#MeinLeipzig: Wiedergekommen, um zu bleiben

Ich bin gebürtige Leipzigerin. Aufgewachsen in Volkmarsdorf, im Speckgürtel und in Connewitz. Nach dem Studium im Nachbarbundesland bin ich zurückgekehrt. Interessanterweise mehr auf Initiative meines Freundes, der aus Baden Württemberg stammt, als aus eigenem Antrieb.

Ich kannte und mochte mein Leipzig von früher und hatte Sorge, dass es sich nach sechs Jahren meiner Abwesenheit zu sehr verändert hat und mich eher verhalten wieder bei sich aufnehmen würde. Aber dem war nicht so. Am Abend unseres Umzuges saßen wir mit Freunden bei einem Bier im wunderschön verwachsenen Biergarten der Substanz und ich war glücklich, wieder zu Hause zu sein. Gute Entscheidung also!

Den wohl schönsten Biergarten findet man in der Substanz in Reudnitz vor. © Robin Kunz

Davon abgesehen, dass sich natürlich viel verändert, schafft es Leipzig trotzdem irgendwie sein Flair und seine Einstellung zu wahren. Es ist einfach entspannt, ein bisschen rotzig und manchmal auch etwas behäbig.

Was man oft hört: »Hier kann man noch mit wenig Geld gut leben.«

Auch das war ein Grund wieder nach Leipzig zu kommen, denn wir kamen mit der Absicht uns mit einem Ladenkonzept selbstständig zu machen. Die Mieten für Wohnungen und Läden sind noch halbwegs erschwinglich, die Stadt hält einen Fördertopf für Gründer bereit und die Kaufkraft der Leipziger wächst. Gute Voraussetzungen und so haben wir im März 2017 neben dem alteingesessenen Café Cantona – den Uniriesen im Blick – unseren Schreibwarenladen »Eisenhauer Bürokultur« eröffnet und bieten seitdem hochwertige und schöne, schlichte Büroaccessoires an.

Im Eisenhauer gibt es alles, was das Kreativherz begehrt. © Eisenhauer

In der durchaus schönen Innenstadt gibt es ja leider nicht mehr viele kleine, inhabergeführte Geschäfte, das lässt sich vom Rest der Stadt glücklicherweise nicht behaupten.

Ich freue mich sehr, dass es so viele kreative und mutige Menschen gibt, die Bock haben, ihren Traum verfolgen und hart dafür arbeiten, diesen wahr werden zu lassen. So entstehen ganz viele individuelle Konzepte:

Wie zum Beispiel das Vary. Ein Plattenladen und Café in der Eisenbahnstraße. Das neben einer exzellenten Plattenauswahl auch eine großartige Konzertreihe auf die Beine gestellt hat, Flohmärkte organisiert und im Sommer gemütliche BBQs im Hinterhof veranstaltet.

Im Vary findest du neben Schallplatten ganzjährig auch tolle Veranstaltungen vor. © Philipp Kirschner

Oder das Backstein. Mit vollem Namen: Bäckerei für zeitgenössisches Brot. Ganz idyllisch und klein hinter der Galerie für zeitgenössische Kunst im Leipziger Zentrum gelegen. Hier gibt es – aufs Wesentliche reduziert – einfach unglaublich leckeres Brot, welches direkt aus der Backstube verkauft wird!

Leckeres, frisch gebackenes Brot aus dem Backstein regt Geruchs- und Geschmackssinne an. © Anne-Katrin Hutschenreuter

Dieses Brot wiederum kommt ganz häufig auf die Teller vom Lauritz. Ein Café im edlen Waldstraßenviertel, welches neben leckeren Kaffee & Kuchen auch die Möbel auf denen man sitzt und die Keramik von der man isst, zum Verkauf anbietet. Einmal die Woche zum Mittagstisch, lädt das Lauritz Freunde, Kunden und interessante Leipziger ein, die dann für die Gäste kochen. Wie toll – und vor allem äußerst lecker!

So etwas mag ich sehr: Jeder macht sein eigenes Ding, aber man kommt ganz schnell in Kontakt, unterstützt sich und tauscht sich aus. Niemand ist wirklich fremd.

Wenn wir Freunde über das Wochenende zu Besuch haben, sagen wir immer, dass sie ihre Räder mitbringen sollen. Am Besten ist es nämlich, Leipzig mit dem Fahrrad zu erkunden. Die Stadt ist so groß, dass an vielen Ecken etwas los ist und klein genug, dass man alles entspannt erradeln kann.

Zahlreiche Radwege führen dich auf zwei Rädern an jeden beliebigen Ort der Stadt. © Philipp Kirschner

So kann man sich Kulturelles gönnen und sich mal in der Innenstadt die Nikolai- & Thomaskirche anschauen, in der Mädler Passage den Fuß von Faust rubbeln und sich an den noblen Schaufenstern die Nase platt drücken. Einmal auf den Uniriesen hoch fahren und staunen, wie weit man über das flache Land schauen kann und wie herrlich grün Leipzig ist.

Auch eine schöne Aussicht hat man auf dem Fockeberg in der Leipziger Südvorstadt. Dieser Berg besteht allein aus Trümmern der Stadt aus dem 2. Weltkrieg und ist heute eine kleine Oase.

Auf dem Fockeberg kannst du über die gesamte Skyline Leipzigs schauen. © Dean Nixon

Nicht nur bei schlechtem Wetter lohnt sich ein Besuch im Grassi Museum, wessen Architektur mich immer besonders beeindruckt. Am anderen Ende der Stadt lohnt sich der Eintritt zum Museum für Druckkunst in der Nonnenstraße. Dort gibt es unglaublich viele alte Druckmaschinen, welche durch die zumeist ehrenamtlichen, auskunftsfreudigen Mitarbeiter hervorragend in Schuss gehalten werden und mich als gelernte Grafikdesignerin natürlich sehr interessieren.

Lehrreich und abwechslungsreich sind die Ausstellungsstücke im Museum für Druckkunst Leipzig. © Klaus D. Sonntag

Mein Highlight letzten Sommer war eine Kanufahrt mit Freunden durch den Wildpark bis zum Cospudener See. Ich bin immer wieder aufs Neue überrascht, wie schnell man in Leipzig in der Natur ist. Kaum um die erste Ecke gepaddelt, hörten wir nur noch das Zwitschern der Vögel und alles war voller blauer Libellen. Es war traumhaft. Am Ende unserer Runde kamen wir am Waldsee heraus und sind noch eine Runde geschwommen. Man kann sogar noch weiter paddeln und kommt durch eine Schleuse direkt im Cospudener See heraus. Toll, oder?

Mit dem Kanu lässt sich Leipzig auch über den Wasserweg erkunden. © T.Williger

Wer ein Freund von Antik- & Trödelmärkten ist, sollte sich unbedingt mal den Markt an der Agra anschauen. Jedes letzte Wochenende im Monat lohnt es sich, früh aufzustehen und den Kofferraum auszuräumen. Vor allem besondere Möbel bringen mich ins Schwärmen. Es ist wie eine Schatzsuche.

Trödeln in angenehmem Ambiente auf dem Agra-Flohmarkt. © © Philipp Kirschner

Was ich mir schon sehr lange vornehme, ist der Besuch des Südfriedhofs. Dort liegt meine Oma begraben. Er ist einer der schönsten und größten Parkfriedhöfe Deutschlands. Die Wege ergeben die Form eines Lindenblatts, denn Leipzigs slawischer Ursprungsname ist »Der Ort, an dem die Linden stehen«.

Der Südfriedhof gilt als einer der größten Parkfriedhöfe Deutschlands. © Robin Kunz

Und so gibt es auch für mich, neben dem ganzen Neuen, welches hier entsteht auch noch ganz viel Stadtgeschichtliches zu entdecken. Ich freu mich drauf.

Foto: Katharina StaniokKatharina Staniok, Foto: Anne-Katrin Hutschenreuter

Katharina Staniok betreibt gemeinsam mit Fred Krauser das Eisenhauer – ein Grafikbüro und Fachgeschäft für besondere Schreibwaren, stilvolle Büroaccessoires und ausgefallene Grußkarten in Leipzig.

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