Ostdeutsche Identität im Bild: OSTKREUZ zwischen Erinnerung und Repräsentation
Buchvorstellung und Gespräch
Mit der Autorin Dr. Anne Pfautsch (Kunsthistorikerin und Kuratorin) und der Fotografin Stephanie Steinkopf (OSTKREUZ–Agentur der Fotografen)
Eintritt frei
Wie spiegelt sich ostdeutsche Identität nach 1989 in der Fotografie wider? Dieser Frage ist die Kunsthistorikerin Anne Pfautsch in ihrer Dissertation, die jetzt als Buch vorliegt, nachgegangen. Sie hat dabei vor allem die fotografische Praxis von „Ostkreuz“, einer 1990 von namhaften Fotografinnen und Fotografen in Ost-Berlin gegründeten Agentur, untersucht. Wie diese Agentur auf die Umbrüche nach der Wiedervereinigung reagierte, stellt Anne Pfautsch im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig vor.
Im Zentrum des Abends steht die Frage, wie „der Osten“ in den Medien, als andere, fremdartige Gesellschaft konstruiert wurde und wie „Ostkreuz“ in Auftragsarbeiten der 1990er Jahre und in eigenen Ausstellungen zwischen 2005 und 2015 mit diesen Zuschreibungen gearbeitet hat. Dabei wird deutlich, dass „Ostdeutschland“ nicht nur eine Fremdzuschreibung war, sondern von den Fotografinnen und Fotografen auch bewusst als Bezugssystem und identitätsstiftendes Moment verwendet wurde und wird. Anne Pfautsch verfolgt dabei die Spannungen zwischen Erinnerung, Selbstverortung und Ausstellungspraxis und zeichnet nach, wie die Herkunft der beteiligten Fotografinnen und Fotografen deren Arbeit bis heute prägt.
Im Gespräch mit Anne Pfautsch ist die Fotografin Stephanie Steinkopf, Mitglied von „Ostkreuz“. Ihre fotografischen Langzeitprojekte widmen sich politischen und sozialen Konflikten, die das individuelle Leben prägen. In einem intimen Zugang nähert sie sich Menschen sowie deren alltäglichen und emotionalen Beziehungen. Dabei verbindet sie dokumentarische Beobachtung mit fiktionalen Momenten. So entstehen Bildräume, die dazu anregen, gesellschaftliche Prägungen, Ausschlüsse und Vorurteile der Gegenwart kritisch zu hinterfragen.
Dr. Anne Pfautsch ist freie Kunsthistorikerin, Kuratorin und Dozentin. 2024 war sie Stipendiatin am Zentralinstitut für Kunstgeschichte und wurde für ihre Dissertation Ostkreuz – Agentur der Fotografen: Tracing the Legacy of the German Democratic Republic in Post-Socialist Photography and Exhibition Making mit dem Jutta-Held-Preis 2023 der Stiftung Kritische Kunst- und Kulturwissenschaft ausgezeichnet. Sie war Curatorial Fellow am Haus der Kunst in München (2022–23) und nahm am Programm Connecting Art Histories der Getty Foundation (2019–21) teil. Im Rahmen des f/stop Festival für Fotografie Leipzig 2027 kuratiert sie die Ausstellung Memory in Suspension für „f/stop LOKAL“.
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