Eliza Rudnicka: Positive Energie direkt aus der Oper

Eliza Rudnicka ist eine aus Polen stammende Künstlerin, die sich seit über zehn Jahren unter anderem auf der Bühne der Oper Leipzig als Mitglied des Opernchors künstlerisch verwirklicht. Neben dem Chor engagiert sie sich in kleineren musikalischen Projekten, wie zum Beispiel im Ensemble Femmetasie. Die Corona-Realität hat sie dazu inspiriert, sich selbst einer Herausforderung auf Facebook und Instagram zu stellen, in der sie für ihre Follower regelmäßig singt und sie somit zum positiven Denken motiviert. Ohne Musik und Sport kann sie sich ihr Leben nicht vorstellen. Über #MeinLeipzig und ihr Leben hier wird sie uns heute erzählen.

Eliza Rudnicka © Dirk Brzoska

Dein Leipzig und guter Kaffee?

Bei mir gibt es immer kurze Wege: Es hängt davon ab, wo ich gerade wohne, es muss auf dem Weg sein. Falls ich morgens und abends eine Probe habe und dann noch meinen Sport schaffen will, trinke ich meinen Kaffee unterwegs. Ich mag es, in der Innenstadt ein Käffchen zu trinken. Café Pushkin, Imperii und – wenn mich jemand einlädt – dann sage ich auch zum FALCO nicht nein (Ich bin normal, ja? lacht). Sehr gerne mag ich das Café Cantona – es ist zwar etwas abseits, aber es hat Flair. Sobald du das Café betrittst und die Tür hinter dir zumachst, wirst du sofort in eine andere Welt versetzt.

Dein Leipzig und Fahrrad?

Momentan bin ich stolze Besitzerin eines Citybikes, so dass ich es in der Stadt praktisch nutzen kann. Am weitesten bin ich mit meinen Freundinnen in Machern gewesen und meine regelmäßige Strecke ist Richtung Schladitzer Bucht. Dort finde ich meine Ruhe. Ich liebe Leipzig genau deswegen, weil man hier innerhalb von drei bis ach Kilometern die ganzen Seen und Parks erreichen kann. Alles ist so nah dran und kompakt. Könnte ich es, würde ich die ganze Stadt mit meinen Händen umarmen.

Dein Leipzig und Kultur?

Ich mag es sehr, Konzerte im Gewandhaus zu besuchen und Filme im Passage Kinos zu schauen. Aber wegen meiner Arbeit ist es für mich schwer abends rauszugehen. Manchmal habe ich einfach keine Kraft mehr. Und natürlich liebe ich es, mit meinen Freundinnen tanzen zu gehen, obwohl ich der Meinung bin, dass wir das viel zu selten machen!

Dein Leipzig und Architektur?

Mein Favorit ist die Grimmaische Straße – all die Schlupfwinkel und Passagen. Ich mag auch das Barfußgässchen. Aber immer, wenn ich da bin, ist es dort furchtbar windig. ;-) 

Wer ist momentan dein musikalischer Superstar?

Mein musikalisches Spektrum ist sehr breit. Musik und Text finden den Weg immer im passenden Moment zu mir – Klassik bis Elektro. Neulich – ich habe Angst, das überhaupt zuzugeben! – habe ich die neue Version der „Dynasty“ geschaut – ein gutes Detox für die Seele. „Dynasty“ hat mich zurück zum Lied „You Can’t Hurry Love“ von Phill Collins gebracht, was ich jetzt wieder leidenschaftlich höre. Ich bin verrückt, was Fernsehserien angeht. Alles was gut ist, schaue ich mir schnell an – auch im Englischen, woran ich immer noch arbeiten muss. Ebenso empfehle ich Gladys Knight. Was mir aktuell gute Energie gibt: „Brand New“ von Ben Rector. Von den älteren Künstlern sind es dann Melody Gardot, Eliane Elias, Nina Simone. Ich bin so dankbar, dass Musik in mein Leben gekommen ist. Und dafür, dass ich dieses Talent vom Universum bekommen habe. Ich kann singen, meine Stimme mit jemanden teilen, durch Musik und Text die Leute inspirieren. Seit Kurzem lasse ich mich selber von Musik inspirieren, um Gedichte zu schreiben. Seltsam, oder? Deswegen stelle ich mir mein Leben ohne Musik kaum vor.


Eliza, was hat dich nach Leipzig gebracht?

Ich bin schon seit fast 14 Jahren hier. Es passierte gleich nach dem Studium, als ich festgestellt habe, dass ich aus Polen ins Ausland ziehen will. Damals habe ich eine Frau kennengelernt, die Chorsänger für das Festival „Schlossfestspiele“ in Schwerin engagierte. Ich habe den Chorplatz bekommen und schon auf dem Weg dahin wusste ich, dass ich dort jemanden treffen werde. So war es auch: Der schicksalhafte Mann hat mir dann geholfen, hier in Deutschland Wurzeln zu schlagen. Dank ihm absolvierte ich einen Deutschkurs für Ausländer. Später ist es mir gelungen, die Arbeitsstelle im Leipziger Opernchor zu bekommen. Ich habe die Unterlagen abgegeben, bin zur Abhörung gegangen und schon am nächsten Tag konnte ich mich über die „Praktikantenstelle“ freuen. Nach einem halben Jahr wurde sie zu einer halben Stelle, nach zwei Jahren zur Vollzeitstelle. Aber zurück zur Frage: nach Deutschland bin ich einfach aus reiner Liebe gekommen.

Wie sieht die Arbeit einer Opernsängerin in Corona-Zeiten aus?

Seit Februar sind wir wieder im Homeoffice. Aktuell bleibt uns leider nichts anderes übrig. Wir bereiten uns fleißig auf „Wagner 2022“ vor. Dafür nutzen wir zuhause Noten und Tonaufnahmen, die uns das Lernen erleichtern. Theoretisch könnten wir es auch über Zoom probieren, aber das ist nicht das Gleiche wie live. Per Zoom würde ich wahrscheinlich nur mich und nicht die Kolleginnen hören. Aber genau darum geht es beim Chorsingen: Zusammen zu singen und dabei Einheitlichkeit durch Klang zu kreieren. Das Üben zu Hause ist anders – man muss sich disziplinieren und einfach „schuften“. Egal, ob du Wagner solo oder im Chor singst, man muss fit sein, um Wagner in die Stimmbänder zu bekommen und alles auswendig zu lernen.

Wie sieht das Üben in der Praxis aus?

Es hängt davon ab, wie schnell man lernt. Manche brauchen nur eine Stunde, andere sitzen stundenlang daran. Man fängt mit dem Aufwärmen an. Dabei musst du die Stimme mit speziellen Übungen warm machen. Dann setzt du dich ans Klavier und übst – entweder von Anfang bis Ende oder nur die schweren Parts. Du übst, bis es gut klingt und das Tempo stimmt. Üben kann man auch auf dem Sofa, indem man die Aufnahme hört. Für mich ist es weniger wichtig, wie viel Zeit ich für die Probe brauche, sondern wie effektiv ich arbeite. Es fordert sehr viel Konzentration, allein zu arbeiten. Da vermisse ich die Bühne schon sehr. Ich muss zugeben, dass ich mich sehr darauf freue, wieder zur Arbeit gehen zu können und mit meinen Freunden zu musizieren. Denn unsere Teamarbeit ähnelt manchmal einem Kindergarten (lacht). Es ist schon sehr lustig.

Neben dem Opernchor bist du auch Mitglied des neuentstandenen Leipziger Ensembles Femmetasie.

Ja, das ist ein neues Projekt der Opernchorsängerinnen und einer Pianistin. Im ersten Jahr waren wir zu sechst, jetzt versuchen wir es zu fünft. Wir singen Klassik, Jazz-Standards oder Pop-Hits im Rahmen kleiner a cappella-Konzerte. Wir wollen neben unserer Arbeit im Chor noch etwas Anderes machen. Als es noch ging, haben wir Konzerte veranstaltet. Das hat sehr viel Spaß gemacht. Neulich haben wir uns online beim Zoom getroffen. Das hat mir so einen Kick gegeben, dass ich beschlossen habe, wieder Aufnahmen für mein Instagram- und Facebook-Profil zu machen.

Genau, dein Projekt auf Instagram: Erzähle uns doch die Geschichte hinter „Antivirus ET“ – die  Geschichte, Corona mithilfe von Gesang, einer Papierkrone auf dem Kopf und einer Klopapierrolle als Mikrofon zu bekämpfen.

Ich muss zugeben, dass ich als junges Mädchen sehr schüchtern war. Heute bin ich, wer ich bin. Ich habe mir mein Selbstbewusstsein über die Jahre Stück für Stück antrainiert. Während (und irgendwie auch dank) Corona habe ich mir selbst eine Herausforderung gestellt: Ich wollte an 21 aufeinanderfolgenden Tagen jeden Tag einen kurzen Film auf meinem Instagram-Account posten. Unabhängig davon, wie ich mich an dem Tag fühle oder wie ich drauf bin, ich werde einfach singen. Jetzt bekomme ich gutes Feedback. Ich habe sogar einen Verehrer, der mich neulich gefragt hat, wie es mir geht und wann ich wieder neue Aufnahmen poste. Und Ende letzten Jahres habe ich eine wunderschöne Nachricht bekommen – voller Dankbarkeit dafür, was ich mache. Die Fans zählen auf mich! :-) Deshalb bin ich täglich motiviert zu singen – nicht nur Klassik, denn davon habe ich auf Arbeit mehr als genug. Ich freue mich, jemandem mit meiner Verrücktheit ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Es geht doch schließlich um positive Energie.

Vielen Dank für das Gespräch und wir freuen uns, dass du uns ein Stück der musikalischen Welt Leipzigs gezeigt hast.

Leipzig ist auch für mich das besagte „Klein-Paris“. Ich gebe zu, dass die Stadt einmalig ist. Viele junge Menschen kommen zum Studium hierher, viele Künstler finden sich hier wieder und entdecken hier ihre eigenen Orte. Diese Stadt hat eine wunderbare Energie. Es ist ein leuchtendes „Klein-Paris“, das man umarmen kann und wo jeder seinen Ort findet, um sich frei, fröhlich und wie zu Hause fühlen. Denn wo ist Zuhause? Dort, wo man das Gefühl hat, an der Quelle angelangt zu sein!


Interview: Irena Dudová. Sprachliche Unterstützung: Susi Wieschollek.

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2 Kommentare

  1. Seit November 2013 kenne und schätze ich Eliza Rudnicka,die als Kundin in meinen damaligen Vintage Laden > Gloria-Art in Klein Paris < kam und zu meinen engsten Freundinnen zählt. Die Begeisterung für Leipzig, die Eliza ausdrückt,ihre stimmliche Gesangseinlagen auf Instagram aber auch ihre Lust auf Kaffee in der City ,teilen w gemeinsam und ich wünsche Eliza weiterhin viel Erfolg ,Glück und Lebensfreude in Klein Paris, dass wie keine andere , die Stadt der schönen Künste ist.

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