Spukgeschichten aus der Region Leipzig

Es wird wieder gruselig – am 31.10.2014 ist Halloween und überall -auch in der Leipziger Region– wimmelt es von Hexen, Geistern und Ungeheuern. Schauderhaftes begiebt sich auch im sächsischen Burgen- und Heideland, es spukt gewaltig! Zahlreiche Sagen und Mythen ranken sich um die Schlösser und Burgen. Wir haben uns auf die Spuren der geheimnisvollen und Grauen erregenden Geschichten begeben.

Jede Woche stellen wir euch in Vorbereitung auf eure Halloween-Feier und als Ausflugstipp zwei Gruselgeschichten aus Leipzig und der Region vor.
Im letzten Teil unserer Spukgeschichten lest ihr in „Der Mord im Colditzer Wald“ über einen Mord aus Eifersucht. In „Die beiden Kröten“ erfahrt ihr, was der Legende nach mit ungehorsamen Kindern passiert!


© Andreas Schmidt
© Andreas Schmidt

Schloss Colditz

– Der Mord im Colditzer Wald –

Mehr als 200 Jahre ist es her, da lebte Baron Ludolf von Sternfels nahe Rochlitz auf seinem Schloss – scheinbar glücklich und zufrieden mit seiner jungen Gemahlin Richarda. Doch er hatte böse Träume, unter denen er des Nachts litt, als quäle ihn eine geheime Schuld. Und siehe da: eines Tages erfüllte sie sich auf grausige Weise. Während eines Jagdausritts im Colditzer Wald, auf den ihn Richarda begleitete, traf ihn aus dem Hinterhalt ein tödlicher Schuss. Der Mörder entkam, und niemand hatte ihn gesehen. Richarda ließ am Ort des Schreckens ein Kreuz zum Gedenken und zur Mahnung errichten. Zwei Jahre nach dem entsetzlichen Geschehen kehrte der seit Jahren vermisste Bruder des Grafen, mit Namen Kurt, aus der Fremde auf Schloss Sternfels zurück und nahm die verwitwete Richarda zur Frau. Die Jahre vergingen – scheinbar glücklich und zufrieden. Eines Tages fand wieder eine Treibjagd im Colditzer Wald statt. Und es geschah, dass der Baron Kurt – mit seiner Gesellschaft am Gedenkkreuz angekommen – sich auf einen Streit einließ, in welchem er Gott herausforderte, trotz mahnender Bitten und Worte von Richarda und dem Pfarrer. Und siehe da: urplötzlich bäumte sich sein Pferd auf und warf den völlig überraschten Reiter ab. Tödlich verletzt lag er am Boden, und während ihn das Leben verließ, gestand er den schrecklichen Mord an seinem Bruder Ludolf. Kurz nachdem er das letzte Wort gestammelt hatte, starb er in Richardas Armen. Sie hatte ihm verziehen, nachdem er ihr das Motiv für jenen schrecklichen Mord am Bruder gestanden hatte. Ludolf sollte für seinen Bruder um ihre Hand anhalten. Dieser aber hatte den Antrag des Bruders verschwiegen und selbst die schöne Richarda geheiratet. Dieser Verrat trieb Kurt in die Fremde, um sein Unglück zu vergessen. Doch was er auch unternahm – er konnte nicht verzeihen. Der Hass trieb ihn schließlich zum Mord an seinem Bruder im Walde zu Colditz. Richarda ließ auch für ihn ein Kreuz errichten. Noch viele Jahre später scheuten Wanderer die Nähe zu den beiden Kreuzen, denn der Ort war ihnen nicht geheuer.

Quelle: Tourismusverband „Sächsisches Burgen- und Heideland“ e.V. Sagenhaftes. Geschichten aus dem Sächsischen Burgen- und Heideland mit Illustrationen von Schülern aus der Region.

© Andreas Schmidt
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© Andreas Schmidt
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Burg Mildenstein

– Die beiden Kröten –

In Leisnig war an der Stadtkirche lange ein Steingebilde zu sehen. Es zeigte einen Mann, der, die Arme in die Seite gestemmt, gegen zwei Knaben gewendet erschien. Dazu gibt es eine Sage: Es war ein Vater, der hatte zwei sehr ungezogene Söhne. Offensichtlich erhielten sie nicht die notwendige Strafe, wenn sie mal wieder nicht gehorsam waren. Ein Sprichwort sagt: Wer seinen Kindern die Rute gibt, spart dem lieben Gott eine Mühe. Eines Tages geschah es, dass der Vater die beiden Knaben schalt, weil sie wieder böse Dinge getrieben hatten. Sie aber schalten zurück und bellten wie die kläffende Hunde. Damit nicht genug, gingen sie sogar so weit, ihrem Vater ins Gesicht zu spucken. Da schrie der alte Mann auf und stiess einen schrecklichen Fluch aus. Die Nichtsnutze wollten aber auch ihren Vater verfluchen. Aber plötzlich stammelten sie, und es quoll ihnen dick und eiskalt im Mund und biss wie Gift. Dann kroch es lebendig aus dem Mund hervor. Die Zungen der beiden hatten sich in ekelhafte, hässliche Kröten verwandelt. Von nun an konnten die Knaben weder spucken noch schlucken, weder schimpfen noch bellen. Sie blieben stumm und verzweifelt und mussten schließlich zur Hölle fahren.
Zur Erinnerung hat man die drei an der Kirche in Stein abgebildet und die Kröten aus dem Mund der Knaben hervorgucken lassen.

Quelle: Tourismusverband „Sächsisches Burgen- und Heideland“ e.V. Sagenhaftes. Geschichten aus dem Sächsischen Burgen- und Heideland mit Illustrationen von Schülern aus der Region.

© Andreas Schmidt
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Schloss Hubertusburg, Foto: Andreas Schmidt

Schloss Hubertusburg

– Die Weiße Frau am Kirchteich im Wermsdorfer Wald –

Der Wermsdorfer Wald mit seinen breiten schnurgeraden Waldwegen lockt nicht nur Spaziergänger und Pilzesammler. Seit Jahren graben hier Archäologen nach den Resten längst versunkener Dörfer, von denen nur noch die Namen existieren. Es ist bis zum heutigen Tag noch nicht eindeutig erforscht, ob die Ruinen am Kirchteich von einer Kirche oder einem Schloss stammen. So romantisch wie die Natur rund um den See, ist auch eine alte Sage, die sich um diese Ruinen rankt. Nur ganz alte Wermsdorfer kennen sie noch. Jedenfalls traute sich früher niemand in die Nähe des Kirchteichs, wenn im Herbst die Nebelschwaden durch den Wald zogen. Denn nur in stillen und mondhellen Herbstnächten- so sagt man- wandere die Weiße Frau mit einem kleinen weißen Sarg unter dem Arm von der Ruine aus am Teich entlang. Sie müsse ihn auf das andere Ufer bringen, bevor die Glocke die erste Stunde schlägt, und alle Menschen, denen sie begegnet, um Vergebung ihrer Sünden bitten. Die Weiße Frau soll der Sage nach der Geist der letzten Schlossherrin sein. Diese war weithin als eine hochmütige und hartherzige Frau bekannt. Daher kam ihr auch niemand zu Hilfe, als bei einem gewaltigen Unwetter das Schloss in Brand geriet. Als alles niedergebrannt war, erschien der alte Schlossgeist auf den Trümmern und überbrachte ihr die gesammelten Flüche und Verwünschungen all der vielen Menschen, denen sie böses angetan hatte. Sodann sage er: „Ich habe meine Strafe mit dem heutigen Tag verbüßt und kann jetzt ruhen. Doch an meiner Stelle müsst Ihr jetzt treten, um Buße für all die begangenen Sünden zu tun!“ Dann verschwand er für immer. Auch die Bauern des Dorfes, die zum Schloss gehörten zogen bald darauf weg. Das leere Dorf verfiel und versank allmählich in der Erde. Später bildete sich in der Senke ein See, der alles überflutete. Nur die Weiße Frau wandert noch um ihren versunkenen Besitz herum, denn Geister sind an den Ort ihrer Untaten gebunden.

Quelle: Tourismusverband „Sächsisches Burgen- und Heideland“ e.V. Sagenhaftes. Geschichten aus dem Sächsischen Burgen- und Heideland mit Illustrationen von Schülern aus der Region.

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Schloss Nossen, Foto: Andreas Schmidt

Schloss Nossen

– Der Schamprich zu Nossen –

Auf dem Fußweg, der an der Südseite des Schlossberges von der Unterstadt nach der Oberstadt führt, soll es noch vor hundert Jahren einen Spukgeist, den Schamprich, umgetrieben haben. Warum man ihn Schamprich nannte, kann heute keiner mehr sagen. Das Besondere am Schamprich bestand in seinem Tun, das so gar nicht der Vorstellung von einem Spukgeist entsprach. Weder erschreckte er die Kinder, noch schwebte er lautlos von den Gemäuern herab, stöhnte und ächzte, wie man das von anderen Spukgeistern so kennt. Dafür hatte er eine andere Passion. Er pflegte sich des Nachts den Leuten am Anfang des Weges nach einigen Schritten „aufzuhucken“ und sich so den Berg hinauf bis zur großen Eiche tragen zu lassen. Den verspäteten Passanten und Nachtschwärmern wurde dabei die Last mit jedem Schritt bergauf immer schwerer. Nun, was ist denn dabei Besonderes, könnte man jetzt fragen? Eine Last wird, je länger man sie trägt – zumal bergauf- von Schritt zu Schritt schwerer. Richtig, aber eine Last, die nichts wiegt, kann ja wohl kaum schwerer werden, oder? Und wie allgemein bekannt ist, wiegen Gespenster und Spukgeister nichts. Dieses Rätsel beschäftigte die Leute früher sehr, doch man kam zu keiner Lösung. Mancher spottete gar, es sei wohl weniger der Schamprich, der den Aufstieg von der Unter- zur Oberstadt so beschwerlich mache, als vielmehr der in den Schänken der Unterstadt reichlich geflossene Wein und das gute Bier. Und doch spricht einiges dafür, dass der Schamprich wirklich am Schlossberg sein Unwesen trieb. In früherer Zeit mussten die Nachtwächter der Stadt am nördlichen Schlossgraben entlanggehen und von der äußersten Bergecke aus die volle Stunde blasen. Es soll des Öfteren passiert sein, dass der Schamprich gerade hier mit ihnen seinen Schabernack getrieben hat. Besonders soll er ihnen aus dem Nichts heraus Ohrfeigen versetzt haben. So berichteten es die Nachtwächter glaubhaft. Und wer will einer Amtsperson schon wiedersprechen?

  Quelle: Tourismusverband „Sächsisches Burgen- und Heideland“ e.V. Sagenhaftes. Geschichten aus dem Sächsischen Burgen- und Heideland mit Illustrationen von Schülern aus der Region.

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Trebsen - Schloss Trebsen - Lutherweg Sachsen (6)
Burg Trebsen, Foto: Andreas Schmidt

Burg Trebsen

– Die Mordtreppe zu Trebsen –

„Schloss Trebsen im Muldental gehört zu den schönsten Herrensitzen Sachsens. Es wird erzählt, dass sich in diesem Schloss einst eine grausige Bluttat ereignet habe. Beinahe 500 Jahre ist es her, dass die Herren von Minckwitz im Besitz von Schloss und Ort Trebsen kamen. Dieses Ereignis sollte gebührend gefeiert werden. Der Adel des ganzen Muldentals wurde zu einem großen Bankett geladen. Im Rittersaal des Obergeschosses trug man auf, was Küche und Keller hergaben. Köstliche Suppen, duftende Braten, gewürzt mit den edelsten Spezereien, und vieles mehr. Bier und Wein flossen In Strömen, Spielleute sorgten für eine treffliche Unterhaltung. Die Gäste schmausten und tranken nach Herzenslust, und bald fühlte mancher berauschte Ritter seine Kräfte wachsen. So ging es auch zwei adligen Herren, die beide heftig für ein und dieselbe adlige Dame entbrannt waren. Keiner von beiden wollte dem anderen den Vortritt lassen, sodass man bald in einen hitzigen Streit geriet. Schließlich zog einer der Herren den anderen in ein kleines Nebengelass und stieß ihm dort meuchlings seinen Dolch in den Rücken. Auf einer Treppe die von diesem Raum abging, kam der Erdolchte kläglich zu Tode. Der Mörder – wenig später ernüchtert durch seine grausige Tat – entsetzte sich so, dass er Hals über Kopf zu fliehen versuchte. Dabei stürzte er die Stufen hinab und brach sich das Genick. Am nächsten Morgen fand man beide Ritter tot, auf der vom Blut rot gefärbten Treppe. Noch heute soll der Geist des Mörders in Vollmondnächten ruhelos in den alten Gemäuern des Schlosses herum spuken.“

Quelle: Tourismusverband „Sächsisches Burgen- und Heideland“ e.V. Sagenhaftes. Geschichten aus dem Sächsischen Burgen- und Heideland mit Illustrationen von Schülern aus der Region.

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Bad Düben - Burg - Lutherweg in Sachsen (1)
Burg Düben, Foto: Andreas Schmidt

Burg Düben

– Das Grab der Treue – 

Wenn altes Gemäuer reden könnte, würden wir manches Geheimnis erfahren. Vielleicht auch das von der Burg Düben. Im Laufe der Jahrhunderte hat Moos das Gestein überzogen. Eine bestimmte Stelle der Burgmauer blieb jedoch immer hell. Wie eine alte Sage berichtet, liegen dort die Gebeine von 12 unschuldig Ermordeten. Als einmal ein Graf einen Kampf verloren hatte, brachte man den Besiegten als Geisel in ein Verlies auf Burg Düben. Sein Sohn verkaufte allen Besitz und bot ein Lösegeld für den Gefangenen. So blieb nur noch eine List. Der Grafensohn verkleidete sich als Pilger und bat am Burgtor um ein Nachtlager. Heimlich gelang es ihm, nachts das Tor zu öffnen, sodass seine Truppen die Burgbesatzung überwältigen konnten. Die Geisel war frei. Im Gegenzug landete der Burgherr im tiefen Keller. Dieser entsann sich des unterirdischen Ganges, wartete bis Mitternacht und gelangte so ins Freie. Am anderen Morgen erinnerten sich die Eroberer an den Gefangenen, aber der war entflohen. Der Graf und sein Sohn ließen sofort den Rest der Burgbesatzung verhören, um mögliche Fluchthelfer zu fassen. Die Drohung: „Ich lasse euch alle lebendig einmauern.“, half nicht weiter. Aus Wut ließen sie einige Handwerker holen und zwangen sie mit Waffengewalt, Steine aus der Burgmauer zu brechen, um daraus einen Kerker zu bauen. Dort wurde die Dienerschaft hinein getrieben. Der Graf stellte ein Ultimatum: „Das ist eure letzte Chance. Wo hat sich der Herr versteckt?“. Es folgte keine Antwort, der Kerker wurde zugemauert und somit zum Grab der Getreuen. Was aus dem geflohenen Burgherren geworden ist, und ob er je vom Tod seiner getreuen Diener erfahren hat, darüber schweigt die Geschichte.

Quelle: Tourismusverband „Sächsisches Burgen- und Heideland“ e.V. Sagenhaftes. Geschichten aus dem Sächsischen Burgen- und Heideland mit Illustrationen von Schülern aus der Region.

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5 Kommentare

  1. Eine dieser Geschichten erinnert mich an meine Kindheit, als wir uns damals unter der Bettdecke Gruselgeschichten erzählt haben.
    Netter Artikel, dankeschön für den kurzen gedanklichen Ausflug zurück in meine Kindheit!

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