Clara Schumann – Das Leben einer Power-Frau

“Was?! Das kannst du doch nicht einfach machen!” Tja, einige von euch kennen diese Worte vielleicht nur zu gut – Worte, die uns sagen sollen, dass wir etwas nicht dürfen, nicht können oder nicht machen sollten. Weil wir nicht erfahren und talentiert genug seien oder es uns in unserer Position einfach nicht zustehe. Und die einzig richtige Antwort auf ein so schnelles Urteil ist – ihr ahnt es schon – “Oh doch, ich kann!”

Wie ist so ein Power-Statement wohl vor 150 Jahren angekommen? Und das auch noch von einer Frau? Im Rahmen des bunten Projektes Clara19 präsentiert euch Leipzig zu Ehren ihres 200. Geburtstages eine Persönlichkeit, die vor Ausdruckskraft nur so erblüht: Clara Schumann! Aber hat sie all das Lob denn wirklich verdient? Macht euch selbst ein Bild! Heute machen wir euch mit der berühmten Komponistin und Pianistin und ihrer ereignisreichen Zeit in Leipzig bekannt – vor allem aber wollen wir euch zeigen, was für eine starke Frau hinter dem musikalischen Talent steckt.

Ein junges Wunderkind zwischen Bach und Wagner
Clara die Power-Frau
Claras Spuren in der Musikstadt Leipzig
Starke Frauen, starke Köpfe – Clara, Louise & Co.

Ein junges Wunderkind zwischen Bach und Wagner

Was steckt nun eigentlich genau hinter Clara Schumann, von der dieses Jahr alle reden? Tja, zur Zeit Claras, in der das Wort “Gleichberechtigung” einem Großteil der Gesellschaft vermutlich noch unbekannt war, da hätte wohl noch keiner geahnt, was alles in ihr steckt.

Denn am 13. September 1819 als Clara Wieck geboren, fand sie sich in einer Gesellschaft wieder, in der Geschlechterrollen klar definiert waren: Der Mann als “starkes” Geschlecht brachte das Geld ins Haus und die Frau hatte sich seiner Meinung unterzuordnen. Ein Konzept, das Clara nicht so ganz zu passen schien….

Denkmal zum Geburtshaus von Clara Schumann an der Fassade des heutigen Städtischen Kaufhauses.

Unter der musikalisch-künstlerischen Ausbildung durch ihren Vater Friedrich in Klavier, Violine und Gesang wurde schnell klar, dass Clara ein ganz besonderes Talent besaß: Sie lebte für die Musik und sie liebte die Musik! Bereits mit neun Jahren debütierte sie 1828 im Gewandhaus in Leipzig und begeisterte die Menschen mit ihrem Spiel, ihren eigenen Kompositionen und spontanen Improvisationen. Während wir in dem Alter zum Vergnügen unserer Eltern höchstens mit einem Kochlöffel auf dem Tisch herum gehauen haben, hat Clara in die Tasten gehauen – und wie! Um es in den Worten der damaligen Zeit zu formulieren: Das Publikum war hocherfreut!

Clara die Power-Frau

Mit knapp 21 Jahren heiratete sie Robert Schumann, den Komponisten, der ebenfalls durch die lehrende Hand ihres Vaters Friedrich Wieck geformt wurde. Die Schumanns führten keine normale Ehe – der Mann geht arbeiten, die Frau hütet Haus und Kind – sondern sie bildeten eine Art künstlerische Symbiose. Als zwei gleichberechtigte Teile verstanden sie sich als kreative Schaffensgemeinschaft.

„Jetzt trachte ich auch danach, soviel als möglich mit der Künstlerin die Hausfrau zu vereinigen. Das ist eine schwere Aufgabe! Meine Kunst lasse ich nicht liegen, ich müßte mir ewige Vorwürfe machen.“

– Tagebuch, 20. August 1839

Während Clara durch ihre Konzertreisen immer berühmter wurde, wurde Robert über die Jahre leider schwer krank, sodass er 1856 – zwei Jahre nach einem Selbstmordversuch – in einer Klinik verstarb.

Nun war Clara gefragt. Trotz der Trauer um ihren Ehemann, lag bereits seit einiger Zeit die Finanzierung der gesamten Familie in ihrer Verantwortung. Und die war nach über 15 Jahren Ehe um acht Kinder gewachsen. Besonders jetzt zeigte sich die Stärke, Willenskraft und Selbstbestimmtheit, mit der Clara ihr Leben und das ihrer Familie in die Hand genommen hat. Auch als allein erziehende Mutter erzog sie ihre Kinder zu eigenständigen Persönlichkeiten und achtete bei ihren Töchtern auf eine Berufsausbildung anstatt einer Erziehung zur typischen Ehefrau.

Als das neu gegründete Hoch’sche Konservatorium in Frankfurt am Main sie zur „ersten Klavierlehrerin“ berief, nahm sie nur unter der Bedingung an, ihre freie Konzerttätigkeit weiter ausüben zu können. Im Alter von 62 Jahren, wenn der eine oder andere heutzutage schon längst die Füße hochlegt, entschied sich Clara mal eben noch dazu, neben dem Schaffen als Konzertpianistin und Klavierlehrerin, sämtliche Klavierwerke Robert Schumanns über den Verlag Breitkopf & Härtel herauszugeben und setzte sich so nachhaltig für das Werk ihres Ehegatten ein.

Claras Spuren in der Musikstadt Leipzig

Den Großteil ihres aufregenden Lebens hat Clara in Leipzig verbracht. Wo ihr auch hingeht, werdet ihr in der ganzen Stadt ihre Spuren entdecken können! Vom kleinen, flüchtigen Notenblatt bis zum großen, eindrucksvollen Schumann-Haus! Was glaubt ihr, wo sich Robert damals heimlich mit ihr verlobt hat? Oder welcher Ort ihr Lieblingsort in Leipzig war? Vermutlich der Platz vor ihrem Klavier…

Das ehemalige Schumann-Wohnhaus von Clara und Robert präsentiert sich heute als Museum. © Matthias Knoch

Aber spulen wir einmal zum Anfang zurück: Wo heute geshoppt wird was das Zeug hält, wurde 1819 die kleine Clara Josephine Wieck geboren – direkt am Neumarkt Ecke Preußergässchen. Das alte Gebäude mit dem poetischen Namen “Hohe Lilie” steht zwar inzwischen nicht mehr, aber schon damals ist Clara dort in einer quirligen Nachbarschaft zwischen Einkaufsläden und Kutschengeklapper aufgewachsen.

“Geist und Körper müssen doch gleich gepflegt werden”

– Clara Schumann

Neben all dem fleißigen Üben am Piano, hat Clara sich von klein auf viel und gerne an der frischen Luft aufgehalten. Dabei kamen ihr die vielen, bunten Gärten und Parks der Stadt wie gelegen. Schon damals existierte der romantische Johannapark, der euch besonders im Frühling zum Spazieren einlädt.

Wer weiter auf den Spuren Claras durch Leipzig wandelt, kommt natürlich nicht am Gewandhaus vorbei, in dem sie mit neun Jahren debütierte und 50 Jahre später ein ebenso spektakuläres Künstlerjubiläum feierte.

Anders als ihr Geburtshaus am Neumarkt könnt ihr das Wohnhaus der Schumanns in der Inselstraße auch heute noch besuchen. Dort präsentiert euch der Schumann Verein als Museum Schumann-Haus und eindrucksvoller Veranstaltungsort das Leben und vor allem das gemeinsame Schaffen des Ehepaares und Künstlerduos Robert und Clara.

“Es geht doch nichts über das Vergnügen, etwas selbst komponiert zu haben und dann zu hören.”

– Clara Schumann, 2.10.1846

Nachdem der langjährige und enge Freund der Schumanns Felix Mendelssohn Bartholdy 1843 das Konservatorium für Musik in Leipzig als erste höhere Bildungsanstalt für Musiker in Deutschland begründete, holte er sich Clara als Klavierlehrerin an Bord. Dort waren übrigens von Anbeginn auch Frauen als Schülerinnen zugelassen. Was heute nach einigen Zusammenschlüssen und Umzügen zur Hochschule für Musik und Theater “Felix Mendelssohn Bartholdy” geworden ist, befand sich damals im Innenhof des alten Gewandhauses, welches wiederum heute – Achtung, Gedankenverknotung – im Städtischen Kaufhaus zu finden wäre.

Der Musikverlag Breitkopf & Härtel hat Claras Werke zu Papier gebracht.

Nach dem Tod ihres Gatten Roberts sind durch ihre Arbeit als Herausgeberin – insbesondere beim Musikverlag Breitkopf & Härtel – ihre Spuren schließlich auf Papier zu finden. Ebenso im Staatsarchiv Leipzig, in dem ihr neben Claras Korrespondenzen mit Musikverlagen und Freunden eindrucksvolles Notenmaterial sowie auch die originale Gerichtsakte in der Eheeinwilligungssache „Robert Schumann und Clara Wieck gegen Friedrich Wieck, Vater der Mitklägerin“ entdecken könnt.

Starke Frauen, starke Köpfe – Clara, Louise & Co.

Robert Schumann war wohl einer der wenigen Männer, der Clara in ihrer Ehe nicht als untergeordnet oder weniger bedeutend ansah. Er drängte sie nicht dazu, als Frau damals üblich, seine oder die Werke anderer zu reproduzieren, sondern erkannte ihre Fähigkeit an, selbst schöpferisch tätig zu sein und ihre kreativen Ideen aufs Papier zu bringen. Etwas Anderes hätte Clara sich wahrscheinlich auch gar nicht gefallen lassen.

Clara war eben eine Frau, die ihre Sachen selbst in die Hand nahm und sich nicht in die gesellschaftlichen Konventionen und Vorstellungen anderer hineinzwängen ließ. Ob gerade diese Art sie so berühmt gemacht hat? Nicht ohne Grund ist die Power-Frau nach ihrem Tod im hohen Alter von 77 Jahren auch heute noch in aller Munde.

Die Highlights des Clara-Schumann-Jahres gibt es auf unserem Blog.

Falls es euch wie uns geht und ihr ebenfalls nicht genug von Clara und ihrer Welt kriegen könnt, dann schaut auf unserem Clara19-Blog vorbei: Hier haben wir euch alle Highlights von den Bühnen, Konzertsälen und Open-Air-Events sowie natürlich die besonders spannenden Veranstaltungsorte zum Projekt CLARA19 zusammengestellt.

Auf einer Zeitreise durch vier Jahrhunderte voller starker Frauen

Ebenso wie Clara, die als Frau mit den Grenzen der damaligen Zeit zu kämpfen hatte, erging es auch anderen weiblichen Persönlichkeiten in Leipzig. Bei einer spannenden Stadtführung – ausgehend vom Mendebrunnen am Augustusplatz – könnt ihr euch von Daniela Neumann im Rahmen des Frauenrundgangs unter dem Motto “Leipzigs Frauen: Talent, Mut und Tragik” auf eine Zeitreise durch vier Jahrhunderte mitnehmen lassen. Die nächsten Termine sind der 24. April, 12. Mai und 5. Juni – Tickets gibt es vor Ort für 8 Euro oder 4 Euro ermäßigt.

Talent, Mut und Tragik – Geschichten und Anekdoten über starke Leipzigerinnen erzählt euch Daniela Neumann.

Louise Otto-Peters – eine kritische Denkerin in den Zwängen der Zeit

Wo wir gerade bei starken Frauen sind, sollte eine in Bezug auf Leipzig nicht außer Acht gelassen werden: Denn einen ähnlichen emanzipatorischen Esprit wie Clara Schumann strahlt auch die im selben Jahr geborene Louise Otto-Peters aus. Was beide teilen, ist die eigene starke Persönlichkeit und das Einsetzen für die Gleichberechtigung der Frau. Wo Clara auf musikalischer und bildender Ebene Einfluss übt, setzt Louise sich besonders mit ihren sozialkritischen Schriften durch.

Eine Abbildung von Louise Otto-Peters, 1881. © Louise Otto Peters Archiv

Nachdem sie mit 16 Jahren zur Vollwaise wurde, wuchs sie unter den bedrückenden Lebensumständen der Arbeiterfamilien auf und hat früh die Ungerechtigkeit kennengelernt, mit denen diese Gruppe und vor allem die dazugehörigen Frauen damals zu kämpfen hatten. Unter dem männlichen Pseudonym Otto Stern veröffentlichte sie zahlreiche Gedichte, Artikel und Romane, die aufgrund zu extremer Formulierungen teilweise von der Zensurbehörde verboten worden waren. Zwei zentrale Forderungen, die euch nicht nur ihr Werk, sondern auch ihre Persönlichkeit näher bringen sind dabei stets die Öffnung der Arbeitswelt für Frauen und die Verbesserung der Lebensbedingungen für Frauen gewesen.

„Meine Herren! Im Namen der Moralität, im Namen des Vaterlandes, im Namen der Humanität fordere ich Sie auf: Vergessen Sie bei der Organisation der Arbeit die Frauen nicht!“

– Louise Otto-Peters

Das Louise Otto-Peters Denkmal im Rosental. © Louise Otto-Peters Archiv

Schließlich gründete sie 1865 mit Auguste Schmidt, Ottilie von Steyber und Henriette Goldschmidt den Leipziger Frauenbildungsverein, berief im selben Jahr die erste Deutsche Frauenkonferenz nach Leipzig und war Mitbegründerin des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins (ADF). Bis zuletzt setzte sie sich für das Recht der Frau auf Bildung, Arbeit und Gleichberechtigung ein, ganz nach dem Motto “Do it yourself” – denn sonst tut’s keiner.

“Ohne uns kein Wir!”

Ein starkes Motto, das sich auch das Dritte Leipziger Frauenfestival auf die Fahne geschrieben hat! Hier kommen die beiden Power-Frauen nun endlich zusammen: Feiert mit Clara & Louise unter dem Motto “Ohne uns kein Wir!” die Freiheit, die Demokratie und natürlich die gleichberechtigte Beteiligung der Frau. Ohne so starke und frei denkende Frauen wie die beiden es waren, wären wir jetzt sicher noch nicht dort, wo wir heute stehen.

Schnappt euch eure Freunde, Männer, Kinder und feiert am 29.06. ab 14 Uhr mitten auf dem Marktplatz gemeinsam mit vielen Künstlerinnen, Handwerkerinnen und selbstverständlich einem vielfältigen “Do it yourself”-Programm einen tollen Tag!

Ihr habt noch Fragen? Dann meldet euch gern bei uns!

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