Ein Meer aus Kerzen beim Lichtfest, Friedliche Revolution, Geschichte von Leipzig
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Stätten der Friedlichen Revolution in und um Leipzig

Erinnerungsorte im öffentlichen Raum

Karte mit Erinnerungsorten der Friedlichen Revolution in Leipzig, Geschichte von Leipzig, Sehenswürdigkeiten
Erinnerungsorte © Sebastian Willnow

Um die Erinnerung an die Friedliche Revolution in Leipzig wachzuhalten und ihre Bedeutung für die Demokratie der Gegenwart deutlich zu machen, verbindet die Stadt Leipzig Elemente einer lebendigen Erinnerungskultur mit der sichtbaren Verankerung des Gedenkens im öffentlichen Raum.

Vor allem im unmittelbaren Umfeld authentischer Orte der Friedlichen Revolution und unter direkter Bezugnahme auf diese Orte zeugen Denkmale von den Ereignissen des Jahres 1989.

Apps zum Thema

Symbol der App Leipzig '89 die den Nutzer entlang wichtiger Orte der Friedlichen Revolution durch Leipzig führt, Geschichte von Leipzig, Sehenswürdigkeiten
© Bürgerkomitee Leipzig e.V.

„Leipzig '89” ist eine mehrsprachiger Audioguide, der Sie zu 20 Stelenstandorten im Leipziger Stadtraum führt. An diesen Orten fanden bedeutende Aktionen statt, die zum Sturz der SED-Diktatur beitrugen. Die App ist kostenfrei in vielen Sprachen für iOS und Android erhältlich.

Abbildung der App Zeitfenster auf verschiedenen Geräten die historische Fotos von Orten der Friedlichen Revolution in Leipzig als augmented Reality darstellt, Geschichte von Leipzig
© Universität Leipzig

An 25 Standorten in der Leipziger Innenstadt, sogenannten Zeitfenstern, ist es möglich, historische Fotografien interaktiv mit der aktuellen Kamerasicht eines Tablets oder Smartphones verschmelzen zu lassen und historischen Wandel zu erleben: Die App macht Ihr Smartphone so zur Zeitmaschine im Hosentaschenformat.

Neben diesem interaktiven Zugang bewahrt die App einen Schatz an zusätzlich rund 300 abrufbaren Artefakten. Diese ausschließlich originalen Dokumente aus Stasi-Akten, Flugblättern der Bürgerbewegung, zeitgenössischen Videoaufnahmen ermöglichen einen multimedialen Blick auf einen zentralen Aspekt Leipziger Stadt- und Zeitgeschichte.

Durch integrierte Audioguides sowie eine Navigationsfunktion, die die Route zu den Zeitfenstern anzeigt, wird die Stadt Leipzig zum virtuellen Geschichtspfad an der Schnittstelle von Vergangenheit und Gegenwart. Die App ist kostenfrei auf Deutsch und Englisch für iOS und Android erhältlich.

Abbildung eines Smartphones mit der App MDR Zeitreise zum Thema Friedliche Revolution, Geschichte von Leipzig
© MDR

Leipzig hat sich seit der Friedlichen Revolution 1989 radikal verändert. In der „MDR Zeitreise”-App wählen Sie selbst verschiedene Punkte im Stadtgebiet aus. Alternativ können Sie sich auch von einer prominenten Persönlichkeit durch die Stadt führen lassen. Die App ist kostenfrei für iOS und Android erhältlich.

Nikolaikirchhof: Lichtinstallation und Brunnen

Friedensgebete und Montagsdemonstrationen haben die Leipziger Nikolaikirche weltweit zum Sinnbild für die Friedliche Revolution von 1989 gemacht. 2003 wurde die Gestaltung des Nikolaikirchhofs mit Unterstützung der Stiftung „Lebendige Stadt“ vollendet. Grundlage bildete ein Wettbewerb, den die Kulturstiftung Leipzig zusammen mit der Stadt Leipzig und der Stiftung „Lebendige Stadt“ ausgelobt hatte.

Kernstücke sind, ergänzend zur 1999 errichteten Nikolaisäule, die Lichtinstallation des Leipzigers Künstlers Tilo Schulz mit 144 in das Bodenpflaster eingelassenen farbigen Glaswürfeln sowie ein von David Chipperfield (London) entworfener Granitbrunnen. Das Prinzip des Lichtkunstwerks „Öffentliches Licht“ auf dem Kirchhof, die zufallsgesteuerte Zuschaltung je eines Leuchtwürfels der Installation pro Minute, symbolisiert den langsamen Aufbau friedlicher Versammlungen und erinnert so an die Bedeutung des öffentlichen Raums als Podium der freien Meinungsäußerung mündiger Bürger.

Der Granitbrunnen, elegant und einfach gehalten, soll den Kirchhof vor St. Nikolai das ganze Jahr über als Ort der Kommunikation und Ruhe erlebbar machen. Das Überlaufen des Wassers ist Symbol für den Freiheitsdrang der Menschenmasse, die im Herbst 1989 dort friedlich demonstrierte.

Impressionen Nikolaikirche und Nikolaikirchhof

Nikolaisäule auf dem Nikolaikirchhof beleuchtet bei Nacht, Kultureinrichtung, Sehenswürdigkeiten, Friedliche Revolution, Geschichte von Leipzig, Montagsdemonstrationen
© LTM/Punctum
Ins Pflaster eingelassene farbige Glaswürfel, die bei Nacht leuchten
© Sebastian Willnow
Brunnen auf dem Nikolaikirchhof
© Sebastian Willnow

Nikolaikirchhof: Nikolaisäule

Blick auf die Nikolaisäule auf dem Nikolaikirchhof beleuchtet bei Nacht, Sehenswürdigkeiten, Kultureinrichtung, Friedliche Revolution, Montagsdemonstrationen, Geschichte von Leipzig
© Sebastian Willnow

Ausgehend von den Friedensgebeten in der Nikolaikirche eroberte 1989 der Protest den öffentlichen Raum.

Als Ergebnis eines künstlerischen Ideenwettbewerbs zur Gestaltung des Nikolaikirchhofs steht dort seit 1999 die Nachbildung einer mit Palmwedeln gekrönten Säule aus dem Kirchenschiff der Nikolaikirche, mit der an den Ausgangspunkt der Leipziger Montagsdemonstrationen erinnert wird.

Der Leipziger Bildhauer Markus Gläser errichtetete das Kunstwerk nach einer Idee des Leipziger Künstlers Andreas Stötzner. Zwei Drittel der für die Realisierung benötigten Mittel wurden durch Spenden von Leipziger Bürgern, Unternehmen und Einrichtungen erbracht.

Tafel mit der Inschrift „Hier befand sich von 1950 bis 1989 die Bezirksverwaltung für Staatssicherheit Leipzig. Bürger besetzten sie während der Montagsdemonstration am 4. Dezember 1989.“, Friedliche Revolution, Geschichte von Leipzig
© Sebastian Willnow

„Runde Ecke“: Gedenktafel „Staatssicherheit“

Ein Nachguss des originalen Hausschildes der ehemaligen Bezirksverwaltung für Staatssicherheit Leipzig weist am Dittrichring 24 auf den Ort hin, von dem aus die Staatssicherheit fast 40 Jahre lang Leipzig und seine Bürger überwachte und bespitzelte.

Die Tafel mit der Inschrift „Hier befand sich von 1950 bis 1989 die Bezirksverwaltung für Staatssicherheit Leipzig. Bürger besetzten sie während der Montagsdemonstration am 4. Dezember 1989.“ würdigt  die friedliche Besetzung des Hauses als einen zentralen Akt der Selbstermächtigung der Leipziger Bürger auf dem Weg zu einer demokratischen Erneuerung des Landes.

Geschaffen wurde die Gedenktafel durch den Leipziger Künstler Matthias Klemm.

Augustusplatz: Demokratieglocke

Die Demokratieglocke auf dem Leipziger Augustusplatz bei Nacht, Sehenswürdigkeiten, Friedliche Revolution, Geschichte von Leipzig
© Sebastian Willnow

Am Eingang zur Grimmaischen Straße erinnert seit 2009 eine Demokratieglocke an die entscheidende Montagsdemonstration am 9. Oktober 1989, mit der das Ende der DDR „eingeläutet“ wurde.

Dabei handelt es sich um ein Geschenk der ostdeutschen Gießereiverbände an die Stadt Leipzig anlässlich des 20. Jahrestages der Friedlichen Revolution am 9. Oktober 2009.

Für die künstlerische Gesamtkonzeption lobte die Kulturstiftung Leipzig einen Gestaltungswettbewerb aus, in dem sich der Künstler Via Lewandowsky aus Berlin durchsetzen konnte. Gegossen wurde die Demokratieglocke im August 2009 in Lauchhammer.

Europäisches Kulturerbe „Eiserner Vorhang“

Seit 2012 gehören die Nikolaikirche, die Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ und der Leipziger Ring offiziell zu den Stätten des Europäischen Kulturerbes Eiserner Vorhang.

Das Netzwerk Eiserner Vorhang vereint insgesamt zwölf Orte und Stätten, die für Entstehung, Existenz und Überwindung von Mauer und Stacheldraht stehen. Leipzig ist der einzige der ausgewählten Orte, der nicht an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze liegt. Ein Beleg dafür, dass der Fall des Eisernen Vorhangs ohne die Friedliche Revolution in Leipzig nicht möglich gewesen wäre.

Gesamter Stadtraum: Stelenprojekt „Orte der Friedlichen Revolution“

Am 9. Oktober 2010 wurde das vom Bürgerkomitee Leipzig e. V. initiierte Projekt „Orte der Friedlichen Revolution“ eingeweiht. Im Leipziger Stadtraum markieren seitdem 20 Stelen wichtige Originalschauplätze des demokratischen Aufbruchs von 1989/90, an denen Aktionen stattfanden, die entscheidend zum Sturz der SED-Diktatur beitrugen.

Fotos und deutsche bzw. englische Texte vermitteln die Besonderheit, Vielschichtigkeit und Einmaligkeit der Friedlichen Revolution in Leipzig, die den Weg zur deutschen Einheit öffnete. Mittels QR-Code an den Stelen können Sie die App „Leipzig ’89“ mit einer mehrsprachigen Hörführung und über 300 originalen Fotos, Dokumenten und zeitgenössischem Filmmaterial herunterladen.

Stele des Projekts "Orte der Friedlichen Revolution" in der Thomasgasse, Geschichte von Leipzig, Thomaskirche, Sehenswürdigkeiten
© Sebastian Willnow