Schweinefleisch-Mendelssohn-Orgel in der Auferstehungskirche Möckern

Orgel
Dass diese Orgel seit 1767 bis heute jeden Sonntag im Gottesdienst zu hören ist, verdankt sich einer Reihe von glücklichen Umständen. Ursprünglich wurde sie 1766 bis 1767 durch den Leipziger Universitätsorgelbauer Johann Christian Immanuel Schweinefleisch (1721–1771) für den damaligen Kirchsaal der Reformierten Gemeinde erbaut, der sich im sogenannten Amtshaus am Thomaskirchhof befand.

Diese Gemeinde bestand aus den Familien der um das Jahr 1700 aus Frankreich nach Leipzig geflüchteten Hugenotten, die wegen ihres protestantischen Glaubens verfolgt worden waren. Obwohl sie zum Teil wohlhabende Tuchhändler waren, gestand man ihnen das Bürgerrecht in Leipzig nicht zu und betrachtete argwöhnisch die Abhaltung ihrer reformierten Gottesdienste. Selbst den Bau dieser Orgel versuchte die lutherische Bürgerschaft durch eine Eingabe an den Dresdener Hof zu verhindern. Jedoch sprach der katholische König stattdessen der konfessionellen Minderheit seinen Schutz aus.

Zur Wiedereinweihung des renovierten Kirchsaals mit der neuen Orgel war der Student Johann Wolfgang Goethe anwesend, der sie als „fürtrefflich“ bezeichnete. Die Abnahme erfolgte am 16. Juli 1767 durch Thomaskantor Johann Friedrich Doles (1715–1797). Erster Organist war der spätere Dresdner Kreuzkantor Christian Ehregott Weinlig (1743–1813). Etliche Jahre war die Orgel das modernste Instrument seiner Art in Leipzig.
Kein Geringerer als das reformierte Gemeindeglied Felix Mendelssohn-Bartholdy war für eine Prüfung der Orgel im Gespräch, als sie 1841 durch Universitätsorgelbauer Johann Gottlob Mende überholt worden war.

Eine Erweiterung auf drei Manuale fand 1870 bis 1873 durch Carl Bernecker statt.
Nachdem 1899 die neue reformierte Kirche am Tröndlinring geweiht werden konnte, wurde das Instrument zum Kauf angeboten und gelangte so 1901 in die neu erbaute Auferstehungskirche in Möckern. Diese war eigentlich nur als Übergangskirche für die immer schneller wachsende Gemeinde gedacht, weshalb man mit einem gebrauchten Instrument zufrieden war. Die Umsetzung wurde durch Gottfried Hildebrand vorgenommen.

Eine erste Restaurierung mit einer Rückführung auf zwei Manuale wurde 1983 von Hartmut Schüßler (Greiz) durchgeführt. Der heutige Zustand geht auf die gründliche Restaurierung zurück, die 2004 von Ekkehart Groß (Waditz) ausgeführt wurde. Dabei wurde die Orgel an den Zustand von 1841 angenähert, also der Zeit Felix Mendelssohns. Seit 2004 finden jährlich die Möckener Orgeltage statt.

Disposition

I. Manual
Bordun 16'
Principal 8'
Rohrflöte 8'
Viola di Gamba 8‘
Octave 4'
Gemshorn 4'
Quinte 22/3'
Octave 2'
Mixtur 4-5fach
Cornett 3fach ab c0
Trompete 8'

II. Manual
Gedackt 8'
Quintatön 8'
Salicional 8'
Principal 4'
Rohrflöte 4'
Nasat 22/3'
Waldflöte 2'
Mixtur 3fach
Oboe 8'

Pedal
Principalbass 16'
Subbass 16'
Posaunenbass 16'
Oktavbass 8'
Cello 8'


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