#MeinLeipzig: Ein Traum für Fotografen

Genau 10 Jahre ist es nun her, dass ich in diese Stadt gezogen bin.

Im September 2009, zum Ende meiner Ausbildung, hatte ich die Wahl, ins Vogtland oder nach Leipzig zu ziehen. Nichts gegen das Vogtland, aber klar, dass ich da nicht lange überlegen musste. Zumal Leipzig auch näher an meiner alten Heimat Torgau liegt und der Umzug übers Wochenende ins Vogtland schon etwas schwierig geworden wäre.

Blick vom Strand am Cospudner See auf den Sonnenuntergang und die Segelboote am Hafen.
Der Cospudener See (Cossi) liegt vor den Toren der Stadt. © Strohhut Pictures

Meine neue „Hood“ sollte also der Leipziger Westen werden. Kleinzschocher/ Plagwitz um genau zu sein. Ich kannte mich zwar noch nicht gut in der Stadt aus, aber die Lage schien perfekt zu sein. Relativ ruhig gelegen und mit dem Rad kann man in einer viertel Stunde jeweils zum Cossi oder auch ins Zentrum fahren. Genau so habe ich mir das vorgestellt. In diese Gegend habe ich mich sofort verliebt und bereue es bis heute nicht, hier her gezogen zu sein.

Vor 10 Jahren war Leipzig allerdings noch anders. Der große Hype war noch nicht im Gange und viele der wunderschönen Altbauten standen leer oder waren noch unsaniert. Gerade in Plagwitz gab es an jeder Ecke verlassene Industriebauten aus DDR – Zeiten.  Allein in „meinem“ Straßenzug waren gerade einmal 3 Häuser saniert und bewohnt.  Dennoch tummelten sich bereits viele alternative und kreative Köpfe im Leipziger Westen, die das Bild des Viertels prägten.

Für mich, der gerade anfing, sich mit der Fotografie zu beschäftigen, war es wahnsinnig spannend all diese Lost Places zu fotografieren und die Geschichte dahinter herauszufinden. Da gab es z.B. die alten Speicher am Lindenauer Hafen, den Bowlingtreff am Wilhelm-Leuschner Platz oder die Alte Hauptpost direkt am Augustusplatz, um nur mal ein paar zu nennen. Am Ende einer jeden Fototour wartete der Blick von einem der Dächer über Leipzig als Highlight auf mich.

Blick bei Dunkelheit über die Dächer von Leipzig auf die Kuppe des Bundesverwaltungsgerichts, auf das Neue Rathaus und auf das City-Hochhaus.
Die Ausblicke „Über den Dächern“ sind unbezahlbar! © Strohhut Pictures

So fing ich an meine Serie „Über den Dächern von Leipzig“ aufzunehmen. Mit der Zeit änderte sich das Stadtbild. Die Altbauten wurden saniert und die Industriebrachen wurden abgerissen oder zu Lofts umgebaut. Leipzig blühte auf. Heute ist Leipzig die am schnellsten wachsende Stadt Deutschlands und kann sich wirklich sehen lassen. Gerade der Leipziger Westen lädt mit seinen Wasserwegen wie dem Karl-Heine Kanal oder der Weißen Elster zu ausgiebigen Kanu-Touren ein und hat mit der Baumwollspinnerei, dem Kunstkraftwerk, dem Tapetenwerk und den vielen kleinen Geschäften auf der Karl-Heine Straße sein alternatives und künstlerisches Flair beibehalten.

Blick von der Plattform des City-Hochhauses bei nach Sonnenuntergang über Leipzig wenn die Lichter der Stadt anfangen zu leuchten.
Vom Panorama Tower kannst du nach Sonnenuntergang das goldene Netz aus Straßen erblicken! © Strohhut Pictures

Wenn Freunde mich besuchen, ist der Besuch des Panorama Tower, oder Uniriesen, wie wir Leipziger ihn nennen, Pflicht. Aus 120 Meter hat man den besten Blick über die ganze Stadt und kann dort oben herrlich fotografieren. Mein Tipp ist zum Sonnenuntergang die Aussichtsplattform in der 31. Etage zu besuchen und nach Sonnenuntergang noch eine halbe Stunde zu warten. Wenn die Lichter der Stadt dann langsam erscheinen, funkelt Leipzig geradezu.

Das Völkerschlachtdenkmal erstrahlt im Dunkeln und spiegelt sich im See der Tränen.
Durch die Spiegelung im See der Tränen wirkt das Völkerschlachtdenkmal noch monumentaler. © Strohhut Pictures

Ein weiteres „Must see“ ist das Völkerschlachtdenkmal im Südosten der Stadt. Auch hier lohnt sich der Aufstieg und der anschließende Besuch des Museums. Abends, wenn nur noch die Jogger ihre Runden auf dem Vorplatz des „Völkis“ drehen und sich das strahlende Bauwerk im Wasser des „Sees der Tränen“ spiegelt, kommt seine monumentale Größe und Schönheit erst richtig zur Geltung. Der See symbolisiert die Tränen der Völker, die um die Gefallenen der Schlacht im Jahre 1813 trauerten.

Auch sonst hat Leipzig unheimlich viel zu bieten und ist gerade für Fotografen ein absoluter Traum. Überall gibt es etwas zu entdecken und neue Motive findet man an fast jeder Ecke.

Nachdem ich nun 1/3 meines Lebens in dieser Stadt verbracht habe, ist sie für mich zu meiner Heimat geworden. Wenn ich nicht gerade auf Reisen bin, trifft man mich stets in der Stadt beim Fotografieren oder in einem der vielen Leipziger Parks einfach nur am chillen.

Die warme Abendsonne scheint durch die Karl-Heine-Straße auf der Autos fahren und parken.
Die Karl-Heine-Straße in Plagwitz ist ein Treffpunkt für kreative Menschen. © Strohhut Pictures

Wenn man mich fragt, was ich an Leipzig am meisten liebe, dann sind das ganz klar die Menschen.

Weltoffenheit und Toleranz anderen gegenüber ist bei den vielen jungen Leuten, welche das Gesicht der Stadt prägen, eine Selbstverständlichkeit und wird gelebt. Auch Freunde und Kollegen wie der Fotograf Martin Neuhof setzen sich offen gegen Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit ein und viele kreative Künstler bereichern uns auf unterschiedlichste Weise mit ihren Werken.

Das alles macht Leipzig für mich so lebenswert und zu meiner Wahlheimat.

Viele Hände von verschiedenen Menschen umfassen gemeinsam eine Spiegelreflexkamera.
Beim Schichtwechsel 2.0 kannst du die Werke von Leipziger Fotografen bestaunen. © Tom Thiele

Falls ihr mich mal treffen wollt, habt ihr demnächst gleich 2 mal die Chance dazu. Am 27. September lade ich euch ab 18:30 Uhr ins Tapetenwerk zur Vernissage der „Schichtwechsel 2.0“ Ausstellung ein, bei der ich gemeinsam mit 9 weiteren Fotografen übers Wochenende (Sa-So 13-18 Uhr) einige Bilder präsentiere. Weiterhin könnt ihr mich am 02. November zum „Tag des kreativen Hofes“ auf dem Felgentreff-Hof in Leipzig-Miltitz antreffen.

Auf bald in Leipzig!

Foto: Danny Jüngling (Fotografin: Katrin Lorenz)Danny Jüngling, Fotograf (Foto von Katrin Lorenz)

Danny Jüngling lebt und arbeitet als Fotograf in Leipzig. Neben dem Fotografieren seiner Heimatstadt verbringt er am liebsten jede freie Minute mit dem Bereisen und Fotografieren ferner Länder und dem Kennenlernen neuer Orte und Menschen. Dennoch freut es ihn jedes mal wieder auf´s Neue, in „sein“ Leipzig zurück zu kehren.

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