50 Kilometer – 2 Räder – 1 Fluss: Unterwegs am Mulderadweg

1000 Jahre Geschichte an 100 Flußkilometern, Burgenromantik mit ganz eigenwilligem Charme und reizvolle Heidelandschaften. Das alles vereint der Mulderadweg zwischen Dessau, Zwickau und Freiberg. Unser fahrradbegeisterter Kollege Alex vom Team der Region Leipzig war am Mulderadweg unterwegs und schildert uns seine Eindrücke.

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Hier gibt’s ruhige Wege für eine Radtour. ©Alexander Klich

„Glück ist, wenn Vorbereitung auf Gelegenheit trifft“, denke ich mir, als mir das genaue Gegenteil widerfährt und mein Zug nach einem ohnehin chaotischen Tageseinstand vor der Nase wegfährt. Doch der Reihe nach: Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, am vermutlich letzten richtig warmem Tag im Jahr eine Fahrradtour zu fahren. Los gehen sollte es nach einer kurzen Zugfahrt in Eilenburg, um von dort über Bad Düben nach Bitterfeld den Mulderadweg entlang zu radeln. Wie gesagt, eigentlich. Denn zuerst muss ich feststellen, dass mein Fahrrad aus unerfindlichen Gründen einen Platten hat, der sich auch aufgrund chronischen Zeitmangels nicht beheben lässt. Also organisiere ich mir unter Zeitdruck ein Gefährt, hetze bei fast 30 °C durch die Stadt und stehe schlussendlich – komplett durchgeschwitzt -am Zug, dem ich gerade noch hinterher winken kann.

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Am Beginn steht die Bahnfahrt zum Ausgangspunkt der Radtour. ©Alexander Klich

Irgendwann sitze ich dann doch noch im Zug nach Eilenburg und bin nach meiner Ankunft erst mal überrascht. Am Bahnhof begrüßt mich eine moderne Fahrradbox mit mehr als 100 Stellplätzen, die Innenstadt ist lebendig, auf dem Wochenmarkt herrscht reges Treiben, alles wirkt aufgeräumt und durchsetzt von Grünstreifen und Parkanlangen – und durch die Mitte des westlichen und des östlichen Stadtteils zieht sich wie ein blaues Band die Mulde.

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Der Blick auf die Mulde begleitet den Radfahrer die ganze Strecke. ©Alexander Klich

Ich bin also endlich an meinem Ausgangspunkt angekommen. Deshalb lege ich Gewicht in die Pedale, denn vor mir liegen mehr als 50 Kilometer Weg. Nachdem ich den Einstieg auf dem bestens ausgeschilderten Abschnitt ohne Probleme finde, lasse ich zunächst eine größere Siedlung im Reihenhausstil mit Blockrandbebauung und später einige gewerbliche Ausläufer am Stadtrand hinter mir, bevor ich den ersten separaten Radweg erreiche. Der verläuft recht nah parallel zur Mulde und wird geschützt von zahlreichen hochgewachsenen Birken, die in der ausgehenden Mittagshitze wohligen Schatten spenden. Vom Gewässer selbst weht eine kühle Brise her und es sind auffällig viele Vögel am Himmel unterwegs – ein Anzeichen der rund um Eilenburg ausgewiesenen Vogelschutzgebiete, die unter anderem vom Aussterben bedrohte oder andere seltene Arten wie den Eisvogel, den Fischadler oder auch etliche Weißstörche beherbergen.
Nachdem ich die winzigen Ortschaften Mensdorf und Mörtitz ohne anzuhalten hinter mir lasse, stoße ich nach etwa 5 Kilometern auf das Dorf Gruna. Der Ort hat eine bewegte Verbindung zur Mulde: 2002 wurde Gruna vom sogenannten „Jahrhunderthochwasser“ schwer getroffen – nur um im Jahr 2013 von der nächsten Flutwelle mit verheerenden Schäden heimgesucht zu werden. Die Folgen davon sind noch heute sichtbar. So wird derzeit beispielsweise immer noch die Grunaer Dorf- und Radfahrerkirche – eine der wenigen Radfahrerkirchen in Deutschland – aufgrund der Flutfolgen restauriert.

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Langsam werden die letzten Zeichen der Flut beseitigt. ©Alexander Klich

Auch ein Mahnmal in der Nähe des Wendenturms erinnert an die einfallenden Wassermassen. Doch noch ein anderer Grund zwingt mich hier zum Absteigen: Die Mulde kann an dieser Stelle nur mit Fährbetrieb überquert werden. Also drücke ich den Klingelknopf am Fährhaus, der einen stumpfen Sirenenton im 100 Meter entfernten Dorf auslöst, einen Moment später kommt der Fährmann angestapft und setzt mich und meinen Drahtesel zum anderen Muldeufer über. Wir schwatzen angeregt, ich bedanke mich artig, zahle ihm 1,50 € und lasse die Pedale knacken.

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Für die Überfahrt muss man mal kurz vom Drahtesel absteigen. ©Alexander Klich

Die Landschaft verändert sich ab hier zusehends: nun linksseitig der Mulde fahrend, kreuze ich zunächst kleinere Waldabschnitte, die später in eine weitläufige Aue übergehen. Durch das Mäandrieren des Flusses bilden sich hier auf engem Gebiet zahlreiche Flussschlingen, die weit ausladend die Landschaft kreuzen und den Boden mit Wasser durchsetzen, was im Frühling und Sommer zu einer unbeschreiblichen Fülle an Blumen und damit verbunden Farben und Düften auf den angrenzenden Wiesen führt. Diese Muldenaue geht bei Bad Düben nahtlos in die Dübener Heide über, was mein nächstes Ziel ist.

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Hier kann man ruhig eine kurze Pause einlegen und die Landschaft auf sich wirken lassen. ©Alexander Klich

Im Kurort angekommen, besuche ich zunächst die Burg Düben und lasse meinen Blick vom Burgsockel weit in die Heideandschaft hinein schweifen. Von dort aus geht es zurück auf den Radweg. Die folgenden 5 Kilometer sind von beeindruckendem Minimalismus geprägt, das Landschaftsbild fächert sich diagonal in 5 gleichförmig und stetig wiederholende Farbtöne: Unter mir der graue Weg, daneben das Grün des Wiesenrandes und das Braun des Feldes, dahinter das ferne Schwarz des Waldrandes, darüber das unendlich weite Blau des Himmels, vom Fluss keine Spur. Die Nachmittagssonne knallt, ich bin eins mit der stetigen Vorwärtsbewegung und dem Rauschen des Kieses unter meinen Reifen – und kann mich nicht entsinnen, wann ich mich das letzte Mal so frei gefühlt habe. Kurz darauf wird meine Fahrt jedoch jäh gestoppt: Eine Baustelle verhindert die Weiterfahrt. Also geht es auf die ausgeschilderte Umleitungsstrecke ganz nah am Fluss entlang.

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Ganz ruhig liegt der Fluss da. ©Alexander Klich

Der Umweg leitet mich geradewegs nach Roitzschjora, jenem Ort, in dessen Nähe jährlich das With Full Force, eines der größten Festivals in der Region Leipzig, stattfindet. Von lärmenden E-Gitarren ist hier aber natürlich nichts zu merken, im Gegenteil: ich kreuze einige Kleingartensiedlungen und ein großes Sonnenblumenfeld und genieße die spätsommerliche Stille. Hinter Löbnitz schließlich wechselt die Umleitung plötzlich auf die Staatsstraße 12, was mich zwingt, durchzufahren. Auf Asphalt und im regulären Straßenverkehr ist das Fahrgefühl ein ganz anderes. Ich fahre wie der Teufel und habe unmerklich bereits die Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt überquert, als ich endlich an meiner letzten Etappe ankomme, die Mulde hinter mir lasse und auf ein anderes Gewässer zusteuere. Nach einem kleinen Abzweig auf einen Radweg reißt in der frühabendlichen Sonne plötzlich der Horizont vor mir auf und das Himmelsblau vermischt sich übergangslos mit dem schillernden Funkeln des großen Goitzschesees.

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Der Groitzschesee gehört zum Bitterfelder Bergbaurevier. ©Alxander Klich

Der See ist Teil der Bitterfelder Seenlandschaft und ähnlich dem Leipziger Neuseenland Bestandteil einer Tagebaufolgelandschaft. Hier entsteht seit einigen Jahren ein Naherholungsgebiet, das schon jetzt regen Zuspruch verzeichnen kann: so tummeln sich am Strand kleine Teenagergrüppchen, die zu ausladenden HipHop-Sounds die letzten warmen Momente genießen, Familien werfen durch die bereits tief stehende Sonne lange Schatten auf ihren Abendspaziergängen und Bootsanleger vertäuen ihre Gefährte an den Molen, um sie für den nun bevorstehenden Herbst wetterfest zu machen.

Mit der Abendsonne geht auch die Fahrradtour zu Ende. ©Alexander Klich
Mit der Abendsonne geht auch die Fahrradtour zu Ende. ©Alexander Klich

Ich lasse 50 Kilometer Mulderadweg indessen hinter mir und rolle gemächlich in Richtung Bahnhof. „Glück ist, wenn Fahrradtour auf Gelegenheit trifft.“ Auch ohne Vorbereitung.

Die schönsten Highlights vom Mulderadweg gibt’s im Video

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Posted by: Leipzig Travel Team
Hier bloggt das Online-Team von Leipzig Travel. Gemeinsam zeigen wir, wie umwerfend, warmherzig, offen und mitreißend Leipzig ist. Für den einen bekommt Leipzig den Beinamen Hypezig, für den anderen ist es das bessere Berlin. Wir wissen: Leipzig ist einmalig. Mit unseren gemeinsamen Erfahrungen und Erlebnissen bekommst du von uns die geballte Leipzig-Power und natürlich ganz viel Leipzig-Liebe auf dem Silbertablett serviert.

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