Ausstellungseröffnung: Platte. Leben in der Großwohnsiedlung

Ausstellung
Kunst und Kultur

Eröffnung der Galerieausstellung
Mit Halina Kirschner (Illustratorin, Leipzig), Harald Kirschner (Fotograf, Leipzig) und Dmitrij Kapitelman (Autor, Berlin)
Moderation: Carolin Büscher (Journalistin, Leipzig)
Eintritt frei

Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums von Leipzig-Grünau lädt eine neue Galerieausstellung im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig dazu ein, den DDR-Plattenbau als soziales und kulturelles Phänomen neu zu betrachten. Im Mittelpunkt stehen Fotografien, Dokumente und Alltagsobjekte, die vom Leben in der „Platte“ erzählen: Alltag, Nachbarschaft, Ankommen und Veränderung. Die Ausstellung zeigt, wie die Großwohnsiedlungen als Antwort auf akute Wohnungsnot entstanden und sich rasch zu prägenden Lebensräumen entwickel-ten. Sie verfolgt die Brüche und Umbrüche nach 1990 ebenso wie die Kontinuitäten im Wohnen und Zusammenleben.

Zur Eröffnung der Ausstellung greift ein Gespräch die unterschiedlichen Lebenserfahrungen von Grünauerinnen und Grünauern über die Jahrzehnte auf: Der Leipziger Fotograf Harald Kirschner zog 1981 mit seiner Familie zunächst eher widerwillig in die Plattensiedlung, lernte jedoch, nach Jahren im unsanierten Altbau, das Leben im Neubau rasch schätzen. Noch heute wohnt er mit seiner Frau in Grünau. Tochter Halina Kirschner hat das Quartier als Kind und junge Erwachsene in den Umbruchsjahren erlebt. Dmitrij Kapitelmann kam in den 1990er Jahren als Jugendlicher mit seiner Familie aus der Ukraine nach Leipzig-Grünau. Als jüdischer Zuwanderer erlebte er hier in den sogenannten Baseballschlägerjahren Rassismus und Gewalt. Mit der Leipziger Journalistin Carolin Büscher sprechen die Gäste darüber, wie das Leben in der Großwohnsiedlung sie prägte und bis heute prägt.

Um verbindliche Anmeldung wird bis zum 26. Juni 2026 unter anmeldung-zfl@hdg.de gebeten.

Laufzeit der Ausstellung: 3. Juli 2026 bis 17. Januar 2027

Carolin Büscher arbeitet als freie Journalistin für den MDR und ARD Kultur. Als Reporterin berichtet sie in Hörfunk, TV und Online mit einem Schwerpunkt auf Kultur und Nachrichten. Sie hat Philosophie, Literatur und Kulturwissenschaften in Hildesheim, Montpellier und Leipzig studiert und von 2022 bis 2024 ein Volontariat beim MDR absolviert. Sie lebt und arbeitet in Leipzig.

Dmitrij Kapitelman wurde 1986 in Kiew (Ukraine) geboren und wuchs in Leipzig-Grünau auf. Er studierte Politikwissenschaft und Soziologie an der Universität Leipzig und absolvierte die Deutsche Journalistenschule in München. 2016 erschien sein erster Roman „Das Lächeln meines unsichtbaren Vaters“, gefolgt von „Eine Formalie in Kiew“ (2021) und „Russische Spezialitäten“ (2025). Er lebt als freier Journalist und Buchautor in Berlin und macht unter dem Künstlernamen „Dheema“ poetische Hip-Hop-Musik.

Halina Kirschner arbeitet als freischaffende Illustratorin und Grafikerin. Die gebürtige Leipzigerin studierte an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (HGB) sowie der École Supérieure des Arts Décoratifs in Strasbourg. Ihr künstlerischer Schwerpunkt liegt auf der Buchillustration für Kinder und Erwachsene. Ihre Leidenschaft für traditionelle Techniken pflegt sie aktiv in der Grafikdruckwerkstatt des Leipziger Kulturzentrums WERK-2.

Harald Kirschner, Jahrgang 1944, ist bekannt für seine sensible sozialdokumentarische Fotografie. Nach seiner Ausbildung und einem Studium an der renommierten Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) Leipzig war er dort als Dozent tätig, bevor er sich 1981 selbstständig machte. Ein besonderer Schwerpunkt seines Schaffens liegt auf dem Plattenbauviertel Leipzig-Grünau, dessen Entstehung er begleitete. Seine präzisen historischen Aufnahmen aus der Gründungsphase des Stadtteils sind aktuell in der Ausstellung „Als Grün-au noch Schlammhausen hieß“ im KOMM-Haus in Lausen-Grünau zu sehen.

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