#MeinLeipzig: Eine kleine Weltreise

Ich wohne im Osten von Leipzig, in „Danger Crottendorf“ um genau zu sein und ich gehe gerne ins Theater. Leute, denen ich Leipzig zeigen möchte, nehme ich oft mit. Denn dem Theater liegt eine gewisse Magie inne, etwas komplett Neues zu entdecken. Was sich wunderbar aufs Leben überträgt. Deswegen mache ich mit Freunden, Freundinnen und Besuch meist einen Ausflug in den Westen.

Theater ist die szenische Darstellung eines Geschehens zwischen Akteuren und Publikum.

Bevor wir uns auf die kleine Weltreise machen, führe ich sie gerne zur alten Fabrik, die Polygraph-Halle der früheren Maschinenfabrik von Karl Krause. Als ich diese zum ersten Mal selbst entdeckt habe, war ich mächtig stolz. Und ich gehe trotzdem noch gerne hin, auch nachdem ich bemerkt habe, dass mittlerweile wohl jeder schon mal da war. Wenn man von der Zweinaundorferstr. kommt, kann man durch das kleine Birkenwäldchen spazieren und mysteriöse Bauten finden. Die Treppe, die näher an den Schienen ist, führt hoch hinauf zum Turm mit anstrengend romantischer Aussicht über Leipzig. Da kann man dann im Kreis laufen, der Höhenangst trotzen und googlen, was dort früher mal produziert wurde.

Ich leihe mir meistens von meinen Mitbewohnern ein zweites Fahrrad, dann schieben wir es erst einmal die Straße runter, über die Kreuzung und machen eine Pause im Café Bubu. Dort gibt es hervorragende vegane Kuchen und Cappuccino mit Hafermilch – und von Zeit zu Zeit abends auch Konzerte.

Entspannung gibt es zwischen grüner Natur und alter Industrie im Lene-Voigt-Park. © Philipp Kirschner

Ich persönlich fahre gerne kleine Umwege, um den stinkenden Autos zu entfliehen. Deswegen führt mich der Weg immer durch den Lene-Voigt-Park, wo es seit neustem auch Kaffee mitten auf der Wiese und ein urbanes Wohnzimmer gibt. Hippes Leipzig, du! Direkt neben dem Lene-Park in der Josephinenstraße kaufe ich seit neuestem übrigens meine Lebensmittel unverpackt im Locker and Lose ein. Das macht mich jedes Mal aufs Neue glücklich. Manchmal hole ich mir da auch einen Kaffee und lege mich damit in den Park.

Zehn Minuten später, vorbei an der Bibliothek Albertina und der Sachsenbrücke fahren wir durch den Clara-Park, der allen bekannt ist und dennoch erwähnt werden muss. Mit all den vielen großen, ehrwürdigen Bäumen, weiten Wiesen und Wiesenblumen. Kein Wunder, dass die Wanderimkerei von Zeit zu Zeit ihre Kästen aufstellt. Schließlich biegen wir links in die Könneritzstraße ab. Ein klitzekleiner Umweg. Aber für einen Stopp bei Tonis organic icecream lohnt sich das definitiv. Eine Kugel Zitrone-Basilikum, bitte! Alle Eissorten sind vegan und glutenfrei, liebe Leude von heude! Die Straße runter befindet sich übrigens ein uriger Bioladen namens Lebensart Naturkost, wo es den Honig von der Biene, die ihr vor fünf Minuten im Clara-Park beim bestäuben bestaunt habt, zu kaufen gibt.

Das leckerste Eis der Stadt gibt’s im TONIS.

Dann geht es wieder die hoch und links über die schönste Brücke Leipzigs – die Könneritzbrücke. Vorbei an den tollsten Balkonen, die von Blumen nur so triefen, gar überquellen, über kanufahrende Menschen hinweg Richtung Schleichweg, der uns direkt an den Kanal führt.

Wenn man am Kanal entlang fährt, kommt man praktisch bei der Baumwollspinnerei heraus. Es sei denn, man macht vorher noch einen Abstecher zur Karl-Heine-Straße. Kurz in der Buchhandlung des Vertrauens Drift nach einem guten Schmöker stöbern oder bei Kazimir alte Klamotten neu erwerben. Oder man fährt beim Heiter bis Wolkig vorbei. Da war ich bis jetzt erst einmal, aber es ist mir in besonderer Erinnerung geblieben. Abenteuerspielplatz für Kinder, ein Gemeinschaftsgarten zum Neidischwerden, Sand, Kuchen, Natur, Liegestühle.

Das Freiluft-Café heiter bis wolkig am Bürgerbahnhof in Plagwitz. © Martin Pelzl

Das Gelände der Alten Baumwollspinnerei ist ein wahrer Augenschmaus. Brach gelegene Bahnschienen, die schon so Manchem auf dem Fahrrad zum Hindernis wurden, erinnern an eine andere Zeit, wo hier Arbeiter ein und aus gingen. Das ist leider längst passe. Geblieben ist jedoch der Sinn für Kreativität. Mir persönlich schweben Erinnerungen der vergangenen Rundgänge durch den Kopf, wo ich in Räumen des Kollektives Phyllis Johnson durch Konfetti gejagt bin, Waffeln gegessen und mir neue Kunst in den Galerien wie etwa der Halle 14 angesehen habe. Aber auch lauschige Abende im Luru Kino, welches auch ein ganz vorzügliches Open Air-Programm liefert, sowie Theater in der Residenz des Schauspiels, sind mir in guter Erinnerung geblieben.

Die neue Spielstätte des LOFFT auf dem Gelände der Spinnerei. © Tom Dachs

Als ich vor eineinhalb Jahren nach Leipzig gezogen bin, bin ich durch Zufall in den alten Räumen vom LOFFT- DAS THEATER gelandet. Damals noch am Lindenauer Markt befinden sich die neuen Räume des Leipziger OFF-Theaters in Halle 7 auf dem Gelände. Witziger Weise habe ich mir damals eine Produktion angesehen, welche knapp ein Jahr später den Bewegungskunstpreis gewonnen hat. Seitdem bin ich zahllos vom Osten in den Westen geradelt und habe weitere Produktionen gesehen, die von zeitgenössischem Tanz, Performances über Theater gestrahlt haben.

Das coole am LOFFT ist, dass das Haus kein festes Ensemble hat, sondern wechselnde Produktionen, mal aus Leipzig zum Beispiel in Kooperation mit dem Ballett der Oper aber auch aus aller Welt zeigt. So hat es sich schon ergeben, dass ich von einem Künstlerkollektiv aus Prag so begeistert war, dass der darauffolgende Urlaub direkt dorthin zur neuesten Produktion geführt hat. Ich finde den Gedanken, dass ich aus meinem gewohnten Kontext gerissen werde, neue visuelle Eindrücke gewinne und sich schlichtweg neue Horizonte öffnen, so hoffnungstragend. Weswegen ich jedem einen Blick in das Programm des Theaters empfehle.

Foto: Chiara StohrerChiara Stohrer, Studentin

Chiara Stohrer liest in ihrer Freizeit Fachmagazine über Fischzucht, trinkt ihren Kaffee schwarz oder mit ungesüßter Hafermilch.

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