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Architektur der Gründerzeit

Geschichte der Gründerzeit in Leipzig

Gebäudefassade im Stil der Gründerzeit, Architektur in Leipzig
Gründerzeit-Architektur in Leipzig © Andreas Schmidt

Denkmalhauptstadt Leipzig

Leipzig ist mit über 15.000 Kulturdenkmälern - darunter 80 Prozent Gründerzeithäusern - Deutschlands Denkmalhauptstadt und besitzt den quantitativ und qualitativ größten Reichtum an Bauten der Gründerzeit und des Jugendstils. Dieser architektonische Reichtum liegt im erstaunlichen Wachstum der Stadt zwischen 1871 und 1914 begründet, bei dem die Einwohnerzahl von ca. 100.000 auf ca. 625.000 anwuchs. Im daraus resultierenden Bauboom entstanden neben ausgedehnten Wohngebieten und Villenvierteln auch eine völlig neue Infrastruktur: Rathäuser, Postämter, Banken und Krankenhäuser. 

Zu den architektonischen Leitbauten dieser Zeit gehören u.a. das Neue Rathaus, das ehemalige Reichsgericht und die Universitätsbibliothek. Der Aufschwung der Großindustrie setzte um 1865 ein, nachdem 1861 die Zunftordnung abgeschafft und in Sachsen 1862 die Gewerbefreiheit eingeführt worden war. Große Impulse zur Industrialisierung gingen von Privatpersonen und Aktiengesellschaften aus.

Wohnungsbau-Entwicklung

Mit den Zuwanderungsströmen durch die Industrialisierung stieg die Nachfrage nach Wohnungen. Die Antwort der Gründerzeit darauf waren einheitliche Bebauungspläne und privatwirtschaftlicher Mietshausbau. Eine soziale Durchmischung der neu entstehenden Wohnviertel wurde garantiert, indem man in den Vorderhäusern Ladengeschosse und Kaufmannswohnungen einrichtete, in den Obergeschossen Wohnungen für Angestellte sowie in den Hinterhöfen Arbeiterquartiere. Die Gesetzgebung von 1889 machte es für Versicherungen attraktiv, in Genossenschaften zu investieren. Bis 1929 gab es ca. 30 Baugenossenschaften. 

Nach dem 1. Weltkrieg entstanden kleine, funktionale Wohnungen, einheitlich große Gebäudekomplexe sowie Gemeinschaftseinrichtungen wie Waschhäuser und Grünanlagen. Glücklicherweise brachte der 2. Weltkrieg Leipzig nicht so große Zerstörungen wie anderen Großstädten, so dass viele der prächtigen Bauten erhalten blieben.

Architektur der Gründerzeit

Waldstraßenviertel, Gründerzeit, Architektur in Leipzig
Waldstraßenviertel - Waldstraße © Andreas Schmidt

Ein schillerndes Beispiel für den meisterhaften Wohnungsbau in der Zeit des Leipziger Historismus ist das Waldstraßenviertel, nordwestlich der Innenstadt. Der Name des Waldstraßenviertels ergibt sich aus der Lage – es befindet sich zu beiden Seiten der Waldstraße. Durch die Nähe zum Rosental war das Waldstraßenviertel als Bauplatz für die Wohnungen des reichen Bürgertums besonders beliebt.

Die geschmackvollen Bauten des Spätklassizismus, des Historismus und des Jugendstils prägen bis heute das Bild des Waldstraßenviertels. Beonders beeindruckend sind die  üppig dekorierten Straßenfassaden, die zahlreich erhaltenen und erneuerten Dekorationen, die Ausmalungen der Hausflure und Empfangshallen. Rund 550 Häuser gehören zum Waldstraßenviertel, die meisten von ihnen stehen unter Denkmalschutz.

Villen in der Karl-Tauchnitz-Straße © Andreas Schmidt

Das Musikviertel befindet sich südwestlich der Innenstadt. Der Name bezieht sich auf die im Stadtteil errichteten Musikinstitutionen des zweiten Gewandhauses (1884) und des Königlichen Konservatoriums für Musik (1887). Zahlreiche Straßen des Viertels wurden nach Komponisten benannt.

Der repräsentative Stadtteil entstand auf der Grundlage eines Bebauungsplans von 1880 und wird von großartigen Bauten des Historismus geprägt, darunter die Bibliotheca Albertina, das frühere Reichsgericht und die Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Weiterhin wurden Wohnungen für das wohlhabende Bürgertum errichtet.

Architektonisch beeindruckend sind das Roßbach-Haus, das 1892/93 nach einem Entwurf von Arwed Roßbach entstand sowie die Villen in der Karl-Tauchnitz-Straße, in der noch 13 von 32 Villen erhalten sind. Die Villengrundstücke waren großzügig geplant und boten Platz für Vorgärten und Remisen. Durch die Nähe des Viertels zum Clara-Zetkin-Park und zum Auenwald bietet es beste Wohnbedingungen.

August-Bebel-Straße 2 © Andreas Schmidt

Der Ortsteil Südvorstadt erstreckt sich zwischen der Innenstadt und dem Stadtteil Connewitz. Aufgrund seiner Nähe zum Zentrum und zur Szenemeile Karl-Liebknecht-Straße wird er von jungen Leuten bevorzugt. Das großzügig angelegte Wohngebiet besitzt einen großen Bestand an Bauten des Historismus und des Jugendstils.

Neben der Karl-Liebknecht-Straße und der parallel verlaufenden Kochstraße ragt städtebaulich besonders die August-Bebel-Straße heraus. Diese wurde nach 1870 als 34 Meter breite Allee zwischen Richard-Lehmann-Straße und Mahlmannstraße konzipiert und gilt als eine der prächtigsten Wohnstraßen Leipzigs. Viele villenartige Mietshäuser mit beschaulichen Vorgärten sind erhalten. Läden ließ man in der Straße nicht zu.

Der von Bäumen gesäumte Mittelweg war ursprünglich als Reitweg geplant und lädt heute zum Verweilen ein. Sehenswert ist auch das Café Grundmann in der August-Bebel-Straße 2 mit seiner original erhaltenen Art-déco-Ausstattung von 1930 (Wohnhaus von 1880).

Blick von der Lenné-Anlage © Andreas Schmidt

Die an die Petersstraße angrenzende Schillerstraße gilt als eine Prachtstraße des Leipziger Historismus. Architektonisch beeindruckend sind die Wohn- und Geschäftshäuser Schillerstraße 3 bis 6, die in der Zeit zwischen 1861 und 1863 in geschlossener Bebauung errichtet wurden.

Charakteristische Details an den Häusern sind Rundbogenfenster, Natursteinverkleidungen, Relieffriese und gerade Dachabschlüsse. Gegenüber dem Gebäudeensemble befindet sich eine vom preußischen Gartenkünstler Peter Joseph Lenné entworfene Grünanlage, die anlässlich des 100. Geburtstags von Friedrich Schiller am 10. November 1859 übergeben wurde.

In der Lenné-Anlage befindet sich das Schillerdenkmal, das 1914 vom Leipziger Bildhauer Johannes Hartmann in weißem Laaser Marmor geschaffen wurde. An der Säule mit der Büste Schillers lehnen die Symbolfiguren Erhabenheit und Tragik. Die Lenné-Anlage, von den Leipzigern auch Schillerpark genannt, wird vor allem von Studenten als Oase inmitten der quirligen Innenstadt geschätzt.

© Andreas Schmidt

Der in der Nähe des Zoos gelegene Nordplatz mit seinem eindrucksvollen Historienensemble gilt als einer der schönsten Platzgestaltungen aus der Wilhelminischen Zeit (1890-1918). An der Schnittstelle mehrerer Sichtachsen befindet sich die Michaeliskirche, die dem Erzengel Michael gewidmet ist. Die evangelische Kirche wurde nach Entwürfen der Leipziger Architekten Heinrich Rust und Alfred Müller erbaut und 1904 geweiht. Signifikant ist der rund 70 Meter hohe Kirchturm.

Den Auftakt zur Bebauung des Platzes bildete das 1888 bis 1890 im neobarocken Stil errichtete Wohnhaus Nordplatz 1. Es ist gleichzeitig der Endpunkt der Nordstraße, die vom Stadtzentrum zum Nordplatz führt.

Weitere prächtige Bauten des Historismus schließen sich an, darunter das im Stil der Neorenaissance erbaute Wohnhaus Nordstraße 2 sowie das 1904/05 errichtete Eckgebäude Nordplatz 3. Letzteres bildet architektonisch den Übergang zur Jugendstilfassade des Pfarramtes (Nordplatz 4), das eine außergewöhnliche Eingangstür ziert.