#MeinLeipzig: Wie mich mein Weg nach Leipzig geführt hat

“Mama, Papa, ich werde mein Studium in Sachsen machen!” Tja, so fing alles an. Am 3. Oktober vor viereinhalb Jahren war es soweit: Ich nahm den Tag der deutschen Einheit beim Wort, packte meine sieben Sachen und machte mich auf den Weg aus meinem kleinen norddeutschen Dorf in den großen, weiten Osten. Obwohl ich nicht sofort in Leipzig gelandet bin, hat es mich schon immer in diese schöne Stadt gezogen: Hier kann ich mit dem Rad die grünen Ecken der Stadt erkunden, mit Freunden bis spät in die Nacht abhotten (wie meine Mutti zu sagen pflegt) und in die bunte Studenten-, Kunst- und Wir-lieben-das-Leben-Szene eintauchen!

Inzwischen studiere ich in Chemnitz und nehme freiwillig jeden Tag eine ordentliche Pendelstrecke in Kauf – denn wir lieben ja alle den klapprigen Regionalzug, der uns im Harry-Potter-Style durch Sachsen fährt. Der bringt mich zwar nicht zu den verwunschenen Türmen von Hogwarts, aber solange er mich zurück nach Leipzig bringt, bin ich glücklich.

Wie sieht #MeinLeipzig aus?

Als Dorfkind wollte ich richtig schön im Grünen mein Nest bauen. Obwohl es im Süden Leipzigs genügend Äste und Blätter für besagtes Vorhaben gäbe, entschied ich mich dann doch für eine „echte“ Wohnung und das mitten zwischen Cospudener und Markkleeberger See – da geht mir doch mein norddeutsches Küstenherz auf! Ich liebe es, durch den Wildpark zu joggen oder am Cossi die Skates auszupacken. Und sobald meine Ruhe-Skala aufgetankt ist, radle ich ein paar Minuten in Richtung Norden – und zack bin ich in Leipzig. Und wie ich #MeinLeipzig so erlebe, will ich euch jetzt zeigen!

Wir fangen morgens im Süden am wunderschönen Cospudener See an, danach nehme ich euch mit über den Wildpark und das Elsterflurbett bis hoch zum Auwald im Leipziger Norden. Anschließend geht’s zurück Richtung Süden – aber dieses Mal nicht quer durchs Grüne, sondern mitten durch die City. Und nach einem kleinen Schwenker in den Südosten zum eindrucksvollen Völkerschlachtdenkmal entführe ich euch für das wohlverdiente Feierabendbier zu einem meiner Lieblingsorte im charmant-„schmutzigen“ Connewitz.

Auf 8 Rollen um den Cossi cruisen

Damit ich gut gestärkt in den Tag starten kann, fahre ich erst einmal runter zu Brot & Kees direkt am Kees’schen Park. Hier gibt es auf der sonnigen Terrasse Frühstück wie zuhause – nur besser! Ich bin ein Fan der vielen fruchtigen Aufstriche und kann nur empfehlen, auch mal am Waffeltag hier vorbeizuschauen. Nun schnalle ich die Inliner an: Auf geht’s an den Cossi! Der Cossi – oder unter seinem vollen Namen auch Cospudener See genannt – ist einer der vielen Seen des Leipziger Neuseenlandes und ist was den Asphalt und die „Be-skate-barkeit“ angeht einer der Besten für dieses Vorhaben, wie ich finde. Aber keine Angst! Die 11 km lange Rundstrecke wurde nicht bis auf den letzten Grashalm zugeteert, sondern schlängelt sich idyllisch am Ufer entlang durch kleine Wäldchen, etwas Schilf und an einigen neugierigen Büffelschnuten vorbei.

Mit den Skates geht’s über den Rundweg am Cospudener See. © Philipp Kirschner

Auf meinem Weg um den See stelle ich mir gerne vor, mir mal einen der Kites von den Surferboys auszuleihen – es geht doch nichts über einen angemessenen Antrieb! Und während ich eher unfreiwillig die eine oder andere Fliege verschlucke (das gibt Protein!), lasse ich mich von ein paar Joggern überholen. Ich genieße einfach den Tag, das Skaten und vor allem den Ausblick auf den See! Genug der Romantik – nach einer Stunde bin ich fast einmal rum und hole mir am Zöbigker Hafen noch eine erfrischende Apfelschorle im Pier 1 ab. Wenn man nicht gerade den Enten beim Watscheln auf dem Hafensteg zuschaut, kann man hier auch ganz tolle Erkundungsfahrten mit der MS Cospuden über das Wasser des alten Braunkohletagebaus machen oder sich Boote und Fahrräder ausleihen. Und wer genug von der ganzen Bewegung hat, der entspannt seine Muskeln bei einem grandiosen Blick auf den Cossi in der Sauna im See.

Entspannen könnt ihr am Cossi unter anderem auf der Seeterrasse am Pier 1. © Andreas Schmidt

Joggen in Leipzig

Wenn ihr so wie ich gerade dort unten am See unterwegs seid und auch noch ein bisschen Energie übrig haben solltet, dann heißt es jetzt: Umrüsten. Ich schnalle mir die Inliner ab, lasse sie mit einem Schnipsen auf magische Weise (und aus dramaturgischen Gründen) verschwinden und hole meine guten, alten Laufschuhe raus. Also, seid ihr so weit? Schuhe an, Muskeln aufwärmen und los!

Mit neuer Energie geht es in Richtung Norden! © Tanja Grevismühl

Auf in den Norden!

Die Apfelschorle ist mittlerweile ausgeschlürft, also ab die Post Richtung Norden, über die Koburger Straße und in den Wildpark. Gerade noch den Lärm der Autos in den Ohren gehabt, tauche ich langsam in die Ruhe der Natur ein. Das melodische Trällern der Vögel wird vom Rauschen der Blätter untermalt. Da große sowie kleine Wege kreuz und quer durch den gesamten Wildpark verlaufen, kommt man nicht unbedingt immer dort raus, wo man ursprünglich hin wollte. Aber genau das ist das Schöne! Hier darf auch jemand mit einer Orientierung wie ein Stein sich einfach mal auf sein Gefühl verlassen. Oder auf seine Ohren – immer dem Grunzen der kleinen Wildschweine nach. Denn neben Spazierwegen, Teichen, Spielplätzen und Gaststätten wuseln im Wildpark eine Menge Tiere in ihren großen Gehegen umher.

Ab durch die Hecke und hinein ins Grüne: Der Wildpark Leipzig. © Philipp Kirschner

Nachdem ich also meinen borstigen Freunden einen Besuch abgestattet habe, geht es weiter Richtung Norden über ein paar kleine Brücken durch den Wald – und zack, komme ich am Elsterflurbett raus. Dort angekommen mache ich erst einmal Pause. Ich beobachte, wie ein Paar Rollator-Senioren rechts ranfährt, um ein Kinderwagengespann überholen zu lassen. Sobald das Manöver vorüber ist, setze ich mich direkt ans Ufer und schaue den Kanuten beim Paddeln zu. Leipzig ist eine wunderbare Stadt, die sich auch super vom Wasser aus erkunden lässt! Mietet euch ein Kanu und schippert mit euren Freunden über die Gewässer der Stadt. Euch erwartet ein ganzes Netzwerk aus Seen, Kanälen und Schleusen.

Der perfekte Ort für eine Pause: Am Elsterflutbett lässt es sich besonders gut entspannen. © Tanja Grevismühl

Weiter auf meiner Route laufe ich am Elsterflurbett entlang, bis ich am Oberen Elsterwehr ankomme. Diesen kleinen Zwischenstopp kann ich mir einfach nicht verkneifen, denn mein kleines Kunstherz geht auf, wenn es die vermosten Granitsteine und die roten Walmdächer der kleinen Türmchen sieht. Alles etwas oll, aber darin liegt ja der ganze Charme.

Ein echter Hingucker: Das Obere Elsterwehr, auch Palmengartenwehr genannt. ©PK Fotografie

Wen von euch es auch noch weiter in den Norden verschlägt, der kann einfach noch ein Stück am Elsterbecken entlang laufen und in nahtlosem Übergang den Leipziger Auwald besuchen. Hier erwartet euch eine große Fläche voller dichter Wälder und Wiesen, wie der historischen Parkanlage Rosental (von hier könnt ihr übrigens einen guten Blick auf die Afrika-Erlebniswelt des Zoos erhaschen!). Je nach Strecke könnt ihr bis zu 15 Kilometer unterwegs sein, ohne an einem Ort zweimal vorbeizukommen. Ich entscheide mich heute für den direkten Weg zum Wackelturm am nördlichen Ende des Auwaldes, von dessen 20 Meter hoher Aussichtsplattform ich locker den Turm vom Neuen Rathaus und das City-Hochhaus im Zentrum sehen kann. Ob da wohl jemand zurückgrüßt, wenn ich jetzt winke?

Auf 2 Rädern durch Leipzig rollen

Nach einem langen Tag auf den Beinen ist es endlich soweit: Entspannung ist angesagt, denn endlich kann ich mich hinsetzen! Auf den Sattel meines Fahrrads. Aber besser als nichts und vom Auwald durch die Stadt geht es eh nur bergab – quasi. Vor allem im Süden Leipzigs gibt es drei bestimmte Orte, die es mir besonders angetan haben. Ich rolle also vom Zoo aus los und einmal durch die Mitte – das Zentrum mit Marktplatz, Thomaskirche und Gewandhaus darf natürlich nicht fehlen.

Dann lenke ich leicht nach Osten, fahre gekonnt an der Südvorstadt vorbei (Tatsache!) und steuere das mit Abstand monumentalste, mächtigste und massigste Bauwerk der Stadt an: Das Völkerschlachtdenkmal oder liebevoll „Völki“ genannt (welche sprachliche Finesse). Viele von euch kennen es bestimmt schon, aber eines müsst ihr unbedingt einmal dort erleben: Die Akustik im(!) Bauwerk ist der Hammer! Entweder ihr besucht eine der vielen musikalischen Veranstaltungen des Denkmalchors Leipzig oder habt wie ich das Glück, dass neben euch zufällig vier völlig normale Besucher ein mehrstimmiges Musikstück anstimmen.

Monumental, fundamental, beeindruckend: Das Völkerschlachtdenkmal. © Philipp Kirschner

Mittlerweile ist es abends geworden und die Sonne steht schon so tief, dass sie mir ihr orangenes Licht entgegenstrahlt, als ich auf direktem Wege nach Westen Richtung KarLi fahre. Ich biege links ab und nehme den Connewitzer Charme um mich herum wahr. Zerfledderte Plakate an den Wänden, eine Mischung aus Alt- und Sehr-Alt-Bauten und eine Menge Menschen, die sich gesellig draußen auf der Straße tummeln. Ich frage mich immer wieder: Wie passen so viele Menschen in diese schmale Straße? Hier ist auch gar kein Platz für Stühle und Tische, aber es geht eben trotzdem! Eine Mauer zum Sitzen tut’s auch. Und so findet sich auch für mich noch ein freies Plätzchen.

Jetzt sitze ich endlich mit einem kühlen Bierchen in der Hand auf dem Kantstein vorm Lazy Dog und hoffe, dass mir kein Auto über die Beine fährt – denn die haben sich bei dem sportlichen Programm schon vor Stunden verabschiedet…

Abends erwacht die gesamte KarLi erst so richtig zum Leben. © Philipp Kirschner

So gut es tut, in einer so großen Stadt wie Leipzig auch mal fernab von Lärm und Leuten unterwegs zu sein, genieße ich gerade das Treiben um mich herum. Ich rufe eine Freundin an und wir entscheiden spontan, noch auf das Konzert im UT Connewitz zu gehen, uns die Stimmbänder raus zu schreien und diese dann später auf der KarLi mit einem Kaltgetränk abzukühlen. Wenn meine Beine das noch mitmachen…

Foto: Tanja GrevismühlTanja Grevismühl, Foto: Joanne Heider

Tanja Grevismühl studiert im Master Digitale Medien und Kommunikationskulturen und wohnt im Neuseenland, südlich von Leipzig. Neben dem Studium schreibt sie Blogbeiträge für die Leipzig Tourismus und Marketing GmbH, zeichnet, liest und reist gerne und macht als Ausgleich viel Sport an der frischen Leipziger Luft.

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