Blick auf das Gebäude des soziokulturellen Zentrums naTo auf der Karl-Liebknecht-Straße in dem sich die Cinematiquè befindet, Kultur, Freizeit, Kino, Veranstaltungen, Karli

Neu entdeckt: Leipzig aus einer anderen Perspektive

Der Stadtführer „Verborgenes Leipzig“ lädt dazu ein, Leipzig abseits bekannter Wege zu erkunden. Ich machte die Probe aufs Exempel und entdeckte meine Stadt dabei noch einmal von einer neuen Seite.

10.30 Uhr

Als Startpunkt meiner Route wählte ich das kleine Café Fela auf der Karl-Liebknecht-Straße, dessen Sonntagsbrunch bei Kennern legendär ist. Im schönsten Sonnenschein suche ich mir einen Platz auf dem kleinen Freisitz und genieße das leckere Essen.

12 Uhr

Das Panorama, das ihr vom Fockeberg habt, ist umwerfend. © Dean Nixon

Gesättigt und gut gelaunt mache ich mich auf den Weg zum Fockeberg, meinem ersten Ausflugsziel für heute. Mit dem aus Trümmerschutt künstlich geschaffenen Berg schuf die Stadt einen Erholungsort mitten im urbanen Raum. Der Aufstieg ist anstrengender als vermutet und für einen kurzen Moment macht sich ein wenig Reue ob des üppigen Frühstücks breit. Oben angekommen zeigt sich, dass das Aussichtsplateau vor allem bei jungen Menschen sehr beliebt ist – hier und da liegen sie auf der Wiese, aalen sich in der Sonne oder spielen Frisbee.

Nach einer halbstündigen Erholungspause mache ich mich wieder auf den Weg nach unten. Mein nächstes Ziel: das Feinkostgelände.

13.30 Uhr

© Philipp Kirschner

Gemütlich schlendere ich zum nahegelegenen Feinkost-Gelände. Durch das Tor gelange ich in den großen Innenhof, der heute vor allem eins ist: bunt. Die Wände sind farbenfroh getüncht und teils mit Graffiti kunstvoll verziert. Pflanzen in alten Wannen und Eimern sowie allerlei Strickwerk lassen den Innenhof einladend wirken. Bisher habe ich das Gelände immer nur zu Großveranstaltungen wie dem monatlichen Flohmarkt besucht. Heute ist es menschenleer und ich kann in aller Ruhe durch die Läden stöbern. Aktuell sind 15 Mieter vor Ort, vom Bekleidungsgeschäft über einen Schuhmacher bis zur Kneipe. Ursprünglich wurde das Gebäudeensemble als Brauerei errichtet. In den 1920er-Jahren wurde dieser schrittweise durch Nahrungsmittelproduktion ersetzt: Bis zur Wiedervereinigung 1990 produzierte die Feinkost als volkseigener Betrieb (VEB) Obst- und Gemüsekonserven, Marmelade, Essig, Liköre und Fruchtsäfte – ein letztes Zeugnis dieser vergangenen Zeiten ist die berühmte Löffelfamilie, die des Nachts erleuchtet. Heute wird das Areal von der Feinkost Genossenschaft verwaltet, die es sich zum Ziel gesetzt, die Feinkost als Kunst-, Kultur- und Gewerbehof unter denkmalpflegerischen Aspekten zu erhalten und zu nutzen. Die meisten Teile des Komplexes sind jedoch noch unerschlossen.

15 Uhr

Der alte Johannisfriedhof existiert bereits seit sechs Jahrhunderten. ©Robin Kunz

Als nächstes steht für mich ein Kontrastprogramm an. Ich besuche den Johannisfriedhof am GRASSI Museum, die älteste kommunale Begräbnisstelle Leipzigs. 1278 für Leprakranke des angegliederten Johannishospitals angelegt, wurde er im 16. Jahrhundert schließlich zur allgemeinen Ruhestätte für die Stadt ernannt und in Folge stetig erweitert. Heute wird der Friedhof als museale Parkanlage genutzt. Als Querschnitt durch die Epochen zeugen die etwa 400 verbliebenen Grabmale von der einstigen Pracht dieses Ortes. Bei meinem Streifzug entdecke ich immer wieder bekannte Namen: Unter anderem ruhen hier die bedeutende Kaufmannsfamilie Frege, die Mutter und die Schwester Richard Wagners sowie Goethes Jugendfreundin Käthchen Schönkopf. Die Reste des Alten Johannisfriedhofs bilden inmitten der Stadt eine Oase der Ruhe und des Friedens – und so lasse ich mich auf einer Bank nieder, gönne mir den eingepackten Cupcake und genieße die Ruhe.

17 Uhr

Der Chinabrenner in der Gießerstraße ist ein Muss für Fans asiatischer Küche. © Daniel Köhler

Gern würde ich noch länger hier verweilen, doch ein Blick auf die Uhr verrät: Ich muss weiter. Denn ich bin mit meiner Freundin Tina im Restaurant „Chinabrenner“ in Plagwitz verabredet. Also geht’s mit dem Rad gen Westen. Nach 30 Minuten stehe ich etwas außer Atem vor der alten Fabrikhalle, in der sich der „Chinabrenner“ befindet. Besitzer Thomas Wrobel, eigentlich gelernter Holzkünstler, entdeckte während seiner Reisen ins Reich der Mitte die Sichuan-Küche für sich – und brachte diese schließlich mit nach Leipzig. Wir bestellen süße Klebreisklößchen und gebratenen Kohlrabi als Vorspeise sowie teegeräucherte Ente und Rindfleisch nach Art der Papiermacher. Mit traditionellen Stäbchen probieren wir uns durch die einzelnen Gerichte – natürlich nicht, ohne auch beim jeweils anderen zu naschen. Fazit: Die beste chinesische Küche, die ich bisher gegessen habe.

20 Uhr

© Robin Kunz

Gegen 20 Uhr machen wir uns auf zu „Dr. Seltsam“. Den Namen trägt die von außen etwas schäbig wirkende Bar nicht zu Unrecht. Überall an den Wänden hängen Fahrradschläuche, Rahmen und Schraubendreher. Dies hat jedoch seinen Grund: Denn tagsüber werden hier Fahrräder repariert und verkauft. Ab 19 Uhr werden die Werkbänke durch Stühle, Tische und Kicker ersetzt. Als wir ankommen, ist die Bar bereits gut gefüllt, Zigarettenqualm zieht in kleinen Rauchwölkchen über die Köpfe hinweg und im Hintergrund sorgt eine Band für soulige Rhythmen. Wir finden ein freies Plätzchen an der Bar und lassen den Abend ausklingen. In diesem Sinne: Prost und gute Nacht!

Autorin: Carina Brümmer

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Posted by: Leipzig Travel Team
Hier bloggt das Online-Team von Leipzig Travel. Gemeinsam zeigen wir, wie umwerfend, warmherzig, offen und mitreißend Leipzig ist. Für den einen bekommt Leipzig den Beinamen Hypezig, für den anderen ist es das bessere Berlin. Wir wissen: Leipzig ist einmalig. Mit unseren gemeinsamen Erfahrungen und Erlebnissen bekommst du von uns die geballte Leipzig-Power und natürlich ganz viel Leipzig-Liebe auf dem Silbertablett serviert.

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