerschutt künstlich geschaffenen Berg schuf die Stadt einen Erholungsort mitten im urbanen Raum. Der Aufstieg ist anstrengender als vermutet und für einen kurzen Moment macht sich ein wenig Reue ob des üppigen Frühstücks breit. Oben angekommen zeigt sich, dass das Aussichtsplateau vor allem bei jungen Menschen sehr beliebt ist – hier und da liegen sie auf der Wiese, aalen sich in der Sonne oder spielen Frisbee.

Der Fockeberg bietet einen tollen Ausblick, Foto: Tom Schulze
Der Fockeberg bietet einen tollen Ausblick, Foto: Tom Schulze

Nach einer halbstündigen Erholungspause mache ich mich wieder auf den Weg nach unten. Mein nächstes Ziel: das Feinkostgelände.
Auf den Weg dorthin gönne ich mir einen kleinen Zwischenstopp in der Cupcakery „Marshalls Mum“ auf der August-Bebel-Straße. Schon beim Betreten des Ladens steigt mir der Duft von frisch gebackenem Teig in die Nase. Da werden Kindheitserinnerungen wach. Ebenso liebevoll wie die Einrichtung gestaltet ist, werden auch die Cupcakes angerichtet. Ich entscheide mich schließlich für ein Schokoladenküchlein mit Frischkäse-Creme und Oreo-Keks, den ich mir einpacken lasse.

Marshalls Mum ist eine Sünde wert, Foto: Dieter Grundmann/Westend-PR
Marshalls Mum ist eine Sünde wert, Foto: Dieter Grundmann/Westend-PR

13.30 Uhr

Gemütlich schlendere ich zum nahegelegenen Feinkost-Gelände. Durch den Kunsthandwerksladen „Papiterro“ gelange ich in den großen Innenhof, der heute vor allem eins ist: bunt. Die Wände sind farbenfroh getüncht und teils mit Graffiti kunstvoll verziert. Pflanzen in alten Wannen und Eimern sowie allerlei Strickwerk lassen den Innenhof einladend wirken. Bisher habe ich das Gelände immer nur zu Großveranstaltungen wie dem monatlichen Flohmarkt oder „Karli Beben“ besucht. Heute ist es menschenleer und ich kann in aller Ruhe durch die Läden stöbern. Aktuell sind 14 Mieter vor Ort, vom Bekleidungsgeschäft über einen Schuhmacher bis zur Kneipe. Ursprünglich wurde das Gebäudeensemble als Brauerei errichtet. In den 1920er-Jahren wurde dieser schrittweise durch Nahrungsmittelproduktion ersetzt: Bis zur Wiedervereinigung 1990 produzierte die Feinkost als volkseigener Betrieb (VEB) Obst- und Gemüsekonserven, Marmelade, Essig, Liköre und Fruchtsäfte – ein letztes Zeugnis dieser vergangenen Zeiten ist die berühmte Löffelfamilie, die des Nachts erleuchtet. Heute wird das Areal von der Feinkost Genossenschaft verwaltet, die es sich zum Ziel gesetzt, die Feinkost als Kunst-, Kultur- und Gewerbehof unter denkmalpflegerischen Aspekten zu erhalten und zu nutzen. Die meisten Teile des Komplexes sind jedoch noch unerschlossen.

15 Uhr

Als nächstes steht für mich ein Kontrastprogramm an. Ich besuche den Johannisfriedhof am GRASSI Museum, die älteste kommunale Begräbnisstelle Leipzigs. 1278 für Leprakranke des angegliederten Johannishospitals angelegt, wurde er im 16. Jahrhundert schließlich zur allgemeinen Ruhestätte für die Stadt ernannt und in Folge stetig erweitert. Heute wird der Friedhof als museale Parkanlage genutzt. Als Querschnitt durch die Epochen zeugen die etwa 400 verbliebenen Grabmale von der einstigen Pracht dieses Ortes. Bei meinem Streifzug entdecke ich immer wieder bekannte Namen: Unter anderem ruhen hier die bedeutende Kaufmannsfamilie Frege, die Mutter und die Schwester Richard Wagners sowie Goethes Jugendfreundin Käthchen Schönkopf. Die Reste des Alten Johannisfriedhofs bilden inmitten der Stadt eine Oase der Ruhe und des Friedens – und so lasse ich mich auf einer Bank nieder, gönne mir den eingepackten Cupcake und genieße die Ruhe.

Ruhige Idylle findet man auf dem alten Johannisfriedhof, Foto: Tom Schulze
Ruhige Idylle findet man auf dem alten Johannisfriedhof, Foto: Tom Schulze

17 Uhr

Gern würde ich noch länger hier verweilen, doch ein Blick auf die Uhr verrät: Ich muss weiter. Denn ich bin mit meiner Freundin Tina im Restaurant „Chinabrenner“ in Plagwitz verabredet. Also geht’s mit dem Rad gen Westen. Nach 30 Minuten stehe ich etwas außer Atem vor der alten Fabrikhalle, in der sich der „Chinabrenner“ befindet. Besitzer Thomas Wrobel, eigentlich gelernter Holzkünstler, entdeckte während seiner Reisen ins Reich der Mitte die Sichuan-Küche für sich – und brachte diese schließlich mit nach Leipzig. Wir bestellen süße Klebreisklößchen und gebratenen Kohlrabi als Vorspeise sowie teegeräucherte Ente und Rindfleisch nach Art der Papiermacher. Mit traditionellen Stäbchen probieren wir uns durch die einzelnen Gerichte – natürlich nicht, ohne auch beim jeweils anderen zu naschen. Fazit: Die beste chinesische Küche, die ich bisher gegessen habe.

Ausgefallene asiatische Küche findet man im Chinabrenner, Foto: Tom Schulze
Ausgefallene asiatische Küche findet man im Chinabrenner, Foto: Tom Schulze

20 Uhr

Gegen 20 Uhr machen wir uns auf zu „Dr. Seltsam“. Den Namen trägt die von außen etwas schäbig wirkende Bar nicht zu Unrecht. Überall an den Wänden hängen Fahrradschläuche, Rahmen und Schraubendreher. Dies hat jedoch seinen Grund: Denn tagsüber werden hier Fahrräder repariert und verkauft. Ab 19 Uhr werden die Werkbänke durch Stühle, Tische und Kicker ersetzt. Als wir ankommen, ist die Bar bereits gut gefüllt, Zigarettenqualm zieht in kleinen Rauchwölkchen über die Köpfe hinweg und im Hintergrund sorgt eine Band für soulige Rhythmen. Wir finden ein freies Plätzchen an der Bar und stimmen uns ein auf die letzten Etappe des heutigen Tages: Die Elektroparty in der Alten Damenhandschuhfabrik. In diesem Sinne: Prost und gute Nacht!

Autorin: Carina Brümmer
Fotos: Tom Schulze, Foto Marshalls Mum: Dieter Grundmann/Westend-PR

Wir danken Carina Brümmer für den Blogbeitrag und die Entdeckungen „abseits bekannter Wege“ und wünschen euch viel Spaß beim Lesen.

Weitere Informationen:
Leipzig Tourismus und Marketing GmbH
Augustusplatz 9
04109 Leipzig
Tel. +49 (0)341 7104-340
Fax +49 (0)341 7104-211
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