Blick auf den Karl-Heine-Bogen in Leipzig Plagwitz, Wasserstadt Leipzig, Freizeit, Architektur, Industriekultur

#MeinLeipzig: Eine nicht endende Reise voller Entdeckungen

Ein Jahr – Seit einem Jahr lebe ich jetzt in Leipzig. Translation hätte ich auch woanders studieren können. Allerdings hat nirgendwo mein Bauchgefühl so gut gepasst wie hier. Die Stadt kannte ich vorher nicht und trotzdem wusste ich sofort, dass Leipzig schnell zu einem Zuhause für mich werden würde. Ich erinnere mich noch daran, als ich das erste Mal hierherkam. In der Albertina im Musikviertel schrieb ich meine Eignungsprüfung. Als angehender Ersti aus dem Harz war ich echt beindruckt von der Bibliothek, die nicht nur mit zeitloser Architektur, sondern auch mit einem energiegeladenen Studentendasein aufwartet. Apropos Architektur – Im Gedächtnis blieb mir an dem Tag vor allem das Augusteum. Und dabei wusste ich noch gar nicht, dass es sich bei dieser gewaltigen Glaskirche um meine zukünftige Uni handeln würde.

Blick auf einige Kisten mit Schallplatten auf dem Antik- und Trödelmarkt am Cottaweg in Leipzig, Shopping, Freizeit
Der Trödelmarkt am Cottaweg war eines der ersten Dinge, die ich in Leipzig entdeckte. © Philipp Kirschner

Ich wohnte etwa einen Monat schon in Leipzig, als sich mein anfängliches Bauchgefühl über die Stadt das erste Mal bestätigen sollte. Es war an einem Samstagvormittag. Ich fuhr mit der 15 zum Sportforum. Dort wollte ich eigentlich zu einem Antik-Trödelmarkt auf der anderen Seite des Elsterbeckens. Doch ich kam gar nicht erst soweit. Kleidung, Obst, Gemüse, Spielzeug, Dosenöffner – Ein anderer, noch viel bunterer Markt hatte meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Ich wagte mich in das Getümmel um die Essensstände herum. Aus jeder Ecke hörte man Verkäufer rufen, einer lauter als der andere: „Avocado! Eine Kiste Avocado! Ein Euro!“ Düfte von Patschuli, Äpfeln und Gemüse vermischten sich mit der kalten Herbstluft. Ich wurde in eine andere Welt gezogen – eine eigene kleine Welt, inmitten Leipzigs.

Nachdem ich die kleine Welt am Sportforum wieder verlassen hatte, ging es weiter in Richtung Trödelmarkt. Der Herbst war schleichend nach Leipzig gekommen und machte sich allmählich bemerkbar. Die Sonne schien und überall rieselte goldgelbes Laub von den Bäumen herab und hinterließ einen leuchtenden Teppich auf den Wegen. Seit dem Tag gehe ich öfters dort spazieren. Vor allem beim Blick von der Elsterwehr aufs Wasser, direkt an der Red Bull Arena vorbei, gerate ich immer ins Träumen.

Blick auf die Russische Gedächtniskirche in Leipzig, Sehenswürdigkeiten, Kultur, Friedenspark
Wer im Friedenspark spaziert, hat es nicht weit zur eindrucksvollen Russischen Gedächtniskirche. © Philipp Kirschner

Um runterzukommen gehe ich auch gerne in den Friedenspark. Man kann sich dort nicht nur Teile des Botanischen Gartens der Universität anschauen – der Apothekergarten ist dabei mein Favorit – sondern auch inmitten der Stadt eine Auszeit von ihr nehmen. Und wenn mir das zum Runterkommen einmal nicht ausreicht, setze ich mich ab und an auch in die Russische Gedächtniskirche, direkt am Rande des Parks. Wenn ich dort nach oben schaue, verliere ich mich schnell in der schier unermesslichen Deckenhöhe.

Blick auf den Karl-Heine-Kanal in Plagwitz auf dem ein Kanu mit zwei paddelnden Menschen treibt, Freizeit, Wasserstadt Leipzig, Wassersport, Bootsverleih
Leipzig solltest du unbedingt mal über die Wasserwege erkunden! © Tom Williger

Bis zu diesem Sommer hätte ich übrigens nicht gedacht, dass es sich so lohnen würde die Stadt übers Wasser zu erkunden. Ich veranstaltete mit ein paar Freunden eine Kanutour entlang des Karl-Heine-Kanals und lernte Leipzig von einer ganz anderen, mindestens genauso schönen Seite kennen. Vielleicht versteht ihr schon, was ich meine, wenn ihr euch auf eine der vielen Brücken in Plagwitz stellt und einfach auf das Treiben des Wassers einlasst. Seitdem ich für Wordcraft arbeite, kriege ich den Kopf so zwischendurch immer wieder frei. Das Übersetzungsunternehmen befindet sich noch nicht mal eine Gehminute weit entfernt vom Karl-Heine-Bogen – eine eher unscheinbare Brücke. Aber ein Blick aufs Wasser genügt schon, um einmal richtig durchzuatmen und hilft mir mich neu für weitere Übersetzungen oder für die Unterstützung bei Sprachtrainings zu fokussieren.

Bild vom Teich und dem Pavillon im Schlosspark Lützschena in Leipzig im Winter, Freizeit, Grünes Leipzig, Parks
Nicht nur im Sommer ist der Schlosspark Lützschena zauberhaft. © Philipp Kirschner

Ganz neu dabei, im Repertoire meiner Lieblingsorte, ist ein Ort, den man eigentlich nicht bei Wind und Wetter aufsuchen sollte. Doch erst dann kommt der mystische Charme des Schlossparks Lützschena so richtig zur Geltung. Der Park ist schon mehrere hundert Jahre alt und manche der Bäume stehen dort sogar noch länger. Auch, wenn es Schlosspark heißt, wäre Schlosswald wohl treffender. Umgeben von der Weißen Elster und dem Hundewasser gibt es für mich wohl kaum etwas schöneres, als dort den Park zu erkunden. Ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass er mehr als nur konkurrenzfähig zum Harz ist. Vielleicht habe ich aber auch einfach nur genug von Nadelbäumen.

Blick in den bedachten Innenhof des Hansa Hauses in der Leipziger Innenstadt, Passagen, Architektur
Die Höfe und Passagen bieten immer wieder Überraschungen. © Philipp Kirschner

Leipzig hat allerdings noch mehr zu bieten, als schöne Natur. Allein die ganzen Passagen in der Innenstadt in ihren ganz unterschiedlichen Stilen lohnen sich sehr. In einer der Passagen, in der Nähe der Nikolaikirche, steht zudem eine Klangschale. Laut meiner Oma soll mein Großvater, als er mit ihr einmal in Leipzig war, sie wunderschön zum Klingen gebracht haben. Jedes Mal, wenn ich an ihr vorbeikomme, versuche ich ebenfalls mein Glück daran, ihr einen Ton zu entlocken. Bis jetzt blieb es allerdings erfolglos.

Luftaufnahme vom Völkerschlachtdenkmal und dem Südfriedhof bei Sonnenuntergang, Sehenswürdigkeiten, Kultur, Architektur, Freizeit
Das Völkerschlachtdenkmal ist bei Sonnenuntergang noch imposanter. © Philipp Kirschner

Ein absolutes Highlight, wenn Freunde zu Besuch kommen, ist das Völkerschlachtdenkmal. Am besten geht Ihr bei Sonnenuntergang hin. Das Museum hat dann zwar nicht mehr geöffnet, aber mit den letzten Sonnenstrahlen des Tages wirkt das gewaltige Denkmal einfach noch viel imposanter und majestätischer. Drum herum lässt es sich übrigens sehr gut spazieren gehen. Ein Freund von mir behauptet sogar, dass man beim Südfriedhof zahlreiche Eichhörnchen beobachten könne. Gesehen habe ich selbst leider noch keine.

Ein Jahr – Seit einem Jahr lebe ich jetzt in Leipzig. Dennoch – oder gerade drum – entdecke ich immer wieder Neues und verliebe mich immer wieder neu in die Stadt. Das ist für mich Leipzig – eine nicht endende Reise voller Entdeckungen.

Foto: Fiona HasenauFiona Hasenau, Translation-Studierende und Mitarbeiterin bei Wordcraft

Fiona Hasenau studiert an der Uni Leipzig und arbeitet als Übersetzerin unter anderem für Wordcraft. Ist sie gerade mal nicht dabei die Stadt zu erkunden, trinkt sie am liebsten ungesüßten Tee und kuschelt mit ihren Katzen.

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Ein Kommentar

  1. Liebe Fiona,
    eine schönere Liebeserklärung kann man Leipzig nicht machen…sehr informativ und wertschätzend geschrieben…kenne Leipzig durch diverse Besuche und kann dich nur zu gut verstehen…weiterhin eine spannende Entdeckungsreise und Freude im Studium…meinen Namen hast du vielleicht mal von deiner Oma gehört

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