Verborgenes Leipzig: Feinkost und Löffelfamilie

Bunt, leuchtend, retro, man muss einfach hinsehen: Die Leuchtreklame der Löffelfamilie auf dem Feinkost Gelände hat Kultstatus in Leipzig erreicht. Bei Verborgenes Leipzig verraten wir euch alles rund um den Eyecatcher auf der Karli und erzählen euch, was sonst noch los ist auf dem Feinkost Areal.

Von Bierfässern zu Konservendosen
Unter Denkmalschutz
Buntes Leuchten auf der Karli
Programm auf der Feinkost

Von Bierfässern zu Konservendosen

Brauerei, Konzertsaal, Konservenfabrik - es war viel los in der 150-jährigen Geschichte des Geländes. ©Diana Pilski
Brauerei, Konzertsaal, Konservenfabrik – es war viel los in der 150-jährigen Geschichte des Geländes. ©Diana Pilski

Dort wo du heute Sommertheater, Flohmärkte und Co besuchst, wurde zwischen 1853 und 1879 ursprünglich eine Brauerei errichtet. Ende der 1920er Jahre war Zapfenstreich auf dem Gelände in der Karl-Liebknecht-Straße. Die Bierfässer mussten raus, ab sofort wird auf Nahrungsmittelproduktion gesetzt. In den Hallen wurden nun auch Konserven gelagert. Ein paar Räume der Fabrik baute man zu einem Restaurationsbetrieb mit Tanzsaal um, in dem bis zum 2. Weltkrieg legendäre Partys stattfanden. Nach dem Krieg zog der Volkseigene Betrieb Feinkost in das Areal auf der Karli und nutzte das gesamte Gelände inklusive der Tiefenkeller zur Konservenproduktion. Die im Volksmund als „Löffelfamilie“ bekannte Leuchtreklame schmückte ab 1973 den Betrieb.
Aber Moment mal. Wie passt eine solch aufwendige Reklame in ein staatsmonopolistisches System, in dem sich die Funktion von Werbung erübrigt? Gekauft wurde schließlich, was gerade im spärlichen Angebot stand. Der Legende nach soll sich der ehemalige jugoslawische Staatschef Tito bei einem Treffen mit Erich Honecker über die triste Farbgestaltung der DDR beklagt haben. Der SED-Obmann nahm sich dies zu Herzen und gründete die Parteiinitiative “Leipzig – Stadt des Wassers und des Lichts”, die dem allgegenwärtigen Grau ein Ende setzen sollte. Im Rahmen der Kampagne bekam die Löffelfamilie ihren Platz an der Karli.

Unter Denkmalschutz

Graffitis und Bemalungen: So bunt gestalten Verein und Betreiber das Gelände. ©Mia Natalie Ihring
Graffitis und Bemalungen: So bunt gestalten Verein und Betreiber das Gelände. ©Mia Natalie Ihring

Seit der Wende gibt es den VEB Feinkost nicht mehr. Die Gebäude standen zwar einige Zeit leer, doch Vater, Mutter und die beiden Kinder löffeln brav ihre Suppe weiter. 1993 wurde die Leuchtreklame zum Kulturdenkmal erklärt und steht wie das gesamt Gelände des ehemaligen VEB Feinkost unter Denkmalschutz. 1999 und nochmals 2011 wurden Sanierungsmaßnahmen durchgeführt. Seit 2008 hat der Verein Löffelfamilie e.V. die Aufgabe übernommen, die Löffelfamilie zu erhalten und zu betreiben. Durch die Sanierung des Areals soll keinesfalls ein Büro-oder Wohnhausstandard entstehen. Vielmehr sollen die Spuren verschiedener Nutzungsperioden für jedermann erkennbar bleiben. Die Brüche unterschiedlicher Bau- und Stilepochen – von der Mitte des 19. Jahrhunderts über die Industriearchitektur der Gründerzeit, die Anbauten der 20er Jahre und schließlich der Überformungen durch den VEB Leipziger Feinkost – sollen sichtbar gemacht werden. Im Innenhof des Geländes leben sich der Verein und die Betreiber der Läden kreativ aus. Graffiti, Wandbemalungen, eine Wand voll mit Windrädern und bunte Blumentöpfe schmücken das Areal.

Buntes Leuchten auf der Karli

Mit deiner Spende kannst du die Löffelfamilie ganz einfach per SMS zum Leuchten bringen. ©Tom Schulze
Mit deiner Spende kannst du die Löffelfamilie ganz einfach per SMS zum Leuchten bringen. ©Tom Schulze

Hast du gewusst, dass die Leuchtreklame von einer Astro-Uhr gesteuert wird? Jeden Abend nach Einbruch der Dämmerung schaltet sie sich für 90 Minuten ein. Eine genaue Zeit gibt es nicht, je nach Jahreszeit setzt die Dämmerung zu verschiedenen Zeitpunkten ein. Wundere dich also nicht, wenn du die Reklame im Winter um 17.30 Uhr und im Sommer um 21.30 Uhr leuchten siehst. Allerdings ist es keine Selbstverständlichkeit, dass die Leuchtreklame in buntem Licht erstrahlt. Die Strom und Instandhaltungskosten sind teuer. Der Verein ist auf Spenden angewiesen. Wenn du nicht warten willst, bis du zufällig im richtigen Moment vor der Reklame stehst, kannst du die Familie selbst mit deinem Handy zum Löffeln bringen. Sende einfach eine SMS mit dem Text “Löffelfamilie” an die 81190 und bringe damit die Reklame für drei Minuten zum Leuchten. Die SMS kostet drei Euro und kommt der Instandhaltung der Löffelfamilie zu Gute.

Programm auf der Feinkost

Jeden ersten Samstag im Monat kannst du im Trödel und Trempel des Flohmarkts auf der Feinkost stöbern. ©Chris Russew
Jeden ersten Samstag im Monat kannst du im Trödel und Trempel des Flohmarkts auf der Feinkost stöbern. ©Chris Russew

Von Konservendosen siehst du heute nichts mehr auf dem ehemaligen VEB Feinkost Gelände. Wenn du trotzdem einen Eindruck von den alten Fabrikzeiten bekommen möchtest, kannst du an einer Untergrund Tour durch die Tiefenkeller teilnehmen und in die über 150-Jährige Geschichte des Geländes eintauchen. Die Hallen werden heute vielfältig genutzt. Im Bekleidungsladen Mrs. Hippie kannst du alternative Kleidung shoppen, im Fußgänger kannst du dir deine Schuhe reparieren lassen. Im Kinderbuchladen Serifee werden kleine Leseratten glücklich. Oder du machst es dir mit einem Bier im Biergarten direkt unter der Löffelfamilie gemütlich. Danach sind es nur wenige Meter zum Feiern in den Club Absturz, der im bunt bemalten Innenhof des Feinkost Geländes liegt. Du kannst den Abend natürlich auch etwas ruhiger angehen bei einer Vorstellung des Sommertheaters oder des Sommerkinos. Jeden ersten Samstag im Monat gibt es Trödel und Trempel beim Feinkost Flohmarkt. Geschlemmt wird bei den regelmäßig stattfindenden Streetfoodmärkten.

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