BILDNIS EINER TRINKERIN

Kino/Film

BRD 1979, REGIE Ulrike Ottinger, Spielfilm, 107 min, OmeU (Deutsch mit englischen Untertiteln)
mit Tabea Blumenschein, Magdalena Montezuma, Nina Hagen

Sie, eine Frau von hoher Schönheit, von antiker Würde und raphaelischem Ebenmaß, eine Frau, geschaffen wie keine andere, Medea, Madonna, Beatrice, lphigenie, Aspasia zu sein, beschloß an einem sonnigen Wintertag La Rotonda zu verlassen.

Sie löste ein Ticket aller jamais retour Berlin Tegel. Sie wollte ihre Vergangenheit vergessen, vielmehr verlassen, wie ein abbruchreifes Haus. Sie wollte sich mit allen ihren Kräften auf eine Sache konzentrieren, ihre Sache; endlich ihre Bestimmung zu leben war ihr alleiniger Wunsch.

Anhand eines Werbeprospektes, der ihr als Bordlektüre von einer freundlichen Stewardess überreicht worden war, beschloss sie, eine Art Trinkplan aufzustellen. Die ausführliche Beschreibung einer Sightseeing-Tour diente ihr zur Orientierung und bot umfassende Hilfe. Berlin, eine Stadt, in der sie völlig fremd war, schien ihr der rechte Ort, ungestört ihre Passion zu leben. Ihre Passion war zu trinken, leben um zu trinken, trinkend leben, das Leben einer Trinkerin. Jetzt war also der Zeitpunkt gekommen, alles zu verwirklichen.

Text & Stills: Ulrike Ottinger Filmproduktion

Im Rahmen von:

DZiKADiVA (poln. „Wilde Diva“) versteht sich als lesbische Bar und zugleich als potenzielles Archiv lesbischer Sichtbarkeit. Das Projekt widmet sich der Vielfalt lesbischer Identitäten in Polen und verhandelt Fragen von Repräsentation, Erinnerung sowie archivischer Praxis. Als Möglichkeitsraum für bislang marginalisierte Geschichte eröffnet DZiKADiVA Perspektiven auf verborgene Narrative und lädt dazu ein, neue Formen kollektiven Handelns und von Zugehörigkeit zu erkunden.

Die Künstlerin Karolina Sobel setzt sich mit der polnisch-deutschen Erinnerungskultur auseinander und richtet ihren Blick auf Subkulturen. Sie sucht nach übersehenen Geschichten und fragt, welche gesellschaftlichen und kulturellen Strukturen dazu geführt haben, dass queere Geschichte in beiden Kontexten lange randständig blieb. Sobel ist bildende Künstlerin mit Schwerpunkt auf künstlerischer Fotografie. In ihren Arbeiten untersucht sie peripherisierte Identitäten, Mechanismen der Sichtbarkeit sowie gesellschaftliche Zuschreibungen.

Ein Ausschnitt der Filme ist in der Ausstellung DZiKADiVA zu sehen. Filme von Ulrike Ottinger wurden in den 1990er Jahren in der polnischen Lesbengeschichte erwähnt. Besonders interessant bleibt aus heutiger Perspektive die Frage, wie diese Filme ihren Weg nach Polen gefunden haben und wie sie dort rezipiert wurden.

On a sunny winter day, she decides to leave La Rotonda and books an one-way ticket to Berlin Tegel. Based on an advertising brochure that a friendly flight attendant gives her to read on board, she draws up a kind of drinking plan. The detailed description of a sightseeing tour serve as her guide and provide comprehensive help. Berlin, a city where she is a complete stranger, seems to her to be the right place to live out her passion undisturbed. Her passion is to drink, to live to drink, to drink to live, the life of a drinker. Now the time had come to make it all a reality.

DZiKADiVA (Polish for “Wild Diva”) sees itself as a lesbian bar and, at the same time, a potential archive of lesbian visibility. The project is dedicated to the diversity of lesbian identities in Poland and addresses issues of representation, memory, and archival practice. As a space for previously marginalized history, DZiKADiVA opens up perspectives on hidden narratives and invites visitors to explore new forms of collective action and belonging.

Artist Karolina Sobel explores Polish-German memory culture and focuses her attention on subcultures. She searches for overlooked stories and asks which social and cultural structures have led to queer history remaining marginalized in both contexts for so long. Sobel is a visual artist with a focus on artistic photography. In her work, she examines marginalized identities, mechanisms of visibility, and social attributions.

An excerpt from the films can be seen in the DZiKADiVA exhibition. Films by Ulrike Ottinger were mentioned in Polish lesbian history in the 1990s. From today’s perspective, the question of how these films found their way to Poland and how they were received there remains particularly interesting. (German with English subtitles)

Terminübersicht

In der Nähe