Botenstoffe
Textilien sind in unserem Alltag so selbstverständlich wie allgegenwärtig. Doch bei genauerer Betrachtung eröffnen sie ein komplexes Spannungsfeld. Diese Ausstellung lässt Stoffe zu Boten werden und macht sichtbar, wie eng Stoffe, Kleidungen und Gewebe mit sozialen, ökologischen und historischen Prozessen verknüpft sind.
Wie bei vielen Konsumprodukten werden auch in der Mode- und Textilindustrie die ausbeuterischen Produktionsbedingungen gegenüber Mensch und Natur durch die globale Arbeitsteilung verschleiert. Konsumentinnen und Konsumenten im Westen, die Konfektionsware in den Filialen großer Modeketten kaufen, sind die Zusammenhänge zu den schlecht bezahlten und oft gefährlichen Arbeitsbedingungen in den Textilzentren Südostasiens, der Türkei und Nordafrikas kaum bewusst. Auch verblassen die Erinnerungen an das riesige Industrieproletariat, das durch die revolutionären Erfindungen der Textilindustrie einst in Europa geschaffen wurde, und an die damit einhergehenden Transformationsprozesse und sozialen Kämpfe. An die engen Zusammenhänge zur kolonialen Expansion und zum transatlantischen Sklavenhandel sollte immer wieder erinnert werden. Genauso gerät mit den Fertigprodukten der globalen Handelsketten auch das Wissen und die Fertigkeiten um die einzelnen Schritte des Spinnens und Webens, Färben und Bedruckens, des Nähens, Strickens und Stickens zunehmend in Vergessenheit. Das betrifft das Hunderttausende Jahre alte Handwerk wie die textile Innovationsgeschichte der Moderne oder auch das simple Reparieren.
Terminübersicht
In der Nähe







