Verborgenes Leipzig: ZierlichManierlich

Kennst du schon das kleinste Café Leipzigs? Das ZierlichManierlich ist gerade einmal acht Quadratmeter groß. Trotzdem finden in dem umfunktionierten Zirkuswagen am Richard-Wagner-Hain viele Leckereien in Bio-Qualität Platz. Vegane und glutenfreie Kuchen, Quiches, Tartes oder Paninis und dazu eine hausgemachte Limonade kannst du dir holen und dann in der Wiese mit Blick auf die weiße Elster genießen. Wir haben mit Betreiberin und Autorin Rebecca Maria Salentin gesprochen. Bei Verborgenes Leipzig verraten wir dir alles über den rollenden Imbiss, der den Richard-Wagner-Hain von April bis Oktober in eine große Chill-out Zone verwandelt.

Frau Salentin, wie sind Sie auf die Idee gekommen ein Café in einem alten Zirkuswagen zu eröffnen?

Rebecca Salentin und ihr Team versorgen die Besucher des Richard-Wagner-Hains mit Köstlichkeiten. ©Alexander Knobl
Rebecca Salentin und ihr Team versorgen die Besucher des Richard-Wagner-Hains mit Köstlichkeiten. ©Alexander Knobl

Ich wollte nicht nur schreiben, sondern habe bewusst ein zweites Standbein gesucht, das mir den Kontakt zur Außenwelt ermöglicht, denn ich bin ein sehr geselliger Mensch und für die Einsamkeit der Schreibstube nur bedingt gemacht. Seit 2009 teile ich mein Leben nun in eine Schreibsaison und eine Zierlich-Saison. Da das ZierlichManierlich aber mittlerweile sehr beliebt ist, arbeitet noch eine Horde netter Frauen dort. Es soll ein Gegenentwurf zur üblichen Imbissbude sein, denn auch, wenn es nicht so aussieht: laut Gewerbeschein ist ZierlichManierlich ein Imbiss. Mir war wichtig, dass es ein schöner Holz- und kein Blechwagen ist, dass das Angebot qualitativ hochwertig und der Service nett ist.

Der knallgrüne Wagen sieht wirklich toll und nach liebevoller Arbeit aus. Haben Sie den Wagen selbst gestaltet?

Rebecca Maria Salentin funktionierte kurzerhand einen alten Zirkuswagen in einen Imbiss um. ©Alexander Knobl
Rebecca Maria Salentin funktionierte kurzerhand einen alten Zirkuswagen in einen Imbiss um. ©Alexander Knobl

Ich habe den Wagen komplett entkernt und neu gestaltet. Zuvor stand er zehn Jahre in einem Garten und vegetierte vor sich hin. Innen habe ich alles raus gerissen, die Außenwände abgeschliffen, das Dach neu verzinkt. Ich hatte aber jede Menge fleißiger Helferlein, die bei Wind und Wetter mit angepackt haben und das ganz unentgeltlich.

Das ZierlichManierlich steht am Richard-Wagner-Hain. Warum gerade an diesem Ort?

Arbeitsplatz mit toller Aussicht: Das ZierlichManierlich befindet sich am Richard-Wagner-Hain. ©Alexander Knobl
Arbeitsplatz mit toller Aussicht: Das ZierlichManierlich befindet sich am Richard-Wagner-Hain. ©Alexander Knobl

Der Richard-Wagner-Hain lag auf meiner täglichen Radstrecke und ich fand, dass er ein toller Fleck Leipzigs ist, aber er wirkte immer etwas traurig und leer. Mir schien es der perfekte Platz für einen Imbiss der anderen Art.

Backen Sie Kuchen, Quiche und Co alleine?

Im ZierlichManierlich wird liebevoll selbst gebacken - auch vegan! ©Alexander Knobl
Im ZierlichManierlich wird liebevoll selbst gebacken – auch vegan! ©Alexander Knobl

Ja, wir backen alles selber. Wir werden einmal wöchentlich mit Obst und Gemüse aus biologischem Anbau beliefert und verwenden auch sonst ausschließlich Bio-Zutaten von einem regionalen Biohändler. Dort beziehen wir auch unsere Getränke, das Demeter-Eis und die Milch. Den Kaffee bekommen wir von der Leipziger Rösterei Brühbar.

Selbst backen, im ZierlichManierlich verkaufen und nebenbei noch die Arbeit als Autorin. Wie bekommen Sie Schriftsteller-Karriere, Café und Familie unter einen Hut?

Autorenkarriere und Café strikt trennen: Das ist das Erfolgsgeheimnis von Rebecca Maria Salentin. ©Alexander Knobl
Autorenkarriere und Café strikt trennen: Das ist das Erfolgsgeheimnis von Rebecca Maria Salentin. ©Alexander Knobl

Das geht nur, indem ich meine beiden Selbstständigkeiten strikt voneinander trenne: von April bis Oktober dreht sich alles nur ums Zierlich und im Winter ziehe ich mich zum Schreiben zurück. Ich finde aber, dass beide Berufe sehr familienfreundlich sind, denn meine Kinder können mich am ZierlichManierlich immer auf ein Eis besuchen und im Winter arbeite ich Zuhause.

Wird es in Zukunft noch mehr knallgrüne Wagen mit Leckereien von Ihnen in Leipzig geben?

Der Wagen am Richard-Wagner-Hain bleibt einzigartig. Die Betreiberin plant keine weiteren Imbissbuden zu eröffnen. ©Andreas Schmidt
Der Wagen am Richard-Wagner-Hain bleibt einzigartig. Die Betreiberin plant keine weiteren Imbissbuden zu eröffnen. ©Andreas Schmidt

Leider nein. Das Konzept der sich gegenseitig ergänzenden Standbeine funktioniert nur, wenn beiden genug Raum gelassen wird. Sollte eins von beiden weiter wachsen, würde das andere darunter nur leiden und dazu ist mir beides zu wichtig.

Wer ist Rebecca Maria Salentin?

Die Autorin Rebecca Maria Salentin lebt und arbeitet mit ihren zwei Kindern in Leipzig. ©Rebecca Maria Salentin
Die Autorin Rebecca Maria Salentin lebt und arbeitet mit ihren zwei Kindern in Leipzig. ©Rebecca Maria Salentin

Rebecca Maria Salentin wurde 1979 in der Eifel geboren. Nach Leipzig kam sie, um am Literaturinstitut zu studieren. Angenommen wurde sie nie. „Zum Glück!“, denkt sie heute. „Denn sonst gäbe es wohl weder das ZierlichManierlich, noch wären meine Bücher so unbedarft entstanden.“ Autorin ist sie trotzdem geworden. Dieses Jahr hat sie ihr zweites Buch „Schuld war Elvis“, ein Familienroman über drei Generationen, veröffentlicht. Die Wahl-Leipzigerin liebt es an ihrem eigenen Sommercafé vorbei zum See zu radeln. „Das Tolle an Leipzig ist ja, das man – egal wo man gerade ist – ganz fix im Grünen ist.“

Vielen Dank an Rebecca Maria Salentin für das Gespräch.

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