#MeinLeipzig: Man sieht und trifft sich überall

Mein Name ist Dave Tarassow, ich bin 29 Jahre alt und wohne ebenso lange in Leipzig. Ich fotografiere und schreibe gern, erstelle Crossmedia und habe meinen eigenen Verlag. Ich muss nicht erläutern, wie schön, vielfältig und einzigartig die Stadt ist. Die Leipziger wissen, dass Leipzig eine tolle Stadt ist. Ob gesellschaftlich, kulturell oder geschichtlich. Und wenn Touristen nach Leipzig kommen, haben sie unsere Stadt sicher noch lange in Erinnerung. Wie sagte einst Lessing: „Ich komme nach Leipzig, an einen Ort, wo man die ganze Welt im Kleinen sehen kann.“ Und das merken Touristen in Stadtrundfahrtbussen und auf den Motorbooten immer wieder.

Fast wie damals, als man mit dem Zug im Leipziger Hauptbahnhof ankam.

Zuhause bin ich in Schleußig. Umgeben von Gründerzeit- und Industriearchitektur, durchstreift von Parkanlagen und dem Auenwald und eingeschlossen von der Weißen Elster. Verlasse ich den Ortsteil, geht das nur über Brücken. Leipzig ist eine Stadt, die über 60 % aus Grün besteht. Dazwischen befinden sich Wohnquartiere. Einfach traumhaft. Am besten ist es in der Sommerzeit mit dem Rad unterwegs zu sein – nämlich durch den zauberhaften Auenwald in die historische Altstadt, die von über 850 Jahren Messen geprägt ist. Oder entlang des Karl-Heine-Kanals zum Lindenauer Hafen. Auf dem Berg in den nahliegenden Schönauer Lachen hat man einen Rundumblick auf den Westen der Stadt. Gern halte ich mich dort auf, wo es grün ist und Gewässer gibt, wo herrliche Fassaden einen anlächeln. Und das bei allen vier Jahreszeiten, wie es auch die gleichnamige weiße Brücke in den Palmengarten zeigt.

Blickend von der Karlbrücke auf die Buntgarnwerke und Weiße Elster.

Ich interessiere mich für Architektur, Baukultur und Städtebau. Wie entwickeln sich Städte, was für eine Architektur bestimmt die Zeit und wie bewegen wir uns fort. Was hat Leipzig, das Dresden nicht hat, und warum hat Naumburg etwas, das Leipzig nicht hat. Sehr interessant sind die Zusammenhänge und ihre geschichtliche Bedeutung dahinter. Dies hat angefangen in der Schulzeit mit einer Leipzig-Projektwoche. Danach interessierte ich mich immer mehr für Städte und vor allem natürlich für Leipzig. Wie entstand die Stadt, welche Leute gingen ein und aus, was hat es mit der Messezeit auf sich und warum entstand und fuhr Deutschlands erste Ferneisenbahn von Leipzig aus.

Dieses Wissen wollte ich vertiefen und Gleichgesinnten und interessierten Leipzigern sowie Touristen näherbringen. 2006 rief ich meine Leipzig-Website www.Leipzig-DasDorf.de ins Leben. „Das Dorf“ soll symbolisieren, dass sich Leipzig aus mehreren Teilen zusammensetzt. Und es gibt ja den Spruch: „Leipzig ist ein Dorf“. Über 13 Jahre besteht diese Website bereits und wird stetig erweitert. Mein Ziel ist es, Leipzig aus geschichtlicher, kultureller und architektonischer Sicht zu zeigen. Es gibt Websites, die zeigen typische Sehenswürdigkeiten, die Geschichte, Messe und Friedliche Revolution, Aktuelles und Termine. Ich wollte viel, viel mehr. Aber seht selbst. Über einen (und folgende) Besuche würde ich mich sehr freuen.

Mein Wissen möchte ich nicht nur digital, sondern auch analog vermitteln. So bin ich als Stadtführer tätig und führe Jung und Alt durch Stadtquartiere, vorbei an Gründerzeitarchitektur, Industriebauwerken, Messehäusern und Passagen sowie zur Verkehrs- und Stadtgeschichte.

Fassadenmix mit Reichsbank und Kaffee Richter, Merkurhaus und Klingers Haus.

„Mein Verein“ ist seit 2017 der Industriekultur Leipzig e.V., der in diesem Jahr seinen zehnten Geburtstag begeht. Er möchte, dass die Industriekultur mehr ins Bewusstsein der Leute verankert wird und sie für die Nachwelt erhalten bleibt. Während Bauten mit Stuck und Sprossenfenstern sowie Wandbemalungen eine hohe Note genießen, pflegen Industriebauwerke mit ihren Unternehmern, Arbeitern und Produkten immer noch ein Schattendasein in Deutschland. 2020 findet in Sachsen das „Jahr der Industriekultur“ statt. Und bereits 2019 feiern wird den 200. Geburtstag von Karl Heine. Ein großartiger Industriepionier für Leipzig. Er legte Teile des Leipziger Westens trocken und begann mit der Bebauung. Denn hier befanden sich ein breiter Streifen des Auenwalds und ein Sumpfgebiet.

Der Karl-Heine-Kanal wurde 1856 auf Initiative des Industriepioniers Karl Heine angelegt. © Ronny Luksch

Das erste Haus am Platze war das sogenannte Hufeisenhaus. Aus Ortsteilen wie Kleinzschocher und Lindenau schuf er Industriestandorte und legte Straßen und Gleisanschlüsse an. Der Elster-Saale-Kanal sollte Leipzig mit den Weltmeeren verbinden. Genau, sollte. Ein weiteres sehenswertes Thema für einen Stadtrundgang.

Beim Industriekulturverein bin ich für die Organisation von Führungen und Vorträgen verantwortlich. Als Medienjunkie wirke ich bei der Öffentlichkeitsarbeit mit Crossmedia und Internet mit. Mein Lieblingsthema ist die Kinder- und Jugendarbeit: Nachwuchsförderung, Begeisterung für technische und handwerkliche Berufe. Auseinandersetzung mit Geschichte, Kultur und Architektur. So beispielsweise beim sächsischen Landesprogramm „PEGASUS – Schulen adoptieren Denkmale“ – beteiligt waren bisher der Hauptbahnhof, die Technische Messe und der Lindenauer Hafen.

Bei der Führung „Technische Messe Leipzig“ mit dem Doppel-M im Hintergrund. © Michael Tarassow

Ich liebe Buchhandlungen! Und bei mir ist es so – bei meiner Zwillingsschwester auch –, einmal im Buchladen, kommt man nicht so schnell wieder raus und das Portemonnaie freut sich. Meine Lieblingsbuchhandlung ist Bachmann bzw. der Leipzig Laden Nr. 1 im Alten Rathaus. Lokales und Regionales, was das Herz zu bieten hat. Antiquariatsläden sind natürlich auch der Burner, ganz zu schweigen von Medimops & Co.

Alles zur Leipziger Stadtgeschichte und vieles mehr findest du im Buchladen Bachmann. © LTM

Mein Traum als Schüler, der Kunst und Werken liebt, war es immer, einen eigenen Verlag zu haben. Am liebsten noch mit Druckerei und Akademie. 2008 gründete ich den „LeipzigBlick Verlag“, der aber nicht lange bestand. Neun Jahr später rief ich mit meinem besten Freund den Verlag „imago urbis“ ins Leben – der Name ist lateinisch und bedeutet „Das Bild der Stadt“. Wir publizieren Ansichtskarten, Kalender und Magnete für Leipzig und Region. Der Schwerpunkt liegt auf Architektur und Technik. Vor allem letzteres ist mir als Fan für Schienen- und Nutzfahrzeuge wichtig. Dass es auch Kalender gibt, die beispielsweise den städtischen Nahverkehr oder Eisenbahnen in der Region abbilden.

Der Triebwagen 1602 und Beiwagen 520 im Leipziger Straßenbahnmuseum.

Oder aktuell passend zu „50 Jahre Tatra-Straßenbahn“. Eine Nische, die allerdings nicht einfach zu schließen ist. Oder Kalender ohne Kalendarium, also ein Immer-Wieder-Kalender. Genauso Weihnachtsgrußkarten in Form eines Sterns oder Tannenbaums. Da muss man schon den Mut als Start Up-Unternehmer haben, außergewöhnliche Wege zu gehen. Neben Fotos und Grafiken gibt es auch Zeichnungen. So bilden wir zwei Welten der Medien ab. Wir lassen drucken, bedrucken aber auch selbst. Mein Part ist vor allem das Produktdesign, das ich konzipiere und umsetze.

 

Foto: Dave TarassowDave Tarassow, Fotograf und Autor

Dave Tarassow ist Autor, Fotograf und Mediengestalter sowie Gesellschafter des imago urbis-Verlags.

Link zur Website: Leipzig Das Dorf
Link zur Website: Industriekultur Leipzig e.V.
Link zur Website: imago urbis Verlag
imago urbis auf Facebook

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