#MeinLeipzig: Und wieder alles auf Anfang

Ich sitze hier in der Küche meiner neuen kleinen Wohnung nahe des Leipziger Johannisplatzes, trinke meine erste Tasse Chai-Tee des Jahres und rekapituliere, was Leipzig für mich seit nun mehr ziemlich genau vier Jahren so lebenswert macht. Vor dem Fenster fallen die Blätter und ich stelle fest, dass es für meinen #MeinLeipzig-Blog keinen besseren Zeitpunkt geben würde, als genau diesen exakten Moment. Denn jeder bisherige Herbstanfang in Leipzig hielt für mich kleine Wunder und eine gewaltige Ladung Veränderung inne. So auch dieser.

Was mich nach Leipzig brachte

Im Oktober 2015 kam ich hierher, um zu studieren. Ich kannte Leipzig zuvor nicht, kannte niemanden hier und hatte absolut keine Ahnung, was mich erwarten würde. Na gut, streng genommen kannte ich Leipzig doch: nämlich von einem 45-minütigen Aufenthalt am Hauptbahnhof im Juni 2013. Damals machte ich mein Abitur und unsere Abireise sollte uns nach Bulgarien führen (Ja stimmt, das ist ein waschechter und durchaus klischeebehafteter Klassiker unter den Abireisen). Der Flug ging aus Leipzig, die kurze Aufenthaltszeit verbrachte ich, mit einem Eis in der einen und einer guten Freundin an der anderen Hand, bei einem hastigen Sprint durch die Innenstadt, vorbei an der Uni, dem Schillerpark und über den Brühl zurück zum Hauptbahnhof. Viel blieb mir von damals nicht in Erinnerung, was aber eventuell auch einfach auf den Sektkonsum der Folgetage zurückzuführen sein mag.

Die grünen Oasen der Stadt ziehen mich Jahr für Jahr in ihren Bann. © Philipp-Kirschner

Als ich zwei Jahre später, gereift und erwachsener als zuvor, zurückkam, kannte ich Leipzig also kaum noch. Eines kannte ich jedoch: den Sprung ins kalte Wasser. Den Sprung ins Ungewisse und ins Abenteuer. Ursprünglich also aus Berlin, suchte ich damals eine Studienstadt, die mir kürzere Wege bot, in der ich an einer Innenstadt-Uni studieren könnte, die Parks hatte und nicht allzu weit weg von meiner wunderbaren Familie und meinen Freunden in der Heimat liegen würde. In Leipzig fand ich das alles.

Verliebt in Ber…Leipzig

Im Waldstraßenviertel fand ich meine erste Leipziger Wohnung. © Philipp Kirschner

Die erste besichtigte Wohnung, damals im Waldstraßenviertel, wurde es direkt. Liebe auf den ersten Blick. Liebe auf 24 qm. Von dort aus konnte ich die Cafés des Viertels erreichen, am Richard-Wagner-Hain mit einem Getränk von ZierlichManierlich die Sonnenuntergänge genießen, im Rosental spazieren und das Leipziger Zooschaufenster bestaunen. Von hier aus konnte ich durch das schöne Zentrum-West zur Uni in die Innenstadt schlendern und gemächlich mein Leben entschleunigen. Denn wer in Berlin aufwächst, kennt es: die Stadt steht nie still, die Berliner Schnauze begegnet einem überall und die langen Wege von A nach B fressen einem die gesamte Zeit. Versteht mich nicht falsch, ich liebe Berlin, die Leute, den Trubel, aber nicht immer tat dieser mir gut. Leipzig war anders, das bemerkte ich schnell.

Am Zirkuswagen ZierlichManierlich bekommt man den Sommer über die besten Leckereien! © Kim Kretzschmar

Ich kam also nach Leipzig, studierte was das Zeug hielt und lernte recht schnell wunderbare Menschen aus ganz Deutschland kennen, die sich in einem einig waren: Leipzig überrascht, ist sympathisch, unheimlich vielseitig und doch familiär. Nach der Uni saßen meine neuen Freunde und ich regelmäßig zusammen im Marshalls Mum und quatschten, was das Zeug hielt oder spazierten im Regen durch die Südvorstadt.

Nach und nach kannten wir unsere liebsten Leipzig-Ecken: die Wiese vor der Thomaskirche, von der aus man wunderbar die unterschiedlichsten Leipziger und Leipzig-Besucher beobachten konnte, den Balkon meiner Freundin in der Universitätsstraße, von welchem man tagsüber direkt in die Hörsäle der Uni blickte, sowie nachts das junge Partyvolk in die Moritzbastei strömen sah, den Trubel auf der Karl-Liebknecht- sowie der Karl-Heine-Straße, die Flohmärkte, die Parks, Kneipen und Szeneviertel.

Meine Anfangszeit in Leipzig lässt mich vor allem an eines zurück denken: Kaffee-Dates hier! © Philipp Kirschner

Leipzig, du machst mich mutig

Innerhalb der drei Jahre, die mein Bachelorstudium in Anspruch nahm, habe ich viel gelernt- über Leipzig sowie über mich. Ich hab mich hier einst verliebt, in eine Stadt sowie einen Jungen, hab mich hier mehrmals neu erfunden und habe mich jedes Mal aufs Neue wie Bolle gefreut, wenn meine Familie zu Besuch kam und ich ihnen wieder ein kleines Stückchen meiner neuen Wahlheimat zeigen konnte. Ein gemeinsames Frühstück im Kaiserbad, verbunden mit einem anschließenden Spaziergang durch den Clara-Park, wurde für meine Eltern und mich beispielsweise schnell obligatorisch.

Direkt am Karl-Heine-Kanal wird im Kaiserbad geschlemmt. © Philipp Kirschner

Im Sommer vor zwei Jahren war es dann soweit: mein damaliger Partner und ich beschlossen einen weiteren Sprung ins kalte Wasser zu wagen. Ironisch, denn wir saßen damals gemeinsam auf einer Picknick-Decke am Elsterbecken, als wir entschieden, zusammenzuziehen. Alles neu machte der Herbst: So zogen wir im September 2017 nach Plagwitz, direkt in den Leipziger Westen. Das Kaiserbad, der Felsenkeller, der Clara-Zetkin-Park, die Karl-Heine-Straße, meine geliebte Könneritzbrücke und mehr waren nun nur noch einen Steinwurf entfernt.

Drohnen-Aufnahme der Karl-Heine-Straße im Stadtteil Plagwitz in Leipzig, Freizeit, Szenemeile, Kneipenmeile, Kreatives Leipzig
Vom Waldstraßenviertel ging es für mich in den Westen. © thelostavocado

Von hier oben sieht die Welt gleich ganz anders aus

Das Leben nahm Fahrt auf und im Herbst darauf brachte mich ein Praktikum in die Online-Abteilung von Leipzig Travel. Meine Leipzigliebe hat sich hier, in der 28. Etage des Cityhochhauses inmitten der Innenstadt, nur noch verstärkt. Verdoppelt. Verdreifacht. Vervielfacht. Ich durfte sechs Monate lang Leipziger Persönlichkeiten kennenlernen, hinter die Kulissen verschiedener Institutionen blicken, Theater besuchen, die interessantesten Menschen kennenlernen und mit dem tollsten Team aller Zeiten  – einem Team, vollbesetzt mit waschechten Leipzig-Experten – die Stadt erkunden. Das Praktikum brachte mich unteranderem zu Ausstellungseröffnungen ins GRASSI Museum, zu Presse-Events für die Designer’s Open, die G2-Kunsthalle und Co. sowie zum großen Umbau des LOFFT-Theaters auf dem Spinnereigelände.

Nie ohne mein (Leipzig-Travel-) Team. © Philipp Kirschner

Sollte das schon alles sein?

Mit der Beendigung meines Praktikums endete auch eines: meine Studienzeit in Leipzig. Ich ging mit einem Zeugnis in der Tasche zurück nach Berlin, zurück zu meinen Wurzeln, stürzte mich in Arbeit und stellte schnell darauf fest, dass eines noch nicht zu Ende war: meine Verbundenheit zu Leipzig.

Dieser jetzige Herbst ist deshalb vielleicht der aufregendste von allen, denn er beinhaltet die meisten Neuanfänge für mich. Denn dieses Jahr steht wieder alles auf Anfang.

Meinen Master studiere ich nun in Sachsen-Anhalt, dort hinzuziehen, war für mich persönlich jedoch keine Option. Zu verbunden bin ich Leipzig. Zu dankbar bin ich dieser Stadt für alles, was sie mir gegeben hat, was ich hier lernen und wen ich hier kennenlernen durfte. Ich bin zurückgezogen.

Ich gehöre nun also zu den Pendlern, verlasse die Stadt jeden Morgen, um abends erschöpft in sie zurückzukehren. Und ich stelle fest, dass wieder einmal in meinem Leben die langen Wege von A nach B meine Freizeit konsumieren. Doch eins ist diesmal anders: für Leipzig tue ich es gern. Hier stört es mich nicht. Für diese Stadt würde ich es tausendfach in Kauf nehmen.

Orte der Entspannung. © Philipp Kirschner

Honey, I’m home.

Und letztendlich bleiben mir neben vollgepackten Tagen ja noch die Wochenenden, gefüllt mit Ausflügen in das Leipziger Neuseenland, sommerlichen Paddeltouren auf dem Karl-Heine-Kanal, Grillen an der Sachsenbrücke, Café-Dates im Franz Morish (ein neuer Lieblingsort unweit meiner neuen Wohnung) und Spaziergänge am Völki sowie durch die Südvorstadt.  Ich habe festgestellt, dass ich überall in Leipzig absolut glücklich sein kann, dass meine Entscheidung zurückzukommen richtig war, dass mich sowohl mein neues Studium als auch mein Leben hier restlos erfüllen und das eines, in einem Leben voll Veränderung beständig bleibt: Mein Leipzig.

Foto: Kim KretzschmarKim Kretzschmar, Studentin

Kim ist 25 Jahre alt, Medien- und Designstudentin, arbeitet nebenbei im Onlinemarketing, ist neuerdings Pendlerin und eine absolute Leipzigliebhaberin.

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