serenatas disponibles (Brandon López, Mat Maneri & Sun-Mi Hong) (50. Leipziger Jazztage)

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Neues Projekt des New Yorker Bassisten mit hochkarätiger Besetzung: Populäre lateinamerikanische Anklänge, Polyrhythmik, Mikrotonalität und die Abwesenheit eines übergeordneten Konzepts. Was bleibt? Ein komplexes Gefühl, das die Menschen zum Tanzen bringen soll.

Als »Musik des Abends« lässt sich der Begriff der Serenade frei übersetzen. Im lateinamerikanischen Kontext weist er eine lange Tradition auf: In ihm drücken sich Liebe und Erinnerung, Abschied und Sehnsucht aus.
Dass sich Brandon López, Shooting-Star der New Yorker Avantgarde- und Improvisationsszene, mit seinem neuen Programm » serenatas disponibles« explizit auf die Serenaden bezieht, mag daher zunächst verwundern. Doch was den aus einer puerto-ricanischen Familie stammenden und in New Jersey aufgewachsenen Kontrabassisten an der musikalischen Tradition interessiert, ist weniger die fertige Form als vielmehr die Fragmentierung des musikalischen Materials. 
So erscheinen kleine melodische oder rhythmische Latin-Versatzstücke in der Neuinterpretation wie vage Erinnerungen aus einer fernen Vergangenheit. Gerahmt werden sie durch die für López typische polyrhythmisch-mikrotonale Experimentierlust, die gleichermaßen von Eleganz wie von seinem musikalischen Eigensinn zeugt.
Seine unverwechselbare Klangsprache hat sich in den vergangenen Jahren längst herumgesprochen: So kollaborierte er bereits mit Größen der internationalen Avantgarde-Szene, darunter John Zorn, Peter Evans und Ingrid Laubrock. Zudem machte er durch seine vielbeachtete Zusammenarbeit mit dem Dichter Fred Moten von sich zu reden, die von der New York Times 2022 als »Best of Jazz« auszeichnet wurde.
Für sein aktuelles Projekt konnte er nicht nur den legendären Viola-Spieler Mat Maneri gewinnen, sondern zugleich auch die südkoreanische Schlagzeugerin Sun-Mi Hong, die in den vergangenen Jahren international als gefeierte Bandleaderin in Erscheinung getreten ist. Im Zusammenspiel kreiert das Trio einen aufs Wesentliche reduzierten, atmosphärischen Klang. Ganz so, wie es für eine Musik des Abends angemessen scheint.
(Text: Luca Glenzer)

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