Schwalbennestorgel im Paulinum

Orgel
Die Schwalbennestorgel der  Universität Leipzig  verdankt ihre  Entstehung  dem Engagement von Prof. Dr. Winfried Schrammek (†), der auf die Beschreibung der Paulinerorgel bei Michael Praetorius hinwies. In dessen „Syntagma musicum II“ von 1619 wird eine  Orgel  von ca. 1527 aufgeführt. Samuel Scheidt nahm dieses Instrument ab, welches von Ibach vermutlich überarbeitet wurde und wohl ältere Bestandteile aus einem Vorgängerinstrument enthalten hat. In seinem Gutachten heißt es „… der Tremulant, welcher nach aller Organisten bekenntniß ein vornehmes undt principalstücke im Wergk ist…“
Die Schwalbennestorgel wurde auf Grundlage der bei Praetorius erwähnten Disposition konzipiert.

Die Schwalbennestorgel gliedert sich in Oberwerk, Unterwerk, Brustwerk und Pedal auf zwei Manualen und Pedal. Das Messing Regall 8‘ des Brustwerks wird vom zweiten Klavier (Oberwerk) aus angespielt. Das Oberwerk reicht vom singenden Großprinzipal 16‘ im Prospekt bis zur 12-fachen Mixtur, in der noch das Konzept des spätmittelalterlichen Blockwerks gegenwärtig ist. Das Pedal übernimmt zwei Transmissionen aus dem Oberwerk (Großprinzipal 16‘ und Prinzipal 8‘) und fügt drei eigene Register hinzu (Posaune 16‘, Subbass 16‘; Cornet 2‘ als Klangkrone). Das Gehäuse schließt unter dem Unterwerk mit einem elegant geschwungenen Cul de Lampe ab. Hier finden sich die farbreichen Register Zimbeln 2-fach (mit häufigen, hochliegenden Repetitionen) und Klein Octävelein 1‘, die die vielfältig schimmernden Lückenregistrierungen der Renaissanceorgel ermöglichen.
Die Manual- und Pedalklaviaturen sind mit kurzer Oktave ausgeführt.
Die 12-fache Mixtur, ausgeführt ohne Repetitionen mit zunehmenden Chören auf 4’-Basis von 7-12-fach, war ein ebenso spannendes Projekt wie das “Groß blechen Kälber Regal”, für dessen Bauform es keine Überlieferung gab.
Die üppige Batterie der Effektregister lädt zu humorvollen und überraschenden Spielmöglichkeiten in Liturgie und Orgelliteratur ein.

Mit der neuen Metzler-Orgel wurde  in  der  sehr  vielfältigen  Leipziger  Orgellandschaft  eine  noch  immer bestehende  stilistische  Lücke  geschlossen: Als ein mit strahlend reinen Terzen konsequent  mitteltönig  gestimmtes  Instrument  mit  dem  für  die Renaissance-Orgel  typischen  Klangreichtum  ist  sie neben  ihren  liturgischen  Aufgaben  für die  Interpretation  von  Orgelmusik des 16. und  17.  Jahrhunderts  bestens  geeignet. Auch Musik der Spätgotik und in der Mitteltönigkeit darstellbare Werke des 18. Jahrhunderts oder zeitgenössische  Kompositionen und Improvisationen kommen hier bestens zur Geltung.
Das Instrument lag zwischen 2015 und 2021 in einer ersten Ausbaustufe vor, bestehend aus sieben klingenden Registern, Tremulant und Vogelsang. Im September 2021 wurde die Orgel mit 11 weiteren Registern vollendet. Ergebnis ist eine handwerklich, technisch und klanglich hervorragende Arbeit. Seitdem begeistert die Schwalbennestorgel durch die Reinheit ihres Klanges, ihre Spielfreudigkeit, die vielfätigen farbigen Registriermöglichkeiten und eine umfassende Kombinierbarkeit mit vokal-instrumentalen Konstellationen. In der Chorarbeit zeigt sich ein sehr positiver Effekt der Mitteltönigkeit auf die Intonation.

Disposition

OBERWERK
Großprinzipal 16' (im Prospekt) Prinzipal 8'
Oktave 4'
Rohrflöte 8' Quinta 3‘
Superoctava 2‘
Mixtur 7-12-fach Rauschpfeif-Zimbeln 2f.
Messing-Regall 8' in der Brust

UNTERWERK
Prinzipal 4' (im Prospekt) Grobgedackt 8’
Mittelgedackt 4’
Klein Octävelein 1’
Zimbeln 2f.
Groß blechen Kälber Regal 8‘

PEDAL
Großprinzipal 16' (Transmission OW)
Prinzipal 8' (Transmission OW)
Subbaß 16‘
Posaunen 16‘
Cornet 2‘

2 Zimbelsterne
Glockenrad (Tritt)
Tambour (Tritt)
Vogelsang
Tremulant

Koppeln UW-OW, UW-P, OW-P
Mitteltönige Temperatur(1/6 Komma)
Kurze Oktave
a1 = 465 Hz.
2 Schöpfbälge

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04103 Leipzig

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