Leipziger Jazznachwuchspreis: Jakob Obleser »Music is just wiggly air« (50. Leipziger Jazztage)
Mit »Music is just wiggly air« führt Jakob Obleser seine weit verzweigten Einflüsse in einen höchst persönlichen Mix aus Groove, Experiment und Avantgarde – und erweist sich als würdiger Gewinner 2026 des Leipziger Jazznachwuchspreises der Marion-Ermer-Stiftung.
In nur fünf Jahren hat sich Jakob Obleser zu einer prägenden Stimme der Leipziger Jazzszene entwickelt. Sei es als Mitmusiker von Max Stadtfeld, Iris Eckert, Simon Lucaciu und Christopher Kunz oder als Kopf seines Solosextetts: Sein Name ist derzeit in aller Munde. Und das nicht nur in seiner Wahlheimat, sondern auch in Städten wie Berlin, Stuttgart oder Köln, wo Obleser musikalisch immer wieder aktiv ist.
Stets verbindet der auf E- und Kontrabass spezialisierte Musiker fließende Grooves mit einer wohltuenden Durchlässigkeit für Neues und Unvorhergesehenes. Seine Inspirationsquellen sind weit verzweigt und reichen von Klassikern der Jazzgeschichte wie John Coltrane, Thelonious Monk und Louis Armstrong über Pop-Avantgardisten wie David Byrne bis hin zu Éliane Radigue, einer Wegbereiterin der modernen elektronischen Musik. Er liebe es, so erzählte er 2021 in einem Interview mit der Kunststiftung Baden-Württemberg, im »Internet zu stöbern und weitgehend unbekannte Avantgardisten wie Lowell Davidson oder Sirone zu entdecken.«
Sein neues Soloprogramm »Music is just wiggly air (AKA Jiggly Jukebox)« versteht sich als musikalische Reflexion über Identität: Wie formen Herkunft, Ausbildung und Szenezugehörigkeit das eigene Schaffen – und wie lässt sich diesen Prägungen etwas Eigenes entgegensetzen? Fragen, die keiner abschließenden Beantwortung bedürfen. Und doch kann sein höchst charakteristischer Mix aus Guitar Bop, Drone Warp und Bass Funk am Ende implizit als Replik verstanden werden. Ganz ohne Worte, dafür in der Sprache der Musik.
Dass er in diesem Jahr zu den beiden Gewinner:innen des Leipziger Jazznachwuchspreises zählt, kommt wenig überraschend – und dürfte zugleich dazu beitragen, dass schon bald eine neue Generation an Nachwuchsmusiker:innen bei ihren nächtlichen Streifzügen durchs Internet stolpern wird: Und zwar über den Namen Jakob Obleser.
(Text: Luca Glenzer)






